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Die Wissenschaft fördert immer wieder neue Erkenntnisse zu Covid-19 zutage. Bild: www.imago-images.de / Cavan Images

RKI prüft neue Studie: Covid-Kranke könnten früher ansteckend sein als angenommen

Das Coronavirus bietet auch über sechs Monate nach seinem Ausbruch immer noch genug Stoff für neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Jüngstes Beispiel: Die Zeitspanne, in der mit dem Virus Infizierte ansteckend sind, bevor sie Symptome zeigen. Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass dies nur zwei Tage lang der Fall sei, Covid-Infizierte wären demnach 48 Stunden lang ansteckend, bevor sie Symptome wie Fieber, Husten oder Geruchsstörungen aufweisen.

Doch eine neue Entdeckung stellt dies infrage. So kommen Forscher der Eidgenössischen Technischen Universität (ETH) in Zürich nun zu dem Ergebnis, dass die Erkrankten bereits viel früher ansteckend sind. Bis zu sechs Tage vor dem Auftreten erster Symptome sei dies möglich, so die Wissenschaftler. Sie beziehen sich dabei auf eine Studie der Universität Hongkong von April, in der 77 Infektionspaare untersucht worden sind, die sich nachweislich gegenseitig angesteckt haben. Seinerzeit waren diese zu der Erkenntnis gelangt, dass Personen zwei Tage vor dem Aufweisen erster Symptome ansteckend seien.

Die Schweizer Forscher haben nun einen Fehler in dieser Studie entdeckt. Laut ihren Berechnungen seien Infizierte deutlich länger ansteckend, bevor sie Symptome zeigen, und zwar bis zu sechs Tage. Ihre Ergebnisse haben die Forscher gerade in der "Swiss Medical Weekly" veröffentlicht. Sie widerlegen im Artikel, dass 98 Prozent der präsymptomatischen Ansteckungen auf die zwei Tage vor Ausbruch der Krankheit entfallen, wie die Autoren der Originalpublikation berechneten. Ihrer neuen Analyse zufolge trifft das nur auf 61 Prozent zu.

Wichtig ist die Frage deshalb, weil sie großen Einfluss auf die Nachverfolgung von Kontaktpersonen hat. Ist eine Person nur zwei Tage vor dem Entwickeln von Symptomen ansteckend, müssen bei einer nachgewiesenen Infektion auch nur die Menschen getestet werden, die in diesen 48 Stunden Kontakt zum Infizierten hatten. Ist der Zeitraum jedoch länger, steigt auch die Zahl der zu überprüfenden Verdachtsfälle.

So reagiert das RKI

Das Robert-Koch-Institut hält bisher noch an der Zwei-Tage-Regel fest. "Aufgrund verschiedener Studien und eigener Erfahrungen haben unsere Fachkollegen die zwei Tage vor Symptombeginn in die Kontaktpersonennachverfolgung einbezogen", erklärt eine RKI-Sprecherin gegenüber watson. Das sei bereits im Januar geschehen. Darüber hinaus gebe es auch die Einschätzung aus der Praxis, Modellierungen mit einer gewissen Vorsicht in Entscheidungen einzubeziehen, sagt sie weiter.

"Zum Beispiel ist nur sehr selten beschrieben, was genau als 'Symptombeginn' definiert ist." Dieser könne sehr schleichend sein. Außerdem könnten ein oder mehrere Tage leichter Symptomatik einer typischeren vorausgehen. Dies könne dazu führen, dass in einer Studie der Tag des Symptombeginns zu spät verortet werde. Dadurch wiederum würde auch der präsymptomatisch-infektiöse Anteil überschätzt.

"Die Fachkollegen haben bisher mit den zwei Tagen vor Symptombeginn gute Erfahrungen gemacht", so die Sprecherin. Trotzdem werde die Studie natürlich gründlich geprüft.

"Eine Bewertung ist noch nicht erfolgt."

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