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Zur Corona-Krise gilt: Lieber Abstand halten und winken anstatt Händeschütteln oder Umarmen. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / Blue Planet Studio

Reichen 2 Meter Abstand, um sich nicht anzustecken? Das sagt ein Virologe

"Social Distancing" ist wohl die bisher traurigste Maßnahme gegen das Coronavirus in Deutschland. Sie besagt, soziale Kontakte, wenn möglich, zu vermeiden. Bei unumgänglichen Treffen auf zwei Meter Abstand zu gehen. Sich nicht zu berühren. Händeschütteln ist zu einer Geste vergangener Zeiten verkommen.

Angesichts der steigenden Ansteckungszahlen mit Covid-19 ist es nicht nur sinnvoll, sondern notwendig, um gewisse Vorkehrungen zu treffen – vor allem, um Risikogruppen zu schützen.

Dass es schwerfällt, manche der Maßnahmen einzuhalten, verführt möglicherweise dazu, sie infrage zu stellen: Stimmt es, dass wir zu unseren Liebsten körperlichen Abstand halten sollten? Ein bis zwei Meter empfiehlt das Robert-Koch-Institut auf deren Website. Dürfen wir uns wirklich nur noch auf Armlänge Abstand begegnen? Darüber klärt Virologe Hendrik Streeck von der Universitätsklinik Bonn bei "Stern TV" auf.

Sozialer Abstand ist angebracht, meint der Virologe

Streeck ist eigentlich HIV-Forscher, mittlerweile ist sein Alltag allerdings vorrangig von Covid-19 bestimmt. In den vergangenen Wochen ist er mit seinem Team im besonders betroffenen Gebiet Heinsberg von Haus zu Haus gegangen und hat Infizierte nach ihren Symptomen befragt und Abstriche von Oberflächen genommen. Aktuell führt er eine Studie durch, die die Luft aus infizierten Haushalten auf Viren erforscht.

Was den körperlichen Abstand zwischen Menschen betrifft: Wenn man nebeneinander herläuft, beim Spazieren zum Beispiel, und sich normal unterhält, können Tröpfchen mit Viren laut Streeck etwa einen Meter weit fliegen. Beim Husten hingegen können es zwei Meter sein, "deswegen ist das ein guter Abstand", sagt der Virologe.

Deswegen ist die körperliche Distanz auch weiterhin angesagt, um das Coronavirus nicht weiterzuverbreiten – sowohl in geschlossen Räumen als auch draußen, wenn möglich.

Coronavirus überträgt sich womöglich nicht gut über unbelebte Flächen

Eine gute Nachricht ist möglicherweise, dass sich das Virus laut Streeck wahrscheinlich nicht gut über unbelebte Flächen verbreiten kann. Nachdem er und sein Team Abstriche von zum Beispiel Türklinken in betroffenen Gebieten genommen haben, konnten sie zwar Virenmaterial finden, allerdings kein lebendiges. Das konnten die Forscher daran feststellen, dass die Viren in den Proben nicht weitergezüchtet werden konnten.

Ein wenig als würde es sich bei der Corona-Pandemie um einen spannenden Krimi handeln, schlussfolgert Streeck:

"Das ist der Tatort von toten Viren, die da liegen."

Und tote Viren können keine Krankheiten mehr verursachen. Gewissheit gibt es über das Überleben von Viren auf Oberflächen allerdings noch nicht, da noch nicht genügend Daten dazu ermittelt worden sind. Lediglich eine Studie wurde dazu durchgeführt, bei der die Wissenschaftler auch nach drei Tagen noch Virenmaterial auf unbelebten Flächen fanden. Allerdings wurde die Studie im Labor durchgeführt, nicht unter realen Bedingungen.

Vor allem zu Corona-Zeiten: nett lächeln und winken

Entwarnung bedeutet das also noch nicht. Allerdings sollten die bisherigen Maßnahmen wie häufiges Händewaschen weiterhin genügen.

Bis wir einander allerdings wieder die Hände schütteln dürfen, wird wohl noch eine Weile vergehen. Lieber aus zwei Metern Entfernung freundlich winken.

(ak)

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