Leben
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Emma Amour

Ich war bei einem Single-Dinner – so abgefahren war mein Abend

Mia will ums Verrecken JETZT einen Mann. Dafür rennt die Gute von Tinder-Date zu Tinder-Date und vom Speeddating zum Single-Dinner. In einem schwachen Moment lasse ich mich zu Letzterem überreden und erlebe einen abgefahrenen Abend.

Mit Mia verbindet mich eine lockere Freundschaft. Wir sehen uns manchmal wochenlang nicht. Wenn wir aber aufeinander treffen, ist es jeweils sehr vertraut und überaus witzig.

Das liegt daran, dass Mia das ehrlichste und unverblümteste Mundwerk auf Erden hat. Während die Singles in meinem Umfeld – inklusive mir – auf mega locker und alles easy machen, sieht es Mia anders. Sie macht kein Geheimnis daraus, dass sie frustriert ist. Mia hat die Schnauze vom Single-Dasein so voll, dass sie alles dafür tut, einen Freund zu finden.

Mia will eine Beziehung – und überredet mich zu etwas, was ich normalerweise nie tun würde

Letztens treffen wir uns in einer Bar, die ich nicht kenne. Sie sei bekannt dafür, dass hier Banker, Anwälte und Architekten einkehren. Mia beherrscht es wahnsinnig gut, sich mit mir zu unterhalten, die Lage abzuchecken, zu flirten UND mich nebenbei zu etwas zu überreden, gegen das ich mich normalerweise wehren würde: Leute, ich habe Ja zu einem Single-Dinner gesagt.

Es ist ein Bekannter eines Bekannten von Mia, der die Single-Dinners bei sich daheim macht. Er kocht den Hauptgang, den Rest bringen die Teilnehmer mit. Ich bin fürs Dessert zuständig. Mia rät mir, zu backen. "Damit die Männer schnallen, was für ein Jackpot du auch in der Küche bist."

Ich lache. Und kaufe dann auf dem letzten Drücker Süßkram in irgendeiner Bäckerei, die auf dem Weg liegt.

Mia und ich sind die letzten Gäste, die bei Flo, dem Veranstalter eintreffen. Ein kurzer Blick in die Runde verheißt wenig Gutes. Die Dame beim Snack-Buffet hat bis zum Boden hängende Mundwinkel und null Interesse daran, mir ihren Namen zu sagen. Die zweite Frau hier feiert in zwei Wochen ihren 40. Geburtstag. Ein Fakt, der sie ins Elend stürzt. Was sie uns allen gleich nach der Nennung ihres Namens vorheult.

"Genau deswegen sind Enddreißigerinnen das beste Verhütungsmittel", sagt Flo, der das Eis hier brechen will und lacht. Niemand lacht mit.

Zum Dessert ein erster Sperma-Check

Neben Flo sind noch drei weitere Männer hier. Roli, Betreiber eines Umzugsunternehmens, Fastnachter, Feuerwehrmann. Simon, Landschaftsgärtner und Manuel, Chefkellner eines Restaurants in Effretikon bei Zürich aka "Effi".

Die mit den hängenden Mundwinkeln würde eventuell zu Simon passen, die bald 40-Jährige wäre möglicherweise eine für den Umzugsunternehmer Roli und Mia könnte sich Flo krallen. Manuel und ich gehen wahrscheinlich leer aus.

Drei Stunden, viele Gläser Wein und steife Gespräche später weiß ich: Bei Mia und Flo hatte ich recht. Die flirten. Dass sie bereits einen ersten Sperma-Check macht, schnallt er nicht. Mia will wissen, ob er raucht, wie viel er trinkt, gibt's Erbkrankheiten in der Familie, hat er schon mal Drogen genommen, etc.

Je später der Abend und je lockerer unsere Zungen werden, desto mehr Sympathie entwickle ich für Fastnachter Roli und für die hängenden Mundwinkel. Wenn die Frau dazu leicht einen sitzen hat, kann sie auch lustig.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich selber bisschen was intus habe, aber Rolis Stammtisch-Witze finde ich lustig. Auch wie er die nicht mehr so hängenden Mundwinkel anbaggert, amüsiert mich. "Willst du mal mein Tütchen sehen", fragt er sie und zwinkert. Ich bin nicht ganz sicher, was er mit "Tütchen" meint, aber mich haut's fast vom Hocker. Die hängenden Mundwinkel nicht.

Mia und Flo sind schon lange zu zweit auf dem Balkon. Die bald 40-Jährige will gehen. "Ja nu", sagt sie. "Dann ist der Mann für mich heute Abend halt auch nicht hier." Ich hab's auch langsam gesehen. Und verabschiede mich. Mia, hihi, bleibt noch bisschen.

"Sex and the City" statt Sex

Roli ist auch raus. Draußen lassen wir den Abend Revue passieren. "Alle recht underfucked, gell", findet er. Absolut, sage ich. "Inklusive wir", resümiert er. "Inklusive wir", bestätige ich.

Wir überlegen eine Nanosekunde, ob wir eventuell doch vögeln sollten. "Gell, nicht!?", sage ich. "Leider nein, du bist nicht mein und ich sicher nicht dein Typ", bringt's Roli auf den Punkt.

Er trauert jetzt etwas den hängenden Mundwinkeln nach. Ich derweil könnte gerade nicht glücklicher darüber sein, dass ich alleine nach Hause gehe, wo ich meine ausgeleierte Unterhose mit Luftballons drauf anziehen und "Sex and the City" bingen kann.

Es ist kurz nach elf Uhr, als ich aufwache. Der Blick auf mein Handy zeigt mir sieben Anrufe in Abwesenheit. Von Mia. Und 34 neue Nachrichten. Ebenfalls von Mia.

Eine Whatsapp-Nachricht hätte gereicht. Schließlich wollte sie mir nur mitteilen, dass sie und Flo sich wieder sehen.

Und dass sie sich, nun… eben sieben Anrufe in Abwesenheit und 34 Nachrichten fest freut.

Good Luck, lieber Flo, good Luck!

Adieu

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Bild: watson.ch

Emma Amour ist ...

... Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deinen Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deiner Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Straße hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Bild: watson

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