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Gesundheitsreport: Immer mehr Krankmeldungen wegen psychischer Probleme

In den letzten zehn Jahren haben sich die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen mehr als verdoppelt. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Gesundheitsbericht der Betriebskrankenkassen (BKK) hervor. Doch Obacht: Das bedeutet nicht direkt, dass die Anzahl der Erkrankten zugenommen hat.

Denn in dem Bericht heißt es, dass sich die Diagnostik und Therapie in den vergangenen Jahren verbessert habe. Außerdem werde heute viel besser mit psychischen Erkrankungen umgegangen: Betroffene können sich mittlerweile offener zu ihren Erkrankungen äußern als vor zehn Jahren.

Depressionen und Burnout wurden nur selten diagnostiziert

Rund jeder sechste Fehltag (15,7 Prozent) ging im vergangenen Jahr auf psychische Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen zurück, schreiben die Autoren in dem Bericht. Im Vergleich zum Vorjahr sei das ein Anstieg von rund fünf Prozent. Verglichen mit 2008 sei es sogar ein Zuwachs von 129 Prozent.

Fast jeder dritte Arbeitsausfall hänge außerdem mit einer Atemwegserkrankung wie etwa Bronchitis zusammen.

Dass die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen so stark zugenommen haben, hänge auch damit zusammen, dass die Behandlung zu wesentlich längeren Ausfällen führt. Im Schnitt sind es 37 Tage, wie es weiter heißt.

"Psychische Erkrankungen sind kein Tabuthema mehr"

BKK-Vorsitzender Franz Knieps www.bkk.de

Außerdem geht der BKK-Vorsitzende davon aus, dass viele Diagnosen psychische Erkrankungen verdeckt haben.

Die Psychotherapie hat sich weiterentwickelt

Symptome wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme ordneten Ärzte demnach anderen Krankheiten zu. "Dahinter liegen aber psychische Erkrankungen", sagt Knieps in einer Pressemitteilung.

Doch die Therapeuten sind nicht nur besser geworden, sondern auch in der Zahl mehr geworden. Während laut Bericht 2007 deutschlandweit rund 31.000 Therapeuten und Therapeutinnen arbeiteten, waren es 2017 rund 44.000. Betroffene bekommen heute schneller Zugang zu einem Therapeuten.

Doch nicht jede Diagnose sorgt für einen Arbeitsausfall. So meldete sich im vergangenen Jahr von jedem Menschen mit einer diagnostizierten depressiven Episode nur jeder achte krank.

Altenpflege erwischt es besonders schwer

Ob sich jemand krankmeldet, hängt laut Bericht auch mit den Arbeitsbedingungen zusammen. Altenpfleger, Sicherheitsleute oder Erzieherinnen weisen die meisten Kranktage aufgrund psychischer Störungen auf. Besonders stark trifft es die Altenpflege. Dort sind es umgerechnet pro Beschäftigten rund fünf Fehltage.

Übrigens: In manchen Fällen hilft der Job, um bestimmten psychischen Erkrankungen entgegenzuwirken. Das gilt besonders für depressive Episoden – zumindest steht das in dem Bericht. Allerdings komme es dabei auf den Job an. Denn gerade leistungsorientierte Tätigkeiten können einen gegenteiligen Effekt haben, heißt es von Seiten der Deutschen Depressionshilfe.

Hilfe bei Depressionen

Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, dich in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest – hier findest du einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

Telefonseelsorge:
Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichst du rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen du über deine Sorgen und Ängste sprechen kannst. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich.

Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111.

Weitere Infos zu Depressionen findest du auch auf der Seite der Deutschen Depressionshilfe.

(tkr)

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