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Selbstgenähte Masken wie diese schützen vor allem andere Menschen vor einer Ansteckung. Wie gut schützt sie dich als Träger? (Symbolbild) Bild: imago images

Schal, Tuch, selbstgenähte Maske: Was schützt dich am besten vor Corona?

Maske auf, heißt es nun in ganz Deutschland: Seit dieser Woche wurde in allen Bundesländern als neue Maßnahme im Kampf gegen Corona eine Maskenpflicht eingeführt. Wer nun also Bus oder Bahn fährt oder einkauft, sollte eine Schutzmaske tragen, die Mund und Nase bedeckt.

Um der neuen Pflicht nachgehen zu können, ist übrigens keine professionelle Maske notwendig: Die sollten nämlich für das medizinische Fachpersonal reserviert bleiben, die direkt mit Patienten arbeiten. Für den Alltagsgebrauch reicht in der Regel auch eine selbstgenähte Stoffmaske, ein Schal oder ein Tuch vor dem Gesicht.

Selbstgemachte Masken schützen den Träger – und zu Teilen auch dich

Wichtig für den Träger zu wissen, ist: Diese selbstgemachten Masken schützen in der Regel andere Menschen vor einer Ansteckung, weniger den Träger selbst. Das bedeutet: Wenn du eine Maske anhast, ist es weniger wahrscheinlich, dass du Krankheitserreger an andere überträgst. Grobe Tröpfchen, die du beim Sprechen oder Husten abgibst, werden aufgefangen.

Je nachdem, welche Art von selbstgemachter Maske du trägst, kann sie dennoch auch dir als Träger Schutz bieten, zumindest ein wenig. Das zeigt ein Versuch bei "Stern TV".

Wie effektiv verschiedene Arten von Schutzmasken sind, erforscht die Firma Palas in Karlsruhe seit Anfang des Jahres mithilfe eines eigens entwickelten Geräts: Es misst, wie viele Partikel durch eine Test-Maske eingeatmet werden. Dabei wird mithilfe eines Messgeräts untersucht, wie sicher der Träger der Maske ist.

Überraschendes Ergebnis: Selbstgenähte Masken nach Anleitung nicht am sichersten für den Träger

Der Geschäftsführer von Palas, Maximilian Weiß, testet in "Stern TV" zunächst einen Schlauchschal. Diese bestehen aus dünnem elastischen Material und liegen sehr eng an. Normalerweise schützen sie den Träger beispielsweise im Winter beim Sport im Freien vor dem Einatmen kalter Luft. Vor dem Coronavirus bietet so ein Schal einen Eigenschutz von lediglich 13 Prozent, zeigt das Gerät im "Stern TV"-Beitrag. Das heißt, 87 Prozent der Viren könnten den Stoff durchdringen.

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Einen Schlauchschal wie diesen kennen viele möglicherweise vom Joggen oder Wandern. Bild: RTL/SternTV

Ein üblicher Schal aus Baumwolle schützt den Träger noch weniger davor, Krankheitserreger einzuatmen: Hier beträgt der Anteil nur acht Prozent. Bei einem dünnen Baumwolltuch, das leicht durchsichtig ist, sind es fünf Prozent.

Aber: Es gibt eine simple Möglichkeit, die Schutzfunktion des Stofftuchs zu erhöhen – indem man es mehrfach faltet. Dann liegt der Eigenschutz bei 28 Prozent. Ob man dann allerdings noch gut durch das Tuch atmen kann, kommentiert Weiß auf RTL nicht.

Wie sieht es nun mit selbstgenähten Masken aus? Immerhin kursieren dazu gerade zahlreiche Anleitungen im Internet. Das Ergebnis der Firma Palas ist überraschend: Selbstgenähte Masken, die in der Regel dem Schnittmuster eines professionellen Mund-Nasen-Schutzes gleichen, bieten gerade einmal sechs Prozent Eigenschutz.

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Selbstgenähte Masken dieser Art sehen wir zurzeit häufig auf der Straße. Bild: RTL/Stern TV

Eine andere selbstgenähte Maske, die enger an der Nase anliegt, bietet immerhin 12 Prozent Schutz. Also ähnlich viel, also würde man sich einen Schlauchschal übers Gesicht ziehen.

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Die selbstgenähte Maske bietet mehr Schutz, wenn sie eng an der Nase anliegt. Bild: RTL/Stern TV

Sinnlos sind die Masken wohlgemerkt dennoch nicht: Sie sollen vor allem dafür dienen, andere Menschen nicht anzustecken. Damit sind sie ein wichtiger Akt der Solidarität. Und: Je mehr Menschen eine Maske tragen, desto sicherer ist es, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen.

Sind FFP-2-Masken tatsächlich so sicher?

Es heißt, um den Träger selbst vor einer Ansteckung zu schützen, sind FFP2- und FFP3-Masken am sichersten, die die eingeatmete Luft filtern. Das gilt allerdings nicht pauschal. Sitzt die Maske nicht korrekt, kann ungefilterte Luft in den Körper gelangen. Weiß erklärt bei "Stern TV":

"Das Problem oftmals bei diesen Masken ist, dass man eine Leckage hat. Ein Teil der angesaugten Luft geht vorbei an der Nase in den Mund und wird so nicht gefiltert."

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Maximilian Weiß zeigt, wo möglicherweise Luft bei einer FFP2-Maske eindringen könnte, wenn sie nicht gut anliegt. Bild: RTL/Stern TV

Liegt die FFP2-Maske jedoch richtig an, kann sie den Träger bis zu 65 Prozent schützen, eine FFP3-Maske laut der Messungen sogar bis zu 75 Prozent. Feuchten die Masken aber durch, wie es beim längeren Tragen durch die ausgeatmete Luft passiert, sinkt der Schutz auf 40 Prozent.

Der Versuch bei "Stern TV" zeigt: Es gibt keine Maske, die den Träger selbst vollständig schützt. Selbst die sicheren FFP-Masken bieten laut den Tests einen Eigenschutz von höchstens 75 Prozent. Nach wie vor gilt also: Abstand halten, Hände waschen und Nies- und Hustettikette beachten, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Dennoch: Bitte trage eine Maske – deinen Mitmenschen zuliebe. Auch, wenn du keine Symptome zeigst, kannst du das Coronavirus übertragen. Davor schützen auch selbstgenähte Masken, Tücher und Schals sehr gut. Und bevor du dir eine FFP-Maske zulegst: Denke daran, dass medizinisches Fachpersonal sie wahrscheinlich dringender benötigt.

"Wenn jeder einen Fremdschutz trägt, dann hilft das uns allen."

Maximilian Weiß über das Tragen von Masken stern tv

(ak)

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