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SYMBOLBILD - 10.06.2020, Baden-W

Das soziale Netzwerk Facebook will künftig mehr auf Hassbotschaften achten. Bild: dpa / Uli Deck

Gegen Hassbotschaften: Facebook markiert problematische Politiker-Posts

Facebook reagiert auf die anhaltende Kritik: Das Online-Netzwerk weitet sein Vorgehen gegen Hassbotschaften aus und will problematische Posts von Politikern künftig markieren. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kündigte am Freitag an, fortan werde eine größere Bandbreite von bezahlten Anzeigen - also auch Wahlwerbung - untersagt. Derweil beziehen Konzerngiganten wie Coca-Cola und Unilever mit einem Anzeigenboykott in Online-Netzwerken Stellung gegen Rassismus und Hass im Netz.

Verboten werden laut Zuckerberg Behauptungen, wonach Menschen einer bestimmten "Rasse, Ethnie, nationalen Herkunft, Religion, Kaste, sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder eines bestimmten Einwanderungsstatuts eine Bedrohung für körperliche Sicherheit, Gesundheit oder das Überleben anderer darstellen". Auch sollten "Einwanderer, Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende" vor Anzeigen geschützt werden, die sie als minderwertig oder verachtenswert darstellen.

Facebook will außerdem in bestimmten Fällen Botschaften von Politikern markieren, wenn sie gegen die Regeln des Netzwerkes verstoßen, wie Zuckerberg schreibt.

"Einige Male pro Jahr lassen wir Inhalte stehen, die ansonsten gegen unsere Regeln verstoßen würden, wenn das öffentliche Interesse größer ist als das Risiko eines Schadens."

Das sei beispielsweise bei Politiker-Reden der Fall, die einen Nachrichtenwert hätten. Künftig solle darauf hingewiesen werden, wenn solche Inhalte gegen die Facebook-Regeln verstoßen. Die Inhalte werden entsprechend markiert, aber nicht entfernt.

Keine Ausnahmen gebe es, wenn Botschaften zu Gewalt oder einer Unterdrückung des Wahlrechts führen könnten, betonte Zuckerberg. Solche Inhalte würden gelöscht. Der Facebook-Chef verwies auf den Wahlkampf für die US-Präsidentschaftswahl im November, der besonders "hitzig" werden dürfte.

Ähnliches Bild wie bei Twitter

In den vergangenen Wochen haben wiederholt Posts von US-Präsident Donald Trump für Wirbel gesorgt. Der Kurzbotschaftendienst Twitter verbarg zuletzt wiederholt Tweets des Rechtspopulisten hinter einem Warnhinweis wegen "Gewaltverherrlichung" oder "missbräuchlichem Verhalten". Twitter unterzog Äußerungen des Präsidenten zudem einem Faktencheck.

Facebook dagegen ergriff keine solchen Maßnahmen - und wurde dafür viel kritisiert. Eine Reihe von Unternehmen will im Wahljahr keine Wahlwerbung mehr bei Facebook schalten. Der britisch-niederländische Konsumgüterriese Unilever kündigte am Freitag an, wegen der "polarisierten" Wahlkampf-Atmosphäre ab sofort bis zum Jahresende in den USA keine Werbung mehr auf Facebook, Instagram und Twitter schalten zu wollen.

Laufen Facebook die Kunden weg?

Immer mehr Firmen sehen von Anzeigen bei Facebook ab, weil der Internetriese aus ihrer Sicht zu wenig gegen Hasskommentare und Aufrufe zur Gewalt unternimmt. Am Donnerstag kündigte der US-Telekommunikationskonzern Verizon an, dass er seine Werbung auf Facebook aussetze. Die Sportartikelhersteller Patagonia und North Face folgten. Vorausgegangen war ein Boykottaufruf der Organisation Anti-Defamation League im Rahmen einer Kampagne unter dem Motto "Stoppt den Hass aus Profit".

Als Zeichen gegen Rassismus setzt Coca-Cola für mindestens 30 Tage jegliche Werbung in allen Online-Netzwerken aus. "Es gibt keinen Platz für Rassismus in der Welt und es gibt keinen Platz für Rassismus in den sozialen Netzwerken", teilte Konzernchef James Quincey mit. Online-Netzwerke sollten mehr "Transparenz und Verantwortung" an den Tag legen, forderte er. Seine Entscheidung habe aber nichts mit der Kampagne der Anti-Defamation League zu tun.

In der Zwischenzeit werde Coca-Cola seine Werbestrategie überprüfen und "schauen, ob Korrekturen nötig sind", erklärte er. Coca-Cola ist eine der bekanntesten Marken der Welt und gibt enorme Summen für Werbung aus.  

In den USA finden am 3. November Präsidentschaftswahlen statt. Die Anhänger von Amtsinhaber Donald Trump und seine Gegner stehen sich vielfach unversöhnlich gegenüber. Die tiefe Spaltung der US-Gesellschaft wurde auch im Zuge der jüngsten landesweiten Proteste gegen Rassismus deutlich.

(lin/afp)

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