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Diana Oertel putzt seit zehn Jahren Privathaushalte. Außerdem hat sie zwei weitere Jobs, weil es sonst nicht zum Leben reicht. Bild: ZDF

"Immer mehr Arbeit für immer weniger Geld, das ist Lohnsklaverei": ZDF über Niedriglohn

Diana Oertel hat nicht nur einen, nicht zwei – sondern drei Jobs. Die fünfache alleinerziehende Mutter arbeitet teilweise zwölf Stunden täglich und kommt dennoch kaum über die Runden. Gerade einmal knapp über 2000 Euro stehen ihr monatlich zur Verfügung.

So wie Oertel geht es rund 4,1 Millionen Menschen in Deutschland: Etwa jeder fünfte Arbeitnehmer hierzulande wird unterbezahlt. Das zeigt das ZDF in seiner Doku: "Wenn das Geld nicht reicht – Arbeiten zum Hungerlohn".

Immer mehr Beschäftigte im Niedriglohnsektor – trotz sinkender Arbeitslosigkeit

Obwohl die Arbeitslosigkeit in Deutschland seit Jahren zurückgeht, steigt die Beschäftigung in prekären Verhältnissen: Zunehmend viele Menschen halten sich mit Leiharbeit über Wasser. In der Vergangenheit wurde der Mindestlohn in vielen Unternehmen nicht eingehalten.

So veröffentlichte 2019 das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung im vergangenen Jahr eine Umfrage, die zeigt, dass 2017 rund 1,8 Millionen Menschen weniger als den zu diesem Zeitpunkt gesetzlich festgelegten Mindestlohn von 8,84 Euro verdienten.

Viele Menschen nehmen trotzdem Jobs unter solchen Bedingungen an, da die sozialen Leistungen seit Einführung des Hartz-IV-Systems gekürzt wurden.

Arbeiten zum Niedriglohn als Chance?

Die Situation sei jedoch trotz aller negativen Vorzeichen nicht so dramatisch, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Clemens Fürst. Den Niedriglohnsektor sehe er als Chance, in den Arbeitsmarkt einzusteigen, wie er in der ZDF-Doku sagt:

"Damals hat sich die Einschätzung durchgesetzt, dass es besser ist, wenn Menschen zu niedrigen Löhnen arbeiten und was vom Staat dazukriegen."

Diana Oertel, die an der Kasse im Supermarkt arbeitet, Essen ausliefert und täglich private Wohnungen putzt, erhält keine staatliche Unterstützung. Nicht nur die gelernte Zootechnikerin, sondern auch ihre Kinder mussten lernen, mit wenig auszukommen:

"Ich hab' denen halt vor Augen geführt, dass nur eins geht, entweder essen oder Spielzeug in manchen Monaten."

Nicht nur das ständige Hin- und Herfahren zwischen ihren Arbeitsstellen empfindet Oertel als Belastung. Auch bei der Arbeit selbst hat sie das Gefühl, immer mehr leisten zu müssen – in immer kürzerer Zeit. Trotz drei Jobs bleiben ihr nur etwa 550 Euro monatlich zum Leben übrig. "Es macht mich schon wütend und deprimiert, dass man mit wirklich harter Arbeit sein Leben mehr schlecht als recht bestreiten kann", sagt sie in der Doku.

Hubertus Heil, der sich ebenfalls in der Sendung äußert, meint verstehen zu können, wie sehr die Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor die Arbeitnehmer belasten:

"Ich kann mir vorstellen, dass bei vielen der Frust richtig groß ist."

Deswegen will er wieder für eine stärkere Tarifbindung sorgen, wie es beispielsweise in der Pflege – einer besonders prekären Branche – möglicherweise bald der Fall sein soll. Auch eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro ist denkbar – allerdings nicht in naher Zukunft.

Geringverdienerin vergleicht Arbeit im Niedriglohnsektor mit "Sklaverei"

Ob Oertel von diesen Maßnahmen profitieren wird, ist unklar. Feststeht, dass ihr Frust, wie Heil vermutet, tatsächlich "richtig groß" ist – in der Sendung sagt sie:

"Immer mehr Arbeit für immer weniger Geld, das ist Lohnsklaverei."

(ak)

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