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Wenig beeindruckend: Die Apple-Keynote Bild: apple/screenshot

Meinung

iPads und Apple Watch: Effekthascherei bei der Apple-Keynote

Jährlich stellt Apple bei einer Präsentation, der Keynote, seine neuesten Errungenschaften vor. Jährlich ergötzen sich Fans des stilverliebten Konzerns an den neuen Produkten, deren Details in der Regel pathostriefend hervorgehoben werden. Besonders freuen sie sich aber auf die alljährliche Demonstration des neuen iPhones.

Dieses Jahr hält sich Apple diesbezüglich zurück. Kein einziges Wort zum iPhone 12! Stattdessen legt Apple seinen Fokus auf andere Produkte, darunter die neue Apple Watch.

Mit Blick auf die Präsentation ist sie beeindruckend. Sofern man sich von schnellen Szenenwechseln, Panoramaaufnahmen von grünbehangenen Bergen und Tim Cooks (Apple-CEO) messiashaften Lobreden wie "Es ist erfreulich, zu sehen, wie Apple-Produkte dabei helfen, Menschen zusammenzubringen und durchzuhalten" blenden lässt. Doch Schluss mit Cook-Sprüchen, kommen wir zu den "weltverändernden" Neuheiten.

Die Apple Watch 6, der Lebensretter

"Apple Watch revolutionierte, zu was eine Uhr fähig ist. Vor über hundert Jahren war sie nur auf eine Sache ausgerichtet: Zeit "

Tim Cook, Vordenker, Vergangenheitsschmäher, Genie

Richtig, und da soll noch einer sagen, Apple wäre dieser nicht voraus. Dass die LG G Watch (2015) noch vor der ersten Apple Watch (2016) auf den Markt kam, geschenkt. Hatte zwar deutlich weniger Funktionen, aber immerhin Schrittzähler und Bluetooth.

Moderne Modelle der Apple Watch sind deutlich weiter. Tim Cook öffnet damit seine Garage, dimmt die Lichter seiner Wohnung oder streamt seine Lieblingsmusik, wahrscheinlich "Paranoid Android" von Pink Floyd. Interessanter sind hingegen die Gesundheitsfunktionen der neuen Apple Watch.

Eine Herzfrequenz-App, die sich bei einem unregelmäßigen Herzschlag meldet, eine Notruffunktion zusammen mit einem Sensor, der Stürze erfasst, sowie ein Fitnesstracker. Auch einen Countdown zum Händewaschen bewarb Cook. Timer mit Corona-Verkleidung trifft es wohl eher. Dennoch: die Apple Watch kann viel, muss man zugeben.

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Die Apple Watch 6 Bild: apple/screenshot

Mit der Series 6 kommt nun auch ein Infrarot-Sensor hinzu, der die Sauerstoffsättigung im Blut misst. Das ist gut, können doch bei einer zu geringen Sättigung Schwindel, Schwäche oder ein Unwohlsein auftreten – also Gefühle, die man bei Apple-Keynotes bekommt. Spaß beiseite, langfristig kann es bei einem Mangel zu Organschäden kommen.

Kein echter Gamechanger

Ein Messer, der lediglich am Handgelenk sitzt und innerhalb von 15 Sekunden Ergebnisse liefert, ist durchaus praktisch. Ein Gamechanger ist er aber nicht. Fitbit-Armbanduhren haben diese Funktion ebenfalls, zumindest seit 2017. Nichtsdestotrotz ist die kommende Apple Watch 6 nicht schlecht, aber auch nicht wirklich neu.

Die zusätzliche EKG-Funktion kann darüber auch nicht wirklich hinwegtäuschen. Selbiges gilt für die Fitnessfunktionen wie Kurse oder Trainingsvideos sowie Live-Erfassung der Gesundheitsdaten im bald erscheinenden Fitness+-Abo.

Die Apple Watch 6 wird auch in rot und blau erscheinen. 399 Dollar soll sie kosten. Hierzulande zahlen wir 418,15 Euro. Für die günstigere Apple Watch SE, langsamerer Prozessor, kein EKG, hingegen 291,45. Beide sind ab dem 18. September erhältlich.

Doch weiter im Überschwang. Kommen wir zum neuen iPad.

Das iPad 8, der Tiefstapler

"Es ist ein großes Jahr für das iPad"

Tim Cook, Philanthrop, Held, Meisterrhetoriker

Das iPad 8 kommt bald. Und es ist schneller als ein Windows-PC gleicher Preisklasse, was auch für Android oder Chromebook gilt. Und Apple-Fans wissen, wenn das Unternehmen eins kann, dann Tiefpreise. Mehr dazu später. Optisch hebt sich das Gerät nicht von anderen Tablets ab.

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Das iPad 8 Bild: apple/screenshot

Großer Bildschirm, kleiner Knopf, Kamera und schwarz – wahlweise auch in anderen Farben, etwa weiß. Der Apple Pencil 1 lässt sich auf ihm noch ganz normal bedienen, bei einem Preis von knapp 100 Euro wäre das wohl das Mindeste. Außerdem erkennt das Betriebssystem, iPadOS14, nun auch Formen. Ach, ja: 330 US-Dollar wird es kosten und ebenfalls am 18. September erscheinen.

Nicht viel hatten die Applelogen sonst zu sagen. Auch nicht beim nächsten Exponat.

Noch ein Tablet

"Riesiges Jahr für das iPad"

Tim Cook, Milliardär, Weltretter, Verfechter redundanter Phrasen

Aus groß mach riesig. Und ja, das iPad Air ist, wie Nutzerinnen und Nutzer wissen, einen Tacken besser als der Ableger ohne schnörkeligen Beinamen. Doch was kann das neue Modell im Vergleich zum Vorgänger?

Nun, es hat einen schnelleren Prozessor, ein neugestaltetes Design, das sehr an das iPad Pro erinnert, und, hier wird es spannend: keinen Homeknopf. Die Touch ID soll diesmal im An/Aus-Knopf integriert sein. Klingt erstmal nicht beeindruckend, ist aber tatsächlich mal was Neues. Apple spricht auch von einem "All Screen Display", doch hier müssen fleißig Erbsen gezählt werden: Einen halben Zentimeter Rand hat das Tablet schon.

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Das neue iPad Air Bild: screenshot/youtube

Angeblich hat es auch eine bessere Grafikperformance wie vergleichbare, gar teurer PCs. Zusammengefasst: Das Ding läuft flotter als alle Vorgänger. Wäre aber auch komisch, wenn es langsamer wäre. Externe Geräte sollen sich zudem besser ansteuern lassen und einen USB-C-Anschluss soll es ebenfalls geben. Beides bei Apple-Produkten leidige Themen.

Ärgern dürften sich diejenigen, die sich in diesem Jahr ein iPad Pro für 879 Euro gekauft haben. 600 Dollar soll das Oktober erscheinende iPad Air kosten. In Deutschland 632,60 Euro. Tja, für alle Pro-Besitzer wohl kein riesiges iPad-Jahr.

Ein paar Kleinigkeiten, aber nichts Weltbewegendes

Und damit neigte sich die Keynote auch schon dem Ende zu. Für die kommende Woche kündigte Cook noch neue Betriebssysteme für Apple Watch und iPad an und verschwand darauf relativ unspektakulär. Dabei lässt er einen mit vielen Fragen zurück. Allen voran die nach dem neuen iPhone 12. Schade.

Meinung

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