Salat aus der Plastikschale, Pizza aus der Pappschachtel: Die kleinen Umweltsünden lauern überall.
Salat aus der Plastikschale, Pizza aus der Pappschachtel: Die kleinen Umweltsünden lauern überall. bild: pexels / andres ayrton
Nachhaltig leben

Auch wir sind nicht perfekt – nachhaltige Vorsätze für 2023 aus der watson-Redaktion

01.01.2023, 17:0501.01.2023, 17:07

Das mit dem Klimaschutz ist so eine Sache: Eigentlich wissen wir ganz genau, was gut ist für die Umwelt – und was wir lieber bleiben lassen sollten. Wäre da nicht das Leben, das uns immer wieder dazwischenkommt. Und eine Gesellschaft, in der es einfacher und bequemer ist, sich klimaschädlich zu verhalten, als klimafreundlich.

Das bedeutet: Wir alle machen "Fehler", begehen tagtäglich kleine und größere Umweltsünden, deren wir uns mal mehr und mal weniger bewusst sind. Auch wir im Nachhaltigkeitsressort von watson.

Damit ihr seht, dass es uns oft genauso schwerfällt, nachhaltig zu leben, verraten wir euch unsere kleinen und größeren Umweltsünden – und wie wir uns in 2023 bessern wollen.

Josephine über ihre Fehler

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Josephine Andreoli, Redakteurin im Ressort NachhaltigkeitBild: foto di matti / matti hillig

Tja, wo soll ich anfangen?

Vielleicht bei der Umweltsünde, die uns vermutlich allen immer wieder passiert: Coffee to go. Laut dem Umweltministerium (BMUV) werden in Deutschland stündlich rund 320.000 Einweg-Becher für Heißgetränke wie Tee und Kaffee verbraucht,140.000 davon sind To-go-Becher. Das sind im Jahr fast drei Milliarden Becher – allein in Deutschland.

Schon wenn ich diese Zahlen höre, zieht sich mein Magen zusammen. Ja, meistens habe ich meinen eigenen Becher dabei, oder greife auf das Pfand-System "ReCup" zurück. Aber: In der Eile kommt es immer mal vor, dass ich meinen Becher im Flur stehen lasse.

Und immer wieder mein Endgegner: Coffee to go.
Und immer wieder mein Endgegner: Coffee to go. bild: pexels / kristina paukshtite

Und das sind sie dann, die Tage, an denen ich abwägend vor dem Coffee-Shop stehe und unbedingt einen Kaffee brauche, bevor ich in den Zug hüpfe. Nur einen Becher habe ich nicht dabei. Gibt es einen Kaffee mit "ReCup"-Bechern im Angebot, halb so wild. Wenn aber nicht, plagt mich jedes Mal erneut das schlechte Gewissen.

So schlimm ist es nicht, du machst das ja fast nie, versucht mich eine Stimme im Kopf zu beruhigen. Die zweite Stimme klingt, nun ja, weniger freundlich. Klar, so häufig kommt das nicht vor, und dennoch: Jedes Mal wieder ärgere ich mich über mich selbst.

Eine komplette Verbannung von To-go-Bechern ist unrealistisch. Mein Kompromiss: Zwölf mal im Jahr darf es für mich auch weiterhin ein Pappbecher sein. Ist die Anzahl überschritten, muss ich eben ohne Kaffee klarkommen. Das ist für Umwelt und Klima dann doppelt gut.

Miriam will klimafreundlicher Reisen

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Miriam Meyer, Redakteurin im Ressort NachhaltigkeitBild: foto di matti / matti hillig

Na gut, dann haue ich jetzt mal auf den Putz: Ich liebe Reisen, je weiter weg vom gewohnt kalt-nassen Alltag in Deutschland, desto besser. Dieses Sehnen nach Ferne war besonders in den letzten drei Pandemie-Wintern schlimm. Außerdem ist die Welt wunderbar vielfältig, die unbekannten Orte mit anderen Sprachen und Kulturen scheinen mich regelrecht magnetisch anzuziehen, und viele andere Leute machen ja auch ständig tolle Reisen an die exotischsten Ecken der Welt.

So jedenfalls habe ich diesen Sommer mit zwei Flugreisen – einmal beruflich nach Lissabon und einmal für meinen Urlaub auf Kreta – mein eigenes schlechtes Gewissen versucht, zu beruhigen. Geklappt hat das nicht wirklich.

Denn mir ist glasklar bewusst, dass vor allem Flüge einen riesigen ökologischen Fußstapfen hinterlassen: Laut dem CO₂-Emissionsrechner der Vereinten Nationen (ICAO) habe ich durch die Flugreise von München nach Kreta (314 Kilo CO₂) und die Berufsreise von Berlin nach Lissabon (435 Kilo CO₂) insgesamt 749 Kilo CO₂ verursacht. Das ist für nur zwei Wochen eine riesige Menge, verglichen mit den rund 1,5 Tonnen CO2-Äquivalenten, die ein:e durchschnittliche:r Deutsche:r pro Jahr für Auto, Bus und Bahn verbraucht.

Passagierin im Flugzeug während eines Fluges
Fliegen ist ein riesiger Klimakiller. Das ist einen Urlaub für nur eine Woche wirklich nicht wert. Bild: pexels / Jason Toevs

Diese offene Rechnung versuche ich durch anderes, klimafreundliches Verhalten auszugleichen: Ich fahre kein Auto, nutze sonst nur die Öffis, ernähre mich vegetarisch und versuche meinen sonstigen Energieverbrauch auf ein Minimum zu beschränken. Was natürlich nicht ausreicht, so gut im Verdrängen war ich noch nie.

Das Verreisen hat mir gutgetan, obwohl ich feststellen musste, dass es nicht die Entfernung, sondern eher neue Leute kennenlernen und Abstand zum Alltag war. Mein Kompromiss fürs nächste Jahr lautet also: Lieber im Sommer in näher gelegene Länder verreisen, die mit dem Zug zu erreichen sind. Und Leute aus anderen Ländern und Kulturen trifft man sehr wohl auch im Melting Pot Berlin.

Saskia will weniger Essen in Plastikverpackungen

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Saskia Balser, Werkstudentin im Ressort NachhaltigkeitBild: foto di matti / matti hillig

Ich würde von mir nicht behaupten, dass ich faul bin – aber meine Bestellhistorie bei Lieferando sagt leider etwas anderes. Es passiert schon hin und wieder (oder eben doch ganz schön häufig), dass ich nicht die Energie aufwenden will, selbst etwas zu kochen. Der Kühlschrank ist oft leer, der Weg zum Supermarkt zu lang und das Handy in greifbarer Nähe.

Wenn ich auf das orangefarbene Logo klicke und mir schon das Wasser im Mund zusammenläuft, ist die Entscheidung meist schnell getroffen: Es gibt vietnamesisches Essen. Und das – immerhin – vegan.

Manchmal will man eben nicht kochen — und bestellt Essen per App.
Manchmal will man eben nicht kochen — und bestellt Essen per App.bild: pexels/ Tima Miroshnichenko

Jetzt könnte man sagen: "Hey ist doch nicht schlimm, das Essen ist klimafreundlich und du unterstützt Restaurants in der Region – total nachhaltig". Aber diese Lüge kann ich mir selbst nur erzählen, bis es an der Tür klingelt, der eingeschneite Lieferant mir eine Papiertüte übergibt und ich den Inhalt, bestehend aus gefühlt 100 verschiedenen kleinen und größeren Boxen herausnehme.

Manchmal bekommt jede kleine Sauce ein eigenes Plastikdöschen, der Reis wird separat zum Gemüse in einem Karton serviert und der Tofu ist wiederum in einer anderen Verpackung – damit er von der Sauce nicht aufgeweicht wird und knusprig bleibt. Ergibt Sinn, ist aber aus Umweltsicht natürlich die Hölle. Denn laut Umweltbundesamt fielen 2019 in Deutschland insgesamt 18,9 Millionen Tonnen an Verpackungsabfällen an – durch die Pandemie ist diese Zahl sogar noch gestiegen.

Mein persönlicher Walk-of-Shame hat also nichts mit einem betrunkenen One-Night-Stand zu tun, sondern damit, eine gigantische Ladung Plastikbehälter am Tag nach einer Food-Orgie in der gelben Tonne zu entsorgen. Zum Glück tritt zum 1. Januar 2023 Mehrwegpflicht in Deutschland in Kraft – alle Restaurants sind dann verpflichtet, auch wiederverwendbare Behälter zur Verfügung zu stellen. Und ich nehme mir vor, das auch zu nutzen. Damit sich die Zahl meiner Walk-of-Shames und mein CO₂-Fußabdruck verringern.

Sassi kann nicht ganz auf Fisch verzichten

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Saskia Papenthin, Werkstudentin im Ressort NachhaltigkeitBild: foto di matti / matti hillig

"Seid ihr alle vegan?", fragt die neue Kollegin in unserem Teammeeting. Zugegeben: Vegane Ernährung ist eines unserer großen Themen. Allerdings werde ich still, wenn es um eigene Empfehlungen geht. Ich esse nämlich tierische Produkte, manche sogar sehr gern und gebe dem Appetit auf Köfte oder Schnitzel auch mal nach.

Ich weiß, wie viel besser eine vegane Ernährung für Klima und Umwelt, meine Gesundheit und natürlich die Tiere wäre. Für ein halbes Jahr habe ich mal fleischlos gelebt und mir hat im Grunde auch nichts gefehlt. Mein Problem sind eher Milchprodukte, Fisch und Meeresfrüchte. Kaffee trinke ich schwarz, aber auf Käse kann ich nicht verzichten. Ich liebe Käsebrot, Feta im Salat und überbackene Aufläufe. Doch genau diese Produkte erzeugen den größten Teil der Treibhausgase. 18 Prozent der Treibhausgase sind laut FAO (Food and Agriculture Organization) durch tierische Produkte verursacht.

Sushi ist mein Lieblingsessen, meine Belohnung und mein Seelentröster, aber ich will es bedachter konsumieren.
Sushi ist mein Lieblingsessen, meine Belohnung und mein Seelentröster, aber ich will es bedachter konsumieren.bild: pexels/Diego Pontes

Mein Lieblingsessen ist roher Fisch wie Lachs oder Thunfisch – leider. Denn 90 Prozent unserer Lachse kommen aus riesigen Aquakulturen. Diese sind nichts anderes als Massentierhaltung unter Wasser, wo die Fische Antibiotikum bekommen, auf engstem Raum gemästet werden und Reste krebserregender Mittel über ihr Futter aufnehmen. Auch übersteigt der jährliche Fischkonsum mit 140 Millionen Tonnen längst die Belastungsgrenzen der Meere: 30 Prozent der Fischbestände weltweit sind überfischt, 60 Prozent werden bis an die Grenze der Nachhaltigkeit weiter befischt.

Diese Infos tun weh. Um hier etwas nachhaltiger zu werden, will ich 2023 nur regionalen Fisch kaufen und damit zumindest Massentierhaltung möglichst meiden.

Vegane Rezepte: Exotische Tomaten-Suppe mit Gemüse

An kalten Tagen wärmt eine heiße Suppe gut auf und macht satt, ohne unseren Körper mit Kalorien zu überfluten. Damit ist sie eine gesunde Alternative zu oft sehr fetthaltigen Tierprodukten.

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