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Eine Frau bringt einer Dame Lebensmittel. (Symbolbild) Bild: getty

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Münchnerin will Antikörper spenden: "Dann war mein Corona nicht umsonst"

Alle reden über Corona, aber immer noch können sich viele nicht vorstellen, wie sich die Erkrankung anfühlt. Julia schon. Die 26-jährige Münchnerin steckte sich schon Anfang März mit dem Virus an und gilt inzwischen als geheilt.

Die Schmerzen und die Quarantäne, die sie durchlebte, sollen nicht umsonst gewesen sein, findet die Münchnerin, und will jetzt ihre Antikörper spenden. Watson erzählte sie von den Wochen, die sie im Bett verbracht hat und was sie daraus lernte.

Die Ansteckung

Inzwischen bin ich mir recht sicher, dass ich mir Anfang März Corona über einen Freund oder eine Freundin eingefangen habe, die ebenfalls positiv getestet worden sind, wie ich später erfuhr. Der Freund ist Regisseur, mit dem ich als Schauspielerin einen Dreh hatte. Dem bin ich zwar nicht sehr nahe gekommen, aber wir waren zusammen am Set. Mit der Freundin war ich nach dem Dreh einen Abend lang feiern, da standen wir uns natürlich gegenüber und haben in Lärm und Enge geredet. Eine Woche danach entwickelten die beiden Symptome.

Bei mir selbst fing es fünf Tage später an. Plötzlich war mir heiß und schwindelig. Ich habe mich fiebrig gefühlt, hatte aber kein Fieberthermometer, um die Temperatur zu messen. Dann war schlagartig mein Geruchssinn weg und ich konnte nichts mehr schmecken, dabei war meine Nase völlig frei. Das fand ich sehr seltsam, aber zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass das ein typisches Corona-Anzeichen sein kann.

"Zu jenem Zeitpunkt wirkte es noch so unwahrscheinlich, sich mit dem Virus angesteckt zu haben. Es gab nur wenige Fälle, die meisten davon in China."

Ich bin erst einmal zum HNO-Arzt gegangen und habe geschildert, wie es mir geht. Die Ärztin vermutete eine Nasennebenhöhlenentzündung und dachte nicht an das Virus. Ich bin also zur Apotheke und habe mir Nasenspray besorgt – im Nachhinein war das natürlich Quatsch. Ich hätte eigentlich nicht mehr das Haus verlassen dürfen.

Weil mir das alles so seltsam vorkam, habe ich auf Instagram geschildert, wie es mir derzeit ging, ein paar meiner Follower haben da schon auf Corona getippt. Eine schickte mir sogar einen Link zu einer iranischen Studie, in welcher der Verlust des Geruchssinns als typisch bezeichnet wurde. Ich dachte allerdings: "Naja, vielleicht arbeiten die im Iran wissenschaftlich anders als hier." Zu jenem Zeitpunkt wirkte es noch so unwahrscheinlich, sich mit dem Virus angesteckt zu haben. Es gab nur wenige Fälle, die meisten davon in China.

Erst als ich hörte, dass meine Bekannten positiv getestet worden sind, wurde mir alles klar. Ich hab direkt den ärztlichen Notdienst angerufen und zwei Stunden später kam ein Arzt, der einen Abstrich machte. Ab da habe ich mich zu Hause eingesperrt. Gott sei Dank, denn wie das Test-Ergebnis nach zehn Tagen zeigte, hatte ich tatsächlich Covid-19.

Die Tage mit Corona

Etwa vier Tage, nachdem ich beim HNO-Arzt gewesen war, kam mein gesundheitlicher Tiefpunkt. Ich war so wahnsinnig müde, habe bis zu 16 Stunden am Tag geschlafen. Meine Glieder taten gewaltig weh. Den typischen Husten hatte ich komischerweise gar nicht, dafür ein Stechen in den Seiten und ich konnte nur flach atmen. Dass meine Lungen nicht mehr so viel Luft bekamen, habe ich vor allem daran gemerkt, dass mir ständig schwindelig war.

Mich fragen die Leute immer, was ich dann gemacht habe. Die Antwort ist: gar nichts. Die Zähne zusammengebissen. Ein bisschen Paracetamol gegen das Fieber genommen und das Beste gehofft. Mehr konnte ich nicht tun. Freunde haben mir Einkäufe vor die Tür gestellt, ich hatte gar nicht richtig vorgesorgt, war nicht auf Quarantäne eingestellt. Glücklicherweise habe ich keine großen Probleme damit, allein zu sein.

"Mich fragen die Leute immer, was ich dann gemacht habe. Die Antwort ist: gar nichts. Die Zähne zusammengebissen."

Meine Tage bestanden nur aus Essen und Schlafen. Neben meinem Bett hatte ich Chips und habe fast jeden Morgen einen probiert, um zu testen, ob der Geschmack wieder da ist, aber er blieb weg. Zwischendurch hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mit dem Virus noch draußen gewesen war und vielleicht Leute angesteckt hatte. Aber ich habe es anfangs wirklich nicht gewusst. So geht es bestimmt vielen Infizierten.

Um mich selbst hatte ich keine Angst, ich bin jung und gesund. Aber ich habe ziemlich viel telefoniert und alle Freunde gefragt, wie es ihnen geht, ob sie Symptome haben. Ich habe ausgerechnet, wann ich das letzte Mal meine Oma gesehen habe, meine Mutter. Gott sei Dank war das schon über drei Wochen her.

Nach der Krankheit

Nach etwa vier Wochen ging es mir merklich besser. Erst vor vier Tagen habe ich jedoch wieder etwas geschmeckt und mich vollends fit gefühlt.

"Ich will nicht, dass meine Krankheit ganz umsonst war. Es wäre schön, wenn mein geheilter Körper in diesen Zeiten anderen nützlich sein könnte."

Daran sehen wir: Es kann selbst junge Leute treffen. Mein Verlauf wird lediglich als mittelschwer bezeichnet, aber schön war das nicht. In meiner Clique hatten 15 Leute Corona-Symptome, zwei davon mit schweren Verläufen. Das hat mir zu denken gegeben. Auf Partys habe ich zum Beispiel hin und wieder geraucht. Das werde ich jetzt sein lassen, denn mir ist klar geworden, wie wichtig die Lunge ist.

Nun will ich anderen eine Hilfe sein. Ich habe mich bei der Uniklinik Münster und der Ludwig-Maximilians-Universität als Spenderin von Antikörpern beworben. Die wollen Genesene untersuchen und mit deren Antikörpern Menschen eine Therapie zur passiven Immunisierung ermöglichen. Ich will nicht, dass meine Krankheit ganz umsonst war. Es wäre schön, wenn mein geheilter Körper in diesen Zeiten anderen nützlich sein könnte.

Wenn ich es dann schwarz auf weiß habe, dass ich vollends immun bin, fahre ich als Erstes meine Mutter besuchen. Jetzt kann ich sie ja wieder in den Arm nehmen.

Protokoll: Julia Dombrowsky

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