Fahrkarte kaufen? Das muss nicht sein. Christoph Schwers (hier ein älteres Bild) nimmt laut eigenen Angaben seit 29 Jahren Fahrgäste umsonst mit.
Fahrkarte kaufen? Das muss nicht sein. Christoph Schwers (hier ein älteres Bild) nimmt laut eigenen Angaben seit 29 Jahren Fahrgäste umsonst mit.
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Mann nimmt Fahrgäste auf seine Monatskarte mit: So entspannt reagieren die Verkehrsbetriebe

09.02.2020, 16:1316.02.2020, 16:59

Seit 29 Jahren nimmt Christoph Schwers Fahrgäste in Köln auf sein Ticket mit. Manche Medien nennen ihn deshalb den "KVB-Schreck". Doch die Kölner Verkehrsbetriebe reagiert sehr gelassen auf die Aktivitäten des 55-jährigen Rebellen.

Dabei geht ihnen durch seine Aktionen eine Menge Geld durch die Lappen. Jeden Werktag ab 19 Uhr, am Wochenende sowie feiertags sogar rund um die Uhr hält er andere Fahrgäste davon ab, in Bus oder Bahn Geld für eine Fahrkarte auszugeben. Er nimmt einfach Leute auf seine Monatskarte mit. An die 12.000 Menschen will Schwers so bereits geholfen haben, Geld zu sparen.

Rechtlich ist sein Vorgehen nicht zu beantstanden. Das betont auch ein Sprecher der KVB gegenüber watson. "Das Verhalten von Herrn Schwers ist nicht rechtswidrig, solange es den Mitnahmeregelungen entspricht", erklärt er. Und das tut es. Solange die Mitnahme vor Fahrtantritt vereinbart wird, ist alles okay. Passiert dies dagegen erst bei einer Kontrolle, ist es zu spät. Dann kostet es ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 60 Euro. Doch Schwers arbeitet ja mit Plan – und spricht die Mitnahme vorher ab.

Zu Unrecht als Schwarzfahrer gebrandmarkt

Dem Kölner "Express" hat er verraten, warum er das überhaupt tut. Er sei selbst 1991 von Köln unterwegs nach Bonn gewesen. Dabei habe er seinen Anschlussfahrschein außerhalb des Tarifgebietes nicht ausreichend entwertet. Der Kontrolleur kam, Schwers musste 30 D-Mark Strafe bezahlen. Das ärgerte den KVB-Fan sehr, weil er sich nicht als Schwarzfahrer sah. Seitdem betreibt er seine kleine Revolution.

Die verstößt, wie gesagt, nicht gegen die Mitnahmebestimmungen der KVB. Und das soll auch so bleiben. "Die Kölner Verkehrs-Betriebe betrachten die Regelung nicht als Lücke, sondern als attraktives Angebot für die Kunden, die sich zum Abonnieren einer Monatskarte , eines Semestertickets und anderer Zeitkarten entschließen", versichert der Sprecher.

Rheinische Gelassenheit statt Angst

Aber hat man bei den Verkehrsbetrieben keine Angst, dass das Beispiel Schule machen könnte? Nein, sagt der Sprecher.

"Unsere Kunden erkennen den Vorteil, den Ihnen die Monatskarte im Abo bringt. Sie nutzen ihn individuell. Wer als Kunde an einem gut funktionierenden ÖPNV interessiert ist, weiß jedoch auch, dass so ein Angebot finanziert werden muss. Insofern ist es kaum zielführend, sich an dem Verhalten von Herrn Schwers zu orientieren, um damit zu bewirken, dass die Einnahmen des Verkehrsunternehmens aus dem Ticketverkauf möglichst gering ausfallen. Dies träfe letztlich alle ÖPNV-Nutzer."

Insgesamt ist er überzeugt, dass die Verkehrsbetriebe das Verhalten von Schwers letztlich gut wegstecken können. Und überhaupt:

"Aufgrund des Verhalten einzelner Personen sollte der Vorteil der Mitnahmeregelung nicht für alle anderen KVB-Kunden entfallen."

Das muss die berühmte rheinische Toleranz und Gelassenheit sein.

(om)

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