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Bild: twitter montage

Überraschende Zwei-Drittel-Mehrheit: So feiern die Iren das Ende des Abtreibungs-Verbots

"Eine stille Revolution!"

26.05.18, 21:20 27.05.18, 15:52
Julia Dombrowsky
Julia Dombrowsky

Wer in Irland einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen wollte, musste sich bislang in einen Flieger setzen, um ins Nachbarland Großbritannien zu reisen – damit ist jetzt bald vermutlich Schluss.

Denn am Freitag durften 3,2 Millionen Irinnen und Iren wählen, ob sie für oder gegen die Abschaffung des Verfassungsartikels 8 stehen, der Abtreibungen unmöglich gemacht hatte. Das Ergebnis des historischen Referendums: Überraschend stimmten zwei Drittel für eine Lockerung: 66,4 Prozent votierten für die notwendige Verfassungsänderung, 33,6 Prozent dagegen. Ministerpräsident Leo Varadkar sprach von "einer stillen Revolution", die sich in den vergangenen 10 bis 20 Jahren in Irland Bahn gebrochen habe.

Hier die Hintergründe zur Entscheidung

Wie war die Rechtslage bislang in Irland?

Im katholisch geprägten Irland galt bisher eines der strengsten Abtreibungsverbote der EU. Wer dagegen verstieß, konnte mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft werden. Selbst nach einer Vergewaltigung war ein Schwangerschaftsabbruch untersagt.

Tausende irische Frauen reisten jährlich nach Großbritannien und in andere Länder, um Abtreibungen vornehmen zu lassen. Mehr als 168.700 Schwangere ließen von 1980 bis 2016 den Eingriff in Großbritannien vornehmen. Das geht aus britischen Statistiken hervor, für die die Heimatadressen der behandelten Frauen ausgewertet wurden.

Grundlage für das strikte Verbot war ein Verfassungszusatz von 1983. Demnach waren ungeborene Kinder genauso in ihrem Recht auf Leben geschützt wie ihre Mütter. Dieser Artikel soll nun wegfallen.

Vor allem Frauen und junge Menschen sollen ersten Prognosen zufolge für eine Änderung des Gesetzes gestimmt haben. Geplant ist eine Legalisierung von Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche.

Welche Frauen in dem Prozess wichtig waren:

Savita Halappanavar

Die Geschichte von Savita Halappanavar löste schon vor sechs Jahren eine Debatte über  Paragraf 8 aus und spielte auch jetzt wieder eine Rolle.

Die 31-jährige Zahnärztin starb am 28. Oktober 2012 in Galway, nachdem ihr eine Abtreibung verweigert worden war. In ihrer 17. Schwangerschaftswoche war sie mit einer Blutvergiftung ins Krankenhaus gekommen, dass sie ihr Kind verlieren würde, war schnell klar.  

Trotzdem musste sie tagelang in der Klinik ausharren, bis das Kind von alleine tot geboren wurde. In der Zwischenzeit hatte sich die Blutvergiftung auf ihre Organe ausgeweitet, Savita starb an einem Herzstillstand.

Arlette Lyons

Die Irin Arlette Lyons ist eine Galionsfigur der "Repealthe8th"-Bewegung, weil sie nicht müde wird, ihre persönliche Geschichte zu erzählen, obwohl sie dafür regelmäßig angefeindet wird. 

Die dreifache Mutter wurde 2012 mit einem Baby schwanger, bei dem in der 14. Schwangerschaftswoche Trisomie 13 und eine große Halszyste erkannt wurde. Die Ärzte sagten, das Kind werde außerhalb des Bauches keinerlei Überlebenschance haben. Arlette hatte zwei Möglichkeiten: Abwarten, bis die Fehlgeburt einsetzt oder nach England fahren, um abzutreiben. Sie reiste nach Liverpool. Ihr totes Kind, Skye, musste sie nach der Abtreibung dort zurücklassen.

Wie die Wahl aussah:

Hunderte Irinnen reisten extra zurück in ihre Heimat, um wählen zu gehen. 

Auch die ältere Generation unter den Irländern ging zur Wahl. Einige zusammen mit ihren Kindern und Enkelkindern, um das "Ja" für Abtreibungen zu wählen.

Was die Gegner sagten:

Im Internet erklärten Abtreibungsgegner unter #VoteNo, warum sie gegen die Abschaffung des Paragrafen 8 sind.

Romy Schneider setzte sich schon in den 70ern für das Recht auf Abtreibung ein

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