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TUI-Chef verteidigt Kreuzfahrt: 18-Jährige kritisiert ihn scharf

Kreuzfahrten im Jahr 2019: Darf es die mitten in der Klimakrise noch geben? Diese Frage stellten in den vergangenen Wochen immer mehr Deutsche, der Druck auf die Kreuzfahrtbranche wächst.

Beim ZDF-Talker Markus Lanz versuchte Fritz Joussen, Chef des Kreuzfahrtkonzerns TUI, das schlechte Image seiner Branche ins rechte Licht zu rücken – doch dabei kam ihm eine 18-jährige Klimaaktivistin in die Quere.

Joussen bemühte sich am Dienstagabend im ZDF zunächst einmal um die große Welterklärung. Die Welt, so der TUI-Chef, sei insgesamt "unterbereist". Ihm zufolge leide der Planet tatsächlich unter "Under Tourism" – seine Argumentation: Je mehr Menschen Urlaub machen würden, desto mehr würden die Menschen in den Urlaubsländern auch profitieren.

Kreuzfahrt-Verklärungen wie diese schmeckten der "Fridays for Future"-Klimaaktivistin Clara Mayer überhaupt nicht. Mayer ging in die Offensive: "Es gibt keine umweltschädlichere Art, als mit dem Kreuzfahrtschiff zu fahren."

Die Zahlen geben ihr durchaus Recht. Anfang des Jahres hatten die Stiftung Warentest und die Organisation Atmosfair errechnet: Wer sieben Tage auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist, verursacht einen CO2-Ausstoß von 1500 Kilogramm. Das Problem: Das "klimaverträgliche Jahresbudget" liegt bei 2300 Kilogramm CO2-Emissionen pro Kopf. ("Tagesspiegel")

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Die Klimaaktivistin Clara Mayer am Dienstagabend bei Lanz. zdf

Die Wut der Klimaaktivistin fiel auch Lanz auf – der sagte über Mayer: "Da pocht der Hals schon ganz minimal." Die 18-Jährige legte los: "Die Kreuzfahrttouristen sind häufig diejenigen, die die Infrakstrukturen in den Ländern gar nicht fördern. Die essen auf ihrem Schiff, fahren kurz in die Stadt – und gehen dann wieder."

Kreuzfahrten seien für sie "Klima Dumping". Schweröl, der Antriebsstoff der Kreuzfahrtschiffe, ist für Mayer "die Braunkohle unter den Ölen" – also mit Blick auf den CO2-Verbrauch besonders klimaschädlich.

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Mayer kritisierte den TUI-Chef Joussen scharf. zdf

Und Mayer ging den TUI-Chef persönlich an: "Die Frage ist nicht, wie wir Strohhalme auf ihren Schiffen reduzieren. Die Frage ist: Wie reduzieren wir Ihre Schiffe auf dem Meer?" Joussen rechnete vor: "Die kommerzielle Schifffahrt macht 2,5 Prozent." Er meinte damit den CO2-Verbrauch seiner Branche weltweit – woher diese Zahlen stammten, sagte Joussen nicht.

Zudem sei, so Joussen, die Kreuzfahrtbranche auf dem Meer für die Klimakrise nicht hauptverantwortlich: 300 Kreuzfahrtschiffen stünden heute 40.000 Handelsschiffe entgegen, erklärte der Flotten-Chef.

Als mögliche Innovation brachte der Tui-Chef Flüssigerdgas zum Antrieb seiner Schiff ins Gespräch, das auch durch die Fracking-Technologie gewonnen wird. Mayer unterbrach den Konzern-Chef da: "Das ist eine der größten Umweltsünden, die wir momentan haben." Und sie meint: "Das ist doch keine Zukunftsvision."

Mayer verwies auf Umweltschäden beim Fracking, sie sprach von Landstrichen, die durch die Methode unbewohnbar geworden wären. Der Förster Peter Wohlleben hatte sich die Diskussion bis dahin stumm angeschaut – und stellte dann die These auf: "In 30 Jahren wird's keine Kreuzfahrten mehr geben."

Schuld am weltweiten CO2-Ausstoß seien vor allem die Anderen – konkrete Anpassungen an die weltweiten Klimabemühungen lieferte der TUI-Chef an dem Abend nicht. Mayer forderte billigere Zugtickets, um Reisen durch Europa klimafreundlicher zu gestalten.

Eine Einigung fanden die beiden an dem Abend bei Lanz nicht. Der Streit um die Zukunft der Kreuzfahrt dürfte weitergehen.

(pb)

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