Ein Treffen mit dem Ex-Partner oder einem ehemaligen Date löst nicht immer Begeisterung aus (Symboldbild).
Ein Treffen mit dem Ex-Partner oder einem ehemaligen Date löst nicht immer Begeisterung aus (Symboldbild).Bild: www.imago-images.de / Ignacio Ferrandiz Roig
Dating-Kolumne

"Phrasen dreschen und gequältes Lächeln": Wie man Ex-Dates (nicht) angemessen begegnet

"He said, she said" – die Dating-Kolumne von watson
28.11.2021, 11:1420.05.2022, 10:20
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He said

Leicht angetrunken wasche ich mir die Hände. Mein Blick geht in den Spiegel, die Vorfreude steigt. Endlich wieder mit meinen Freunden ein Konzert erleben! Platz für weitere Bier habe ich geschafft, also drücke ich mit einem breiten Grinsen und voller Vorfreude die Tür der Toilette auf – doch plötzlich schallt mir ein lautstarkes "Heeeeeey" entgegen.

Ich bin kurz geschockt und verwirrt. Ein ehemaliges Bumble-Date steht vor mir. Wir hatten im vergangenen Jahr ein paar schöne Monate im Sommer, dann ist sie wegen des Jobs nach Norddeutschland gezogen.

Wirklich traurig war ich über den Abschied nicht. Ich konnte den Kontakt langsam auslaufen lassen. Und auch sie schien das nicht wirklich zu kümmern.

Nun treffen wir uns hier wieder. Aber was ist die angemessene Begrüßung für so eine Begegnung? Kurz einen Smalltalk starten oder einfach nur heucheln, dass es schön ist, dass man sich endlich mal wieder trifft? Es hat ja schon irgendwo einen Grund, dass keiner mehr geschrieben hat.

bild: emmy lupin studio
Über die Autoren
Jeder von uns stand schon mal im Laufe seines Dating-Lebens vor der Frage: What the fuck?! Manchmal hilft einfach nur ein Perspektivwechsel – und den bekommen unsere Autorin und unser Autor von dem jeweils anderen serviert. Mal urkomisch, mal erbarmungslos ehrlich. Die Beiden sind Mitte und Ende 20, leben in Berlin und sind – zumindest meistens – gerne Single.

Einer meiner Nachfolger kam auch von Bumble

In meiner Überforderung und dem Einfluss von einigen Bieren entscheide ich mich für Aussagen wie "Voll cool dich zu sehen", "Hätte gar nicht gedacht, dass du auch hier bist" und "Bist du jetzt wieder in der Stadt?" – Phrasen dreschen kann ich.

Dass sie wieder in der Stadt ist, wusste ich sogar. Sie hatte es mal bei Instagram erwähnt. Täglich. Über mehrere Wochen.

"Mit einem halbwegs gequälten Lächeln begrüßten wir uns mit einem der Situation angebrachten Brofist."

Aber auch sie schien mit der Situation überfordert zu sein. Es folgten ein paar holprige Sätze, dann stellte sie mir ihren Begleiter vor. Um die Situation etwas aufzulockern, sagte ich: "Bumble-Date 1, das ist Bumble-Date 2".

Mit einem halbwegs gequälten Lächeln begrüßten wir uns mit einem der Situation angebrachten "Brofist". Um dieses komische Gespräch endgültig aufzulösen, ergriff ich die Flucht. Natürlich wieder mit einer Phrase.

"Ich gehe mal wieder zu meinen Freunden, die suchen mich sicherlich schon", sagte ich und ging.

Nach unserem Treffen kam eine
Nachricht bei Instagram

Wenn ich in der Vergangenheit Frauen im Club gesehen habe, mit denen mal mehr lief als spazieren gehen und Kaffee trinken, habe ich die erwachsene Lösung gewählt: Unauffällig die Location wechseln und so tun, als hätte ich sie gar nicht gesehen.

Natürlich gehören solche Begegnungen immer wieder dazu. Auf dem Land wohl noch häufiger als in einer Stadt wie Berlin, Hamburg oder München, aber mir sind solche Begegnungen einfach immer unangenehm.

Im Endeffekt kommt es auch immer darauf an, wie man auseinandergegangen ist. Und manchmal ist es sogar ganz witzig, mit etwas Abstand wieder in Kontakt zu kommen und sich nochmal auf einer anderen Ebene kennenzulernen – und vielleicht entsteht ja sogar eine gute Freundschaft daraus.

Nach unserem Treffen auf dem Konzert schrieb sie mir noch am Abend bei Instagram, wie ich die Show fand. Pflichtbewusst antwortete ich zweimal, dann gar nicht mehr. Es wird wohl keine Freundschaft mehr.

She said

Wer kennt es nicht: Die Ex-Flamme irgendwo treffen, wo man sie nicht vermutet hat. Auch ich hatte diese Situationen für meinen Geschmack einfach viel zu häufig. Und man könnte meinen, dass in einer großen Stadt wie Berlin sich das alles verläuft – aber Fehlanzeige. Irgendwie hat man am Ende ja doch seine Stammbars und Clubs und läuft immer wieder irgendwelchen Dates über den Weg.

Ich persönlich finde das eigentlich selten unangenehm. Wenn ich ein paar Dates mit einem Mann hatte und danach nichts daraus geworden ist, kann man sich entspannt begrüßen, ein paar Sätze miteinander wechseln und seiner Wege gehen. Unangenehm wird es erst, wenn der Kontakt nicht einfach ausgelaufen ist, sondern das alles in einem Drama endete. Und selbst da kann ich oft drüberstehen und bekomme auch ein freundliches "Hallo" zustande. Manchmal sogar auch ein "Wie geht's?", das sich wirklich aufrichtig anhört.

Das unangenehmste Wiedersehen aller Zeiten

Allerdings hatte ich mal ein Wiedersehen mit einer Ex-Affäre, von dem ich bis heute fassungslos bin:

Auf einem Open-Air stand ich in der Toilettenschlange an – was bei Frauen zwischen 20 Minuten und 17 Stunden dauern kann. Leicht angetrunken schaute ich mich also in der Gegend um, beobachtete die Leute, trank meine Weinschorle. Dann sah ich keine fünf Meter von mir entfernt diesen Typen – mit seiner neuen Freundin. Er saß auf einer Bank, sie stand mit dem Rücken zu mir gedreht vor ihm. Da sie ihm quasi die freie Sicht auf mich verdeckte, hatte er mich nicht gesehen. Gut, dachte ich mir und holte mein Handy raus.

Ich lächelte nett, wollte eigentlich aus Höflichkeit zumindest winken. Doch so weit kam ich nicht.

Doch wie das nun mal so ist, schaut man immer wieder rüber, um zu sehen, ob der andere einen nicht doch gesehen hat.

Ich hatte dabei eher gemischte Gefühle, um es mal nett auszudrücken. Unsere "Beziehung" war alles andere als harmonisch und endete mit viel Geschrei, Tränen und betrunkenen Nachrichten. Es war auch das erste Mal in meinem Leben, dass nicht ich beschlossen habe, die Sache zu beenden. Aber auch nicht wirklich er. Wir waren beide zu unterschiedlich, konnten uns nicht aufeinander einlassen und so machte es am Ende mehr Sinn, einen Schlussstrich zu ziehen. Das war etwa fünf Monate her, seit dem haben wir uns nicht mehr gesehen.

Es dauerte etwa fünf Minuten, bis er auch mich sah: Während sie also vor ihm stand und redete, merkte ich, wie sein Blick plötzlich bei mir landete. Er riss die Augen auf, hörte ihr auch glaube ich gar nicht mehr zu. Ich lächelte nett, wollte eigentlich aus Höflichkeit zumindest winken. Doch so weit kam ich nicht.

Wie ein Roboter streckte er seine Arme aus, schob seine Freundin von sich weg, starrte dabei immer noch mich an. Und dann sprang er wie ein Wilder auf, drehte sich um und rannte davon. Er rannte!

Seit wann rennen Männer eigentlich vor mir weg?

Sie wusste überhaupt nicht, was da passiert. Drehte sich um, sah mich, warf mir einen wütenden Blick zu und rannte ihm hinterher. Und ich wusste nicht, wie mir geschieht. Völlig verdattert stand ich einfach nur da und fragte mich: Ist jetzt gerade ernsthaft ein Mann vor mir weggerannt? Wegen meiner bloßen Anwesenheit?

"Dieses Verhalten sprach Bände über ihn als Person und unsere gemeinsame Zeit, in der er metaphorisch vor Problemen wegrannte."

Ich weiß nicht, was dieses Wiedersehen bei ihm ausgelöst hat, dass die einzige Lösung, die er in diesem Moment sah, die Flucht war.

Dieses Verhalten sprach Bände über ihn als Person und unsere gemeinsame Zeit, in der er metaphorisch vor Problemen wegrannte. Dass er dies nun auch buchstäblich tat, war höchst unangenehm für alle Beteiligten, für seine Freundin sicherlich sehr verletzend und für ihn einfach nur peinlich. Da wäre er mit einem einfachen "Hallo" oder einem Kopfnicken in meine Richtung deutlich besser weggekommen.

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