Aktuell sehen die Öl-Regale in Supermärkten ziemlich leer aus.
Aktuell sehen die Öl-Regale in Supermärkten ziemlich leer aus.Bild: rtn - radio tele nord / rtn, frank bründel

Supermarkt-Filiale geht wegen Öl-Knappheit radikalen Schritt – "gibt Grenzen"

22.04.2022, 17:17

Aufgrund des Preisanstiegs durch den Krieg in der Ukraine stehen Menschen teilweise vor leeren Supermarktregalen. Besonders betroffen sind Nudeln, Mehl, aber auch Speiseöl. Für handelsübliches Sonnenblumen- oder Rapsöl, das normalerweise kaum einen Euro kostet, verlangen einige Supermärkte bis zu 4,99 Euro pro Flasche.

Es gibt viele unterschiedliche Reaktionen auf die ansteigenden Lebensmittelpreise in Deutschland: Hamsterkäufe durch Kunden, Rationierungen durch die Supermärkte. Jetzt ist ein Edeka-Markt noch einen ganzen Schritt weitergegangen.

Anja Müller, Marktbetreiberin einer Edeka-Filiale im nordhessischen Trendelburg, nimmt das Speiseöl komplett aus dem Sortiment. In ihrem Laden platzierte sie einen Zettel an dem leeren Regal, den eine Kundin später auf Facebook veröffentlichte.

In dem Statement erklärt die Marktbetreiberin, dass sie sich so von "diesen Preisen" distanzieren wolle. Bis die Filiale Speiseöl wieder zu "vernünftigen Preisen" erwerben könne, sollen Kunden auf Alternativen zurückgreifen. Dabei verweist sie auf diverse Bratenfette in der Kühlung.

Gegenüber RTL sagte Anja Müller, dass sie nicht damit gerechnet habe, dass sie "damit so einen Stein ins Rollen bringen" würde. Laut eigener Aussage haben ihre Kunden Verständnis und finden den Boykott gut.

Edeka-Marktchefin kann Öl-Preis nicht mit Gewissen vereinbaren

Außerdem merkte sie an, dass Öl mittlerweile bereits bei eBay verkauft werde. Sie wolle "kaufmännischen Alltag betreiben – keinen Schwarzmarkt":

"Ich will hier einfach nur meinen kaufmännischen Alltag betreiben – keinen Schwarzmarkt. Ich kann das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren."

Aber auch ihre Mitarbeiter will Anja Müller mit der Boykott-Aktion schützen. Zwar hätten viele Kunden Verständnis, aber es habe auch immer wieder Menschen gegeben, die die Mitarbeiter der Filiale angingen. So soll ihnen beispielsweise unterstellt worden sein, sich an den hohen Preisen zu bereichern oder das Öl selbst günstiger zu bekommen. Das stimme laut Müller nicht, die Gewinnmarge beim Verkauf des Öls sei allgemein nicht gestiegen.

Auch andere Supermärkte und Discounter reagieren auf die Engpässe und rationieren beispielsweise Produkte. In einer Edeka-Filiale in Braunschweig etwa scheint das Speiseöl nun in verschließbaren Vitrinen zu stehen. Diese sind normalerweise für sehr teure Alkoholflaschen gedacht, die weitaus mehr kosten, als ein gewöhnliches Speiseöl.

(crl)

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