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Ein Arzt in Hannover mit einem Abstrich (Symbolbild). Bild: www.imago-images.de / via www.imago-images.de

Hausarzt: "Wir warten seit drei Wochen auf Atemmasken"

Bereits seit einigen Wochen grassiert das Coronavirus. Seit einigen Wochen ist es medial präsent. Und bereits seit einigen Wochen ist nicht klar, wie bedrohlich es wirklich ist. Viele Menschen sind deshalb verunsichert. Noch dazu befinden wir uns aktuell in der Grippesaison. Das Problem: Grippe und Corona-Infektion ähneln sich.

Trockener Husten, Abgeschlagenheit, Halsschmerzen oder Fieber können bei beiden Erkrankungen auftreten. Auch bei einem grippalen Infekt – oder Erkältung – können derlei Symptome auftreten. Das, summiert mit der Angst vor dem Coronavirus, führt dazu, dass sich manch einer einbildet, er hätte sich mit dem neuartigen Virus angesteckt.

Und das resultiert mancherorts in überfüllte Arztpraxen. Eine "SternTV"-Reportage verdeutlicht das. Darin besuchte ein Journalistenteam mehrere Praxen. Eine davon in München, wo nach derzeitigem Stand 42 Corona-Fälle gemeldet wurden. Schwierig.

Arzt: Nicht jeder braucht einen Test

Die Hausärzte müssen nicht nur neben ihrem normalen Alltag Verunsicherte beruhigen, sondern auch entsprechende Maßnahmen ergreifen, um sich und auch die Patienten vor einer möglichen Corona-Infektion zu schützen.

So müssen Patienten mit Erkältungssymptomen zunächst abklären, ob Sie in einer betroffenen Region waren – bestenfalls telefonisch, da sonst eine Gefahr für die restlichen Menschen in einer Praxis besteht. Bleibt die Frage, wann jemand generell auf Corona getestet wird.

Hier wird es knifflig. So sagt der Arzt Ahmad Sirfy in dem "SternTV"-Report, dass die Mittel schlicht nicht reichen, um jeden Menschen auf Corona zu testen. "Wir können nicht bei jedem einen Abstrich machen", erklärt er. Zudem empfindet er das auch nicht als notwendig. Denn Kontakt mit einem Corona-Patienten hatte er in seiner Praxis bisher nicht, wie er sagt. Dafür umso mehr mit welchen, die glauben, dass sie das Virus haben.

Doch nicht nur der zusätzliche Stress ist ein Problem. Auch der Verschleiß von Schutzmitteln steigt in seiner Praxis. Und wie schwer es ist, an die heranzukommen, wurde bereits in den vergangenen Tagen deutlich. Schließlich häuften sich in jüngster Zeit Hamstereinkäufe.

"Wir warten seit drei Wochen auf eine Bestellung. Atemmasken, Schutzbrillen und Einweghandschuhe"

Ahmad Sirfy quelle: "sterntv"

In anderen Städten gibt es ebenso Engpässe. Der Arzt Wolfgang Vergoßen aus Heinsberg berichtet ebenfalls von Problemen, an Nachschub zu bekommen, betont aber auch, dass er sich zunächst mit allem nötigen eingedeckt habe. Ob es reicht, weiß er nicht.

Zwei Corona-Betroffene berichten

Nun ist es verständlich, dass sich viele um das Virus sorgen machen. Immerhin ist es eine Gefahr, die für uns weder sicht- noch greifbar ist. Zudem kann bei den regelmäßigen Nachrichtenmeldungen schnell das Gefühl aufkommen, dass einen das Virus stets umschwirrt. Auch wenn es keine gemeldeten Fälle in unserer Umgebung gibt.

Bei vielen wird das Angstgefühl noch dadurch verstärkt, dass sich die Symptome ganz unterschiedlich äußern können. Bei Menschen mit Lungenerkrankungen sind sie etwa schwerwiegend und bei den meisten gesunden passiert häufig nichts, wie sich auch bei "SternTV" zeigt.

So melden sich dort die beiden Infizierten Birgit und Daniel Schlerith zu Wort. Erstere leidet an Asthma. Sie musste zeitweise ins Krankenhaus, da sie im Verlauf der Corona-Erkrankung eine Bronchitis bekam.

"Allerdings hatte ich vor zwei Jahren eine Grippe. Daraus entwickelte ich eine schwere Lungenentzündung. Das war wesentlich schlimmer", sagt sie in dem Bericht. Ihr Mann Daniel wurde zwar positiv getestet, hat aber keine Symptome entwickelt. Beide befinden sich in Heimquarantäne.

Keine Panik bei Coronavirus-Verdacht

Sars-CoV-2 ist eine neue Form des Coronavirus – einem Virus-Typ, der grippeähnliche Infekte auslöst. In den allermeisten Fällen in Deutschland verläuft eine Ansteckung mit dem Coronavirus symptomfrei bis milde: Du könntest leichtes Fieber, Halsweh und Abgeschlagenheit erleben.

Danach klingt die Krankheit meist wieder ab. Wirklich gefährlich kann das Virus nur werden, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst: Ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen (wie Krebs oder Lungenkrankheiten) sollten im Falle eines Infektionsverdachts ihren Arzt kontaktieren.

Wenn du Bedenken hast, ruf deinen Arzt bitte an, bevor du in die Praxis gehst. In Menschenmengen können sich Erreger eher verbreiten und so Patienten treffen, für die sie wirklich eine Bedrohung darstellen (die Risikogruppen). Laut Robert Koch-Institut sind Atemschutzmasken nicht erforderlich.

Auch Desinfektionsmittel benötigen nur Menschen mit geschwächtem Immunsystem und solche, die mit vielen anderen in Kontakt kommen (Verkäufer, Pfleger etc.). Achte stattdessen auf gründliches Händewaschen und Niesetikette.

Von sogenannten Hamsterkäufen jeglicher Art, ob Medizin oder Lebensmittel, ist abzuraten. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in Deutschland ist sichergestellt.

Die aktuelle Folge von "SternTV" zeigt ein deutliches Problem auf: Die allgemeine Verunsicherung, die zu überfüllten Arztpraxen und irgendwann überforderten Ärzten führt. Dass diese Angst vielleicht nicht unbedingt in Relation zur eigentlichen Gefahr steht, sei mal dahingestellt.

(tkr)

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