Katherine Langford spielt in "Tote Mädchen lügen nicht" die Schülerin Hannah Baker.
Katherine Langford spielt in "Tote Mädchen lügen nicht" die Schülerin Hannah Baker. afp
USA

Teenager-Suizide nahmen in den USA nach "Tote Mädchen lügen nicht"-Start laut Studie zu

01.05.2019, 13:4301.05.2019, 13:45

Nach der Ausstrahlung der umstrittenen Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" ist einer Studie zufolge die Zahl der Suizide unter Teenagern in den USA gestiegen.

  • Die in der Fachzeitschrift "Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry" veröffentlichte Studie beziffert den Anstieg der Fälle auf knapp 200. In der Serie geht es um eine Schülerin, die sich das Leben nimmt.
  • Der Untersuchung zufolge gab es in den neun Monaten nach Beginn der Serie 195 zusätzliche Suizidfälle in der Altersgruppe zwischen zehn und 17 Jahren. Das ist ein Anstieg von fast 29 Prozent.

Betroffen waren dabei vor allem Jungen. Vor allem im ersten Monat, nachdem die Serie angelaufen war, habe es einen "signifikanten" Anstieg gegeben, hieß es weiter.

Schwere Vorwürfe gegen Netflix:
Der Hauptautor der Studie warf Netflix vor, den Suizid der Hauptfigur von "13 Reasons Why" absichtlich besonders dramatisch inszeniert zu haben. Der Streamingdienst habe die Leitlinien zur angemessenen Darstellung des Themas missachtet, sagte der Epidemiologe Jeffrey Bridge. Das könne traumatisch sein für Menschen, die bereits einen Suizidversuch hinter sich hätten, und ebne "in manchen Fällen den Weg zum Suizid", erklärte er weiter.

Ob die Serie den Anstieg tatsächlich verursacht hat oder weitere Faktoren eine Rolle spielten, ergab die Studie nicht. Eine andere Studie hatte zuvor bereits gezeigt, dass in den Tagen, nachdem die Serie angelaufen war, die Zahl der Internetsuchen zum Thema Suizid um 19 Prozent gestiegen war.

Netflix erklärte, es habe "hart daran gearbeitet", das Thema Suizid "verantwortungsvoll" darzustellen. Derzeit würden die Forschungsergebnisse ausgewertet. Der Streamingdienst hat bereits eine dritte Staffel von "13 Reasons Why" in Auftrag gegeben.

Hast du suizidale Gedanken? Lass dir helfen!
Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, dich in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest – hier findest du einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichst du rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen du über deine Sorgen und Ängste sprechen kannst.Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich. telefonseelsorge.de

Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111. nummergegenkummer.de

Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch. mutes.de

Hier findest du eine Übersicht aller telefonischer, regionaler, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland: suizidprophylaxe.de

(pb/afp)

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