Wein
Rotwein, Weißwein und Rosé, Hauptsache alkoholfrei: watson macht den Qualitätstest.Bild: Pexels / Helena Lopes
Im Test

Wie viel Spaß macht alkoholfreier Wein? Watson macht den Test

19.12.2022, 15:5419.12.2022, 15:56

Gründe, warum man keinen Alkohol trinkt, gibt es viele: Aus Überzeugung, in der Schwangerschaft oder Stillzeit. Weil sich Alkohol nicht gut mit anderen Substanzen verträgt. Weil man seiner Leber eine Pause gönnen will oder schlicht, weil man der Fahrer ist. Oder wenn man Felix Fischer, Winemaker bei Kolonne Null, einem Berliner Startup für alkoholfreien Wein, fragt: "Interessen werden anders, alkoholfrei wird interessant. Wir scheitern daran, unsere Zielgruppe einzugrenzen."

Weintasting bei Kolonne Null
So geordnet sieht eine professionelle Weinverkostung aus. Zumindest am Anfang.bild: Evelyn Pohl / watson

Immer mehr Weingüter wagen sich, zusammen mit Produzenten wie Kolonne Null, an das Abenteuer "alkoholfreier Wein", der lange Zeit als Abfallprodukt der Spirituosenherstellung ein trauriges Nischendasein fristete. Denn eines konnte man im Alkoholfrei-Regal im Supermarkt nicht finden: Nullprozentige Qualitätsweine. Alkoholfreier Wein wird immer noch meist aus billiger Überproduktion hergestellt.

Das wollen die Gründer von Kolonne Null, Philipp Rößle und Moritz Zyrewitz, ändern. Sie nehmen hochwertige Weine und entalkoholisieren sie, um den alkoholfreien Wein endlich aus der Ramschecke zu holen. Die Winzer seien zunächst skeptisch, erzählt Felix und schildert ein Erlebnis vor vier Jahren:

"Man geht hin, sagt: 'Hallo, ich suche Wein.' Dann freuen sie sich. Dann sagt man: 'Für Entalkoholisierung.' Da haben sie uns angeguckt. 'Und was macht ihr hier? Wir machen Qualitätsweine! Seid ihr bekloppt?' Wir zahlen dafür aber den marktüblichen Preis. Dann haben sie sich für die Produktion breitschlagen lassen, das Produkt verkostet und haben direkt gesagt: 'Das ist Riesling, das ist ja lecker. Können wir davon 300 Flaschen für unsere eigene Vinothek haben?'"
Winemaker Felix Fischer von Kolonne Null zu watson

Qualitätswein ist das, was man braucht, um alkoholfreie Qualitätsweine herzustellen, und das überzeugt am Ende auch die renommierten Winzer.

Der Trend ist da, und die Produktauswahl wird größer. Doch alkoholfreier Wein hat, neben dem Fehlen von Alkohol als Aromaträger, meist noch andere Schwächen: viel zu viel Zucker oder künstliche Aromen – und das hat einen Grund, sagt Winemaker Felix: "Nach der Entalkoholisierung können komische Aromen auftreten, die vorher kaschiert waren, durch die höhere Aromendichte und den Alkohol."

Wie bekommt man also was Stilvolles und Leckeres ins Glas, das nicht unheimlich viel Zucker oder eben doch Alkohol enthält?

Sommelier Tobias Gennis beim Weintasting bei Kolonne Null
watson-Redakteurin Julia Jannaschk im Gespräch mit Sommelier Tobias Gennis.bild: Evelyn Pohl / watson

Watson hat sich Unterstützung von Serious Drinking-Sommelier Tobias Gennis geholt und sich an einen Vergleich alkoholfreier Weine gemacht.

Der Test verlief im Rahmen einer klassischen Weinverkostung in der Abfolge Augen (Farbe des Weines), Nase (Geruch) und Gaumen (Geschmack). Weitere Informationen darüber sind im Verkostungsbogen bei Kolonne Null zu finden.

Weißwein

Weintasting Kolonne Null
Die Weißweinauswahl im watson-Test: Ein Chardonnay, ein Silvaner und ein Sauvignon Blanc.bild: Evelyn Pohl / watson

Pierre Chavin Signature Chardonnay

Das sagt Experte Tobias Gennis: "Die Farbe ist ziemlich hell, die Nase typisch Chardonnay, und auch typisch für alkoholfreie Weine: Am Anfang rieche ich immer Zwetschge, frisch aufgeschnitten, etwas überreif. Dann kommt noch so ein bisschen Marzipan-Mandel dazu. Am Gaumen: Tee, etwas Säure. Keine großen Fehler, aber irgendwie eindimensional."
Das sagt watson: "Strohgelbe Farbe und Zitrus in der Nase, auch ein wenig muffig-mostig. Der Wein schmeckt säuerlich und gut, die Aromenvielfalt fehlt, das macht ihn etwas langweilig."

Silvaner Kolonne Null

"Die Farbe ist typisch Silvaner, auch die Nase ist typisch vegetabil (Anm. d. Red. grüne Früchte oder Paprika, Tee, Gras, Heu). Am Gaumen ist er komplexer als man erwartet, und vor allem erkennbar ein Silvaner. Drinkable, straff, dicht und hat Fülle."
"Die Farbe ist ein helles grüngelb, die Nase riecht grüne Noten, Stachelbeere vielleicht? Der Wein ist angenehm sauer, prickelt leicht auf der Zunge und hat Länge im Abgang. Er ist leicht, geschmeidig und trinkbar – lecker!"

Weinkontor Freund Cero Coma Blanco Sauvignon

"Nichtssagende Farbe, in der Nase superquietschig. Gummibärchen? Das schreckt mich schon ab. Eigentlich hab ich gar keine Lust, den zu probieren."
"Die Farbe ist hellgelb, die Nase künstlich und undefinierbar. Bäh, chemisch im Geschmack, süß! Ungenießbar!"

Roséwein

Weintasting Kolonne Null
Eine Null steht auf den Etiketten der Weine von Kolonne Null. Und genau so viel Prozent Alkohol ist auch drin. bild: Evelyn Pohl / watson

Torres Rosé Natureo

"Miguel Torres ist ein top Winzer, die machen grundsätzlich leckere Weine. Die Farbe geht ins Kupfer. Ich hab nicht so viel in der Nase, von der Farbe ausgehend hätte ich mehr erwartet. Es geht schon in Richtung vergorene Erdbeeren, was typisch ist für Rosé. Aber so super viel passiert da erst mal nicht mehr. Ein schlechtes Zeichen, weil: wenn er gut wäre, dann hätten wir da Kräuter, ein bisschen Zitrone, Melisse, Limettenabrieb, Anis-artiges. Aber da ist wirklich nur die Erdbeere, die von der Traube kommt und dann nichts mehr. Da fehlt die Komplexität."
"Der Wein ist lachsfarben. Die Nase leicht pflaumig aber etwas blass, man muss sich anstrengen, um etwas zu riechen. Im Geschmack ist der Wein eher einfach, mit wenig Fülle."

Kolonne Rosé Provence 2021

"Die Farbe ist auch Kupfer, und auch hier die vergorenen Erdbeeren in der Nase. Dann kommt aber frischer Thymian, und irgendwas in Richtung Grüntee, sehr viel vegetabile Noten. Und Marille. Der Wein ist auf jeden Fall komplex, ist strukturiert und straff, mit schönen Ecken."
"Die Farbe geht Richtung roségold. Der Geruch ist leicht, aber würzig-herb und mineralig. Schmeckt genau so, wie auch ein Rosé mit Alkohol schmeckt, wenn er gut ist. Er will nicht gefallen, ist überraschend. Fruchtig, aber nicht süß."

Rotwein

Weintasting Kolonne Null
Die Auswahl beim Rotwein-Tasting: Pinot Noir, Cabernet, der Rotwein von Kolonne Null und Le Filou.bild: Evelyn Pohl / watson

Leitz Pinot Noir

"Die Farbe ist typisch für Pinot, die Nase ist würzig, wenig Primärfrucht. Mich überrascht immer wieder, was Pinot alkoholfrei kann. Ein kleiner medizinischer Hauch. Ansonsten ganz klar Pinot. Nicht geschönt, mit Charakter, den man riecht – auch ein bisschen was Animalisches. Er macht Spaß. Ein bisschen zu süß, aber sonst okay."
"Die Farbe ist granat, die Nase leicht medizinisch-körperlos. Er schmeckt ganz anders als er riecht: kirschig-fruchtig und ein wenig bitter und adstringierend (im Mund zieht sich alles zusammen) und hat eine sympathische Säure."

Leitz Cabernet

"Der Cabernet gefällt mir gar nicht in der Nase, riecht bisschen wie ein Pflaster. Eine Note Echinacea und richtig schlechte Milchschokolade ist auch mit drin. Am Gaumen ist er auch enttäuschend."
"Der Cabernet ist rubinfarben, in der Nase ist Schokolade dominant, minimal rote Früchte dazu. Am Gaumen schmeckt er traubig-mostig, aber mit wenig Charakter. Niemandsland."

Kolonne Null Rouge #2

"Da sind Trübstoffe drin, sexy. Er riecht komplex, nach Rumtopf-Pflaume oder Kompott. Er hat rote Früchte, Kirsche und Zitronenmelisse. Im Geschmack hat er eine geile Säure, schön straff, weil der Wein sehr kompakt ist durch die Mineralität. Ich hab richtig Bock, den auszutrinken."
"Die Farbe ist ein sattes Purpur, in der Nase hat man Pflaumenkompott und ein bisschen Cassis. Und ein Hauch von Kakaobohne. Im Geschmack ist er trocken, säuerlich mit angenehmen Gerbstoffen und sehr lebhaft. Tatsächlich verblüffend nah am 'echten' Rotwein."

LGCF* Le Filou Free Rouge (Testsieger im Branchenmagazin Meiningers Weinwelt)

"Die Farbe ist Kirsche, aber krass geschönt. Emeukal trifft Hubbabubba. Mehr gibt's nicht zu sagen. Waren die bei Meininger betrunken, als sie den Test gemacht haben?"
"Die Farbe ist dunkle Kirsche. Das Aroma ist total aufdringlich. Die Nase sagt auch Kirsche, aber superkünstlich – wie Emeukal Bonbons ohne Menthol. Lustig, aber nicht ernst zu nehmen."

Fazit

Was watson bei der Verkostung am meisten überrascht hat: Trinkt man einen guten alkoholfreien Wein, vermisst man den Alkohol plötzlich gar nicht mehr so sehr. Insofern kann alkoholfreier Wein richtig Spaß machen, Qualität vorausgesetzt.

Richtig spannend ist übrigens der Effekt, wenn man nach einer Stunde alkoholfrei einen herkömmlichen Wein probiert: denn der schmeckt dann plötzlich nur noch nach reinem Alkohol, igitt. So lange, bis sich die Geschmacksknospen wieder "umgestellt" haben. Unbedingt ausprobieren!

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