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Strand von Gr

Eine Mitarbeiterin der DLRG überwacht einen Strand. Bei großer Hitze zieht es Menschen ins Wasser – viele überschätzen dabei ihre Kräfte. Bild: imago images / Kirchner-Media

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Vermehrt Badetote nach Hitze-Wetter – woran du Ertrinkende erkennst

Bei den Temperaturen der vergangenen Tage und Wochen denken viele Menschen nur noch an Abkühlung. Kein Wunder also, dass Seen, Strände an Ost- und Nordsee und Freibäder hierzulande teils überfüllt sind. Besonders gravierend war es am vergangenen Hitze-Wochenende von Hoch "Emil".

Mit dem Ansturm an Badegästen steigt aber auch die Zahl der Rettungseinsätze an Seen, Flüssen und der Küste in die Hunderte.

Beim Baden in der bayerischen Donau etwa kam es vergangenes Wochenende zum tragischen Tod eines vierjährigen Jungen. Zusammen mit einem Mädchen wurde der Junge vom Fluss mitgerissen, konnte jedoch nicht wie das Mädchen gerettet werden.

Allein das Bundesland Berlin vermeldete am vergangenen Hitze-Wochenende vier Tote durch Ertrinken in umliegenden Seen. In Nordrhein-Westfalen waren es mindestens sechs Tote, in Hessen starb ein 17-jähriger Nichtschwimmer.

Auch dieses Wochenende ist in vielen Regionen Deutschlands Badewetter angesagt.

Vermehrt Rettungseinsätze während Hitzewelle

Zwar ist die Zahl der Badetoten im Vergleich zum Vorjahr bisher zurückgegangen. In einer Presse-Mitteilung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) heißt es, dass es in der ersten Jahreshälfte dieses Jahres insgesamt 192 Tote bei Badeunfällen gegeben hat, 63 weniger als im letzten Jahr. Dennoch ist die DLRG besorgt, dass die Zahlen jetzt steigen könnten. Im Schnitt können nämlich weniger Kinder schwimmen und während der heißen Tage ist der Andrang an den Gewässern Deutschlands deutlich höher.

Das vergangene Wochenende hat gezeigt, dass die Sorge der DLRG nicht unbegründet ist.

Doch wie erkennt ihr, dass ein Mensch dabei ist, zu ertrinken? Wie verhaltet ihr euch dann richtig und warum muss ist bei hohen Temperaturen besondere Vorsicht wichtig?

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Bild: watson

Woran erkenne ich eine ertrinkende Person?

Watson hat bei der DLRG nachgefragt, welche Auffälligkeiten bei einem ertrinkenden Menschen zu beachten sind. Denn, anders als in vielen Hollywood-Filmen dargestellt, läuft ein Tod durch Ertrinken sehr still ab und ist oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. "Eine in Not geratene Person kann nicht lautstark um Hilfe rufen oder mit Armen und dem Oberkörper gestikulieren, da der Körper im Überlebenskampf versucht, sich selbst zu schützen und sich auf die Atmung konzentriert", erklärt ein DLRG-Sprecher.

Woran also kann man erkennen, das eine Person in Not ist? Die DLRG stellt erstmal klar: "Da gibt es Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen." Der Oberkörper, vor allem der Kopf, sei bei Kleinkindern am schwersten. "Deshalb schwimmen Kleinkinder mit dem Gesicht nach unten auf dem Wasser und können sehr qualvoll sterben." Seht ihr also Kinder vornüber und mit dem Gesicht nach unten im Wasser treiben, dann ist schnelles Handeln gefragt.

Anders verhält es sich bei Erwachsenen. "Die versuchen, sich so gut es geht über Wasser zu halten." Die Arme blieben dabei unter der Wasseroberfläche, häufig schaue nur noch das Gesicht aus dem Wasser. Sieht man also einen Kopf oder nur ein Gesicht aus dem Wasser schauen, und nimmt ansonsten keine Bewegung wahr, sollten die Alarmglocken läuten.

DLRG Rettungsschwimmer und Sanitaeter im Einsatz *** DLRG lifeguard and paramedics in action

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ist zuständig, wenn auf dem Wasser ein Mensch in Not gerät. Bild: imago images / Hans Scherhaufer

Was tue ich, wenn ich eine ertrinkende Person entdecke?

Kommt man in solch eine Situation, stellt sich die Frage, wie man sich am besten verhält. Die DLRG empfiehlt, wie folgt vorzugehen: "Befindet sich eine Person in Not, sollte umgehend der Notruf abgesetzt werden. Sollten Rettungsschwimmer den Strand bewachen und noch nicht auf die Person aufmerksam geworden sein, sind diese anschließend zu informieren."

Zum eigenen Eingreifen wird allerdings nur geübten Schwimmern geraten. Wie die DLRG erklärt, entwickeln Menschen, die vom Ertrinken bedroht sind, starke Kräfte und "klammern sich schnell an jede Rettungsmöglichkeit." Man sollte die eigenen Kräfte – und die der anderen Person – also nicht überschätzen.

"Viele Ertrinkungsfälle passieren dadurch, dass sich Helferinnen und Helfer in Eigengefahr begeben."

Was tue ich, wenn ich selbst nicht mehr kann?

Für den Fall, dass ihr selbst in Not geratet und merkt, dass die Kräfte schwinden, empfiehlt die DLRG, Ruhe zu bewahren. "Nicht hektisch schwimmen und sich versuchen über Wasser zu halten, sondern auf den Rücken drehen und ruhig durchatmen. Das ist eine Art Erholungsphase, um Kräfte zu sammeln", sagt ein DLRG-Sprecher zu watson.

Grundsätzlich ist es für die eigene Sicherheit wichtig, niemals alleine baden zu gehen. Solltet ihr nicht mit Freunden oder der Familie am Wasser sein, aber trotzdem schwimmen wollen, dann achtet darauf, dass zumindest fremde Personen in der Nähe sind, die ihr im Notfall zur Hilfe rufen könnt – oder die vielleicht selbst Hilfe rufen.

Worauf muss ich bei großer Hitze achten?

An derart heißen Tagen, wie sie aktuell weite Teile Deutschlands erleben, ist die Hitze eine zusätzliche große Gefahr. "Bei hohen Außentemperaturen ist die Fallhöhe zur Wassertemperatur oftmals hoch", erklärt die DLRG. "Wir raten deshalb immer dazu, sich vor dem Gang oder gar unmittelbaren Sprung ins Wasser ausreichend mit Wasser abzuspritzen."

Der Grund: An heißen Tagen dehydriert der Körper schneller, weil er mehr Schweiß produziert, um sich abzukühlen. Im Wasser kann das schwerwiegende Folgen haben. "Je heißer es ist, desto größer wird die Gefahr eines Kreislaufkollaps oder Herzstillstandes bei unvorbereitetem Einstieg ins Wasser", warnt die DLRG.

Bei all der Freude über die sommerlichen Temperaturen sollte man sich vor dem Schwimmen also noch einmal versichern, dass man selbst und andere Hilfe bekommen können, sollte eine Notsituation entstehen.

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