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Die Virenschleuder in der Hand? (Symbolbild) Bild: Getty

Türklinken, Handys, Bargeld: Was darfst du in Corona-Zeiten noch anfassen?

Wer jetzt mit den immer leerer werdenden Bussen und Bahnen fährt, sieht immer häufiger Menschen mit weißen Baumwoll- oder Latexhandschuhen. Türen öffentlicher Gebäude öffnen viele Menschen nur noch mit den Ellbogen. Und Handys werden teilweise mehrmals täglich einer gründlichen Reinigung mit Desinfektionsmittel unterzogen.

All diese Beobachtungen führen uns noch mal deutlich vor Augen: Das Coronavirus breitet sich in Deutschland aus und die Menschen versuchen, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Welche davon sinnvoll und wirksam sind – darüber scheiden sich manchmal die Geister.

Deswegen hat watson mit Virologen und Medizinern gesprochen, um herauszufinden: Wie gehen wir in Zeiten des Coronavirus am besten mit Alltagsgegenständen um, die wir häufig berühren müssen? Was dürfen wir eigentlich noch anfassen? Müssen wir uns nun fürchten vor Handys, Bargeld und Türklinken?

Noch unklar, wie lange Coronavirus auf Oberflächen überlebt

Eins vorweg: Da es sich bei Sars-CoV-2 um ein neuartiges Virus handelt, gibt es noch keine allgemeingültigen Aussagen von Experten darüber, wie gut und lange die Erreger auf unbelebten Flächen überleben. Der Virologe Norbert Tautz von der Universität Lübeck geht davon aus, dass das Virus auf Oberflächen eher instabil sei. "Daher geht die Hauptgefahr eindeutig von infizierten Personen aus", sagt er gegenüber watson.

In seinem NDR-Podcast "Coronavirus-Update" am Montag sagte Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin, das Virus könne laut einer Studie des US-Gesundheitsinstituts NIH bis zu drei Tage lang auf Kunststoffoberflächen überleben. "Das ist allerdings schwierig, auf den Alltag zu übertragen", fügt Drosten hinzu.

Zudem haben die Macher der Studie festgestellt, dass die Infektiosität nach wenigen Stunden deutlich nachlässt. Weitere Faktoren, wie Luftfeuchtigkeit oder Temperatur, können ebenfalls einen Einfluss darauf haben, wie lange sich lebendige Coronaviren auf Oberflächen halten.

"Man muss ganz vorsichtig sein mit solchen wissenschaftlichen Daten."

Christian Drosten im NRD-Podcast am 16.3.

Bisher wurden noch keine Ansteckungen mit dem Coronavirus über Oberflächen nachgewiesen. Die Datenlage dazu ist allerdings noch nicht vollständig erfasst. Solange ist es wohl sinnvoll, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, um die Übertragung von Covid-19 einzudämmen.

Wie fasst du jetzt Türklinken am besten an?

Zugegeben, es sieht immer ein wenig ungelenk aus, wenn man versucht, die Tür der öffentlichen Toilette mit dem Ellbogen zu öffnen. Allgemeinmediziner Wolfgang Kreischer hält dies allerdings durchaus für sinnvoll. Gegenüber watson rät er, die Tür entweder mit dem Ellbogen zu öffnen oder Handschuhe zu tragen. Dennoch heißt es laut des Mediziners: "Anschließend Hände intensiv mit Seife waschen."

Auch Virologe Thomas Schulz von der Medizinischen Hochschule Hannover empfiehlt, Türen mit dem Ellbogen oder Fuß zu öffnen. Stoffhandschuhe hält er ebenfalls für eine Möglichkeit, sich zu schützen, "diese dann aber regelmäßig mit Seife waschen."

Musst du dein Handy ständig putzen?

So ein verschmiertes Handy-Display wirkt wie der perfekte Spielplatz für Krankheitserreger. Möglicherweise ist dein Smartphone aber gar nicht so gefährlich, wie du vielleicht bisher dachtest. Das sagt Axel Baumgarten vom Zentrum für Infektiologie Berlin/Prenzlauer Berg (ZIBP):

"Gegenstände wie Laptops oder Handys berühren in der Regel nur die Besitzer. Wenn man sich also regelmäßig und gründlich die Hände wäscht, tummeln sich auf diesen Dingen auch nicht so viele Krankheitserreger."

Solange du dein Handy also nicht mit zahlreichen anderen Menschen teilst und dir die Hände wäschst, sollte es keine gesundheitlichen Risiken bergen.

Virologe Schulz rät außerdem, das Mobiltelefon einfach hin und wieder abzuwischen – gegebenenfalls mit etwas Feuchtigkeit. Mediziner Kreischer empfiehlt, ein Desinfektionstuch zu verwenden.

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Menschen tragen Mundschutz, um sich vor dem Virus zu schützen. Bild: Getty

Bar oder mit Karte?

Um den Lebensmittelkauf kommst du kaum herum. Folglich wirst du wahrscheinlich auch weiterhin mit der Situation konfrontiert sein, Scheine und Münzen anfassen zu müssen. Mit der EC-Karte zu zahlen könnte möglicherweise eine Alternative sein. Wenn dein Smartphone NFC-fähig ist, kannst du außerdem kontaktloses Bezahlen nutzen.

Während Mediziner Kreischer die Kartenzahlung während Corona-Zeiten für eine gute Idee hält, kann Virologe Schulz dem nur bedingt zustimmen:

"Kartenzahlung ist sicher gut, aber auch hier muss man meistens einen Pin eingeben, was Kontakt mit den Fingern beinhaltet."

Am Ende läuft es also auch hier darauf hinaus: Wenn du nach dem Einkauf wieder zu Hause bist, solltest du dir die Hände waschen. Und, wie schon erwähnt, im Zweifelsfall kannst du Handschuhe tragen, die du ebenfalls regelmäßig säubern solltest.

Es gilt nach wie vor: Regelmäßig und gründlich Hände waschen

Auch wenn gewisse Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll sind, solltest du nicht in Panik ausbrechen, wenn du doch mal die Türklinke der öffentlichen Toilette angefasst hast. Du wirst dich kaum davor schützen können, bestimmte Sachen, wie Geld oder Handys, zu berühren. Virologe Tautz betont:

"Da es sich nicht vermeiden lässt, Dinge des Alltags anzufassen, hilft nur häufiges Händewaschen mit Seife."

Dazwischen sollte man es vermeiden Mund, Nase oder Augen mit den Händen zu berühren, rät der Experte weiterhin.

Baumgarten fügt noch hinzu, dass zur Vernichtung des Virus nicht einmal Desinfektionsmittel nötig sei. Er erklärt, dass Covid-19 als umhülltes Virus recht einfach durch Wasser und Seife zerstört werden könne.

Es gilt also weiterhin: Nicht in Panik ausbrechen, dennoch achtsam sein – und Hände waschen.

(ak)

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