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Den einen, Thilo Sarrazin (l.), will die SPD loswerden, weil er so rechts ist. Der andere, Oskar Helmerich, kam erst 2016 von der AfD in die SPD. Jetzt sorgen beide zusammen in Thüringen für Unmut. Bild: imago/getty images/montage: watson

Thüringer SPD-Abgeordneter will mit Thilo Sarrazin Wahlkampf gegen die AfD machen

Thilo Sarrazin hat mit seinem 2010 erschienenen Buch "Deutschland schafft sich ab" einen Grundstein für den Aufstieg der Neuen Rechten in Deutschland geschaffen. Die SPD, der Sarrazin schon seit den 1970er Jahren angehört, versuchte mehrfach, ihn aus der Partei zu schmeißen. Ein Thüringer SPD-Landtagsabgeordneter will sich jetzt ausgerechnet bei Sarrazin Wahlkampf-Unterstützung gegen die AfD holen.

Am 22. Mai, nur vier Tage vor der Landtagswahl, soll Sarrazin in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt aus seinem aktuellen islamfeindlichen Buch "Feindliche Übernahme" vorlesen und anschließend ein Streitgespräch mit einem Vertreter der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde führen. Das berichtete die "Thüringer Allgemeine" am Samstag.

Eingeladen wurde Sarrazin durch Oskar Helmerich, der seit 2016 Mitglied der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag ist. Pikant wird diese Einladung auch durch Helmerichs eigenen politischen Werdegang.

Von der AfD in die SPD

Helmerich zog nämlich ursprünglich gar nicht als Sozialdemokrat ein, sondern wurde 2014 als AfD-Vertreter in den Landtag gewählt. Auf Listenplatz zwei, gleich hinter dem sogar für AfD-Verhältnisse besonders rechten Björn Höcke. Er war außerdem Vorsitzender eines AfD-Kreisverbandes und gehörte dem Landesvorstand der Partei an.

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Helmerich (rechts) und seine ehemaligen politischen Weggefährten. Bild: imago

Nach der Wahl in den Landtag löste er sich nach und nach von der AfD. Wegen "persönlicher und politischer Differenzen" zog er sich aus dem Landesvorstand zurück, die AfD-Fraktion drängte ihn mehr und mehr raus. 2015 verließ Helmerich zuerst die Fraktion und dann die Partei. Er war Team Lucke, wollte keinen rechtsextremen Turn der Partei. AfD-Fraktionschef Höcke hatte bekanntlich andere Pläne.

Doch auch vor dem Rechtsruck der AfD im Jahr 2015, bevor der Parteigründer Bernd Lucke austrat, um anschließend seine "Liberal-Konservativen Reformer" zu gründen, war die AfD eine rechte Partei. Auch damals gab es in ihr laut und deutlich hörbare rechtsextreme Stimmen. Und auch der wirtschaftsliberale Parteiflügel war weit entfernt von sozialdemokratischer Politik. Nach einer Phase als fraktionsloser Abgeordneter ging Helmerich dennoch zur SPD. Die freute sich über eine weitere Stimme für die rot-rot-grüne Regierungskoalition. Heute ist er nicht nur Fraktions- und Parteimitglied, sonder auch justizpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Rächt sich das jetzt?

Nun sorgt Oskar Helmerich für Schlagzeilen, auf die seine (neue) Partei wohl lieber verzichten würde. Der "Thüringer Allgemeinen" sagte er: "Thilo Sarrazin spricht vielen Menschen aus dem Herzen, die sich aufgrund einer Schweigespirale oft nicht mehr zu sagen trauen, was sie denken." Die Einladung sei "eine Maßnahme, die in das politische Konzept der Thüringer SPD passt, um Wähler zu werben, die zur AfD abgewandert sind", sagte Helmerich der Zeitung weiter.

Mit der Thüringer SPD abgesprochen war das jedoch offenbar nicht: Der SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee distanzierte sich noch am Samstagvormittag von Helmerichs Wahlkampf-Veranstaltung.

Auf Facebook schrieb er:

(fh)

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