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Auch wenn die Verlockung groß ist: Bitte feiert keine privaten Coronapartys. Echt nicht. Bild: Getty Images

"Corona-Party" zuhause? Das solltet ihr bleiben lassen

Was tun, wenn man in Zeiten von Corona an der Clubtür gar nicht erst zu hören bekommt: "Heute nicht"? Denn die Tür muss zubleiben. Was tun, wenn die Eckkneipe oder der Whisky-Salon nicht mehr ausschenken dürfen?

Nun, zuhause bleiben wäre eine Option. Genauer gesagt: Es ist die einzige Option zur Zeit.

Wer nun aber denkt, klasse, verlagere ich die Party halt zu mir, wird damit nicht nur sehr schnell seinen Nachbarn auf die Nerven gehen, die die Lage ernst nehmen.

Nein, wer zu Partys im privaten Rahmen, ob zuhause oder vielleicht im Park, einlädt, der handelt gegen die derzeitigen Bestrebungen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Nach Hause einzuladen oder zu anderen Festen zu gehen, sei im Sinne der Eindämmungsbestrebungen nicht sinnvoll, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Montag in Berlin. "Ich sage das deshalb, weil es inzwischen offenbar bereits sogenannte Corona-Partys gibt, wenn die Clubs geschlossen wurden."

Er appellierte:

"Bitte tun Sie das nicht. Bleiben Sie möglichst zu Hause, und schränken Sie ihr Gesellschaftsleben so weit wie möglich ein."

rki-vizepräsident lars schaade

Das ist so höflich formuliert, wie es ein Vertreter einer Bundesbehörde formulieren muss, die täglich sachlich und nüchtern über das Virus, die Ausbreitung und Schutz vor Ansteckung informiert.

Munter Weiterfeiern?

Die Comiczeichnerin Nadja Hermann wählte einen etwas direkteren Weg, um ihr Unverständnis für "Corona-Partys", ob im Freien oder Zuhause, auszudrücken.

Weder Hermann noch Schaade übertreiben. In Berlin etwa mussten Polizeibeamte über das Wochenende zu Dutzenden Einsätzen ausrücken, weil einige Barbetreiber und Clubs ihre Türen (noch) nicht geschlossen hatten.

Der "Tagesspiegel" berichtete von Raucherkneipen, in denen Gäste dicht gedrängt standen, und davon, dass 100 Polizistinnen und Polizisten extra im Einsatz waren, um die Verordnungen der Stadt durchzusetzen.

Bereits seit dem vorvergangenen Wochenende suchen die Behörden außerdem Clubgänger, die sich möglicherweise angesteckt haben könnten.

Und bei manchen war die Botschaft auch am Montag noch nicht angekommen:

Berlin war beileibe keine Ausnahme. Vom Münchner Viktualienmarkt etwa tweetete eine Redakteurin der "Süddeutschen Zeitung" diese Aufnahme, die offenbar am Samstag entstanden ist:

Warum ihr das besser bleiben lasst

Am Montagmorgen gab das Robert Koch-Institut bekannt, das inzwischen rund 4800 Infizierte gemeldet seien. In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern seien die Fallzahlen besonders hoch, sagte Schaade.

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl seien aber auch andere Bundesländer stark betroffen: etwa die Stadtstaaten Hamburg und Berlin. Über die Zahl der Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden, habe man keinen systematischen Überblick, so Schaade.

Da die Zahlen weiter relativ stark ansteigen, sei es wichtig, die nun eingeleiteten Maßnahmen konsequent umzusetzen. Inwieweit sich die Schließung etwa von Schulen und Clubs auf die Statistik auswirkt, zeige sich voraussichtlich nach zehn bis zwölf Tagen, erläuterte Schaade. Er verwies auf die Inkubationszeit sowie Verzug bei Diagnose und Meldung.

Am Dienstag waren laut RKI-Zählung landesweit 6012 Krankheitsfälle und 13 Todesfälle gemeldet. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Fallzahlen wesentlich höher sind", sagte RKI-Chef Lothar Wieler.

Um es klar zu sagen: Wer sich nicht an die Empfehlungen hält, der riskiert nicht nur eine Ansteckung mit dem Virus. Er oder sie fällt damit möglicherweise einem Gesundheitssystem zur Last, das in den nächsten Wochen an seine Grenzen kommen wird.

Nicht nur, weil die Krankenhäuser zunehmend Corona-Patienten behandeln müssen, sondern weil auch im Pflegepersonal Menschen wegen der Krankheit oder Überlastung ausfallen werden.

Der Harvard-Wissenschaftler Eric Feigl-Ding warnte bereits am Wochenende vor besorgniserregenden Zahlen aus Südkorea. Demnach sieht es so aus, als ober gerade die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen zu denen gehören, die zur Verbreitung des Virus am meisten beitragen.

Feigl-Ding führt aus, dass es nicht entscheidend sei, dass in dieser Bevölkerungsgruppe die Covid-19-Krankheit meistens milde verlaufe. Junge Menschen seien wesentlich aktiver und schränkten sich weniger in ihrem Sozialleben ein, trügen daher auch stärker zur Ausbreitung bei.

Egal wie hedonistisch ihr veranlagt seid, oder wie egal euch die Risikogruppen sein mögen (eure Großeltern und vielleicht auch Eltern gehören dazu): Zum Wohle aller sollte es euch nicht schwer fallen, für ein paar Wochen auf Feiern und Partys zu verzichten.

Bitte!

(mit dpa)

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