Underwater photo of school of beautiful colorful cichlid fish in Malawi lake, Africa.

Buntbarsche können mit ihren Ausscheidungen Gemüse düngen. Bild: iStockphoto / Marina Vedernikova

Kreislaufwirtschaft: Fische können Tomaten mit ihren Ausscheidungen düngen

Am Müggelsee in Berlin-Köpenick hat der Biologe Werner Kloas eine Entdeckung gemacht, die seiner Meinung nach ein wesentlicher Schritt hin zur Lösung des Welternährungsproblems darstellen kann. Am Rande des Sees befindet sich ein Gewächshaus mit Tomatenpflanzen, außerdem zwölf Fischtanks mit Buntbarschen. Das Erstaunliche: Die Fische können mit ihren Ausscheidungen das Gemüse düngen und machen damit zusätzlichen Stickstoffdünger überflüssig.

Kloas ist Biologe und Professor am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin (IGB). Er beschäftigt sich mit Aquaponik, das ist eine Mischform aus Aquakultur und Landwirtschaft, wobei Fisch und Gemüse in zwei miteinander verknüpften Kreislaufsystemen gezüchtet werden. Das Wasser, in dem die Fische vorher schwammen, kann er wiederverwenden – als Düngemittel für die Tomatenpflanzen.

Großes ökologisches Potential

Das ist laut "Zeit Online" aus gleich zwei Gründen gut für die Umwelt: Erstens entfällt der Stickstoffdünger, der normalerweise für die Pflanzenzucht verwendet wird und der unter erheblichem Energieaufwand hergestellt wird. Zweitens können die Tausenden Liter Wasser, die für die Fischzucht nötig sind, zweimal benutzt werden.

Warum ist es so wichtig, Kreislaufwirtschaft zu betreiben und nach neue Wegen zu finden, Ressourcen wiederzuverwenden? Die Landwirtschaft beschleunigt den Klimawandel, denn bei der Gewinnung von Fleisch, Soja, Getreide und anderen Lebensmitteln entstehen Unmengen an Treibhausgasen. Zudem werden Wasser und Anbauflächen knapper, während die Bevölkerungszahlen in die Höhe schnellen.

Umso besser also, dass ein eigentliches Abfallprodukt, nämlich das Fischwasser, als wertvoller Flüssigdünger für die Pflanzen dienen kann. Es ist zwar ein nachhaltiges Verfahren, aber leider aus wirtschaftlicher Sicht nicht ertragreich. Die Tomaten wären im Handel teurer als kommerziell gezüchtete.

Aquaponik dort nutzen, wo sie gebraucht wird

Trotzdem könnte die Technik an anderer Stelle genutzt werden. "Aquaponiksysteme eignen sich für Orte, an denen keine Nahrungsmittelsicherheit besteht, wo die Wasserreserven knapp sind oder es etwa nicht möglich ist, bestimmte Dinge zu importieren", sagt Jean-François Dontaine gegenüber der "Zeit". Er ist für ein Aquaponik-Testprojekt in Gaza zuständig, das die Hilfsorganisation Oxfam in Kooperation mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und der Universität Lüttich betreibt. "Die Idee ist nicht, in großem Maße zu produzieren, sondern mithilfe von neuen Technologien Lösungen für einen bestimmten Ort zu finden."

Auch Kloas sieht Potenzial in dem Verfahren: Neben seiner Arbeit am Müggelsee hat er in Kooperation mit der ägyptischen Universität Assiut aus gebrauchten Plastikbecken eine Aquaponikanlage für weniger als 1.000 Euro konstruiert. Damit konnte eine Familie ein ganzes Jahr über mit Gemüse und Fisch versorgt werden.

(sb)

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