Rear view of a blond woman waiting at the train platform
Ein Ticket für 49 Euro, gültig für den Nah- und Regionalverkehr in ganz Deutschland: Soll kommen, die Frage ist nur: wann?Bild: iStockphoto / Rawpixel
Mobilität & Verkehr

49-Euro-Ticket: Start, Verkauf, Bedingungen – alle Infos auf einen Blick

25.01.2023, 15:48

Ein Ticket, für 49 Euro, gültig für den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr, in ganz Deutschland? Noch vor ein paar Jahren hätte man für eine solche Verkehrs-Utopie von der Deutschen Bahn und allen Nahverkehrsverbünden in Deutschland vermutlich einen Vogel gezeigt bekommen.

Aus dieser Utopie sollte aber eigentlich schon zum Jahreswechsel Wirklichkeit werden – dank des Vorgängers, dem bundesweiten Neun-Euro-Ticket, und der angestrebten Verkehrswende. Doch der ehrgeizige Termin platzte, zu viele Fragen war noch offen: Die Finanzierung oder fehlende Beschlüsse aus den Landesparlamenten, zu welchen Bedingungen das neue Ticket gelten solle etwa. Nur in einem Punkt war man sich einig: Das Ticket soll kommen.

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Sollten für Inhaber des 49-Euro-Tickets bald der Vergangenheit angehören: Tagestickets im Regionalverkehr.Bild: dpa / Silas Stein

watson gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Einführung des 49-Euro-Tickets: Wie komme ich ran, welche Bedingungen gelten und bleibt es bei 49 Euro?

Wann kommt das 49-Euro-Ticket?

Neuer Starttermin des 49-Euro-Tickets soll der 1. April sein. Die realistischere Antwort auf diese Frage aber lautet zum aktuellen Zeitpunkt: Es ist unklar, ob das Startdatum eingehalten werden kann

Wegen der zähen Verhandlungen zwischen Bund und Ländern werfen mehrere Bundesländer Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) vor, für die Verzögerungen verantwortlich zu sein. Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) greift den Vorwurf auf Twitter auf:

Im Bundesverkehrsministerium scheinen die Fäden zusammenzulaufen. So sagte Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Winfried Hermann der "Süddeutschen Zeitung": "An uns Ländern liegt es nicht, dass sich das 49-Euro-Ticket verzögert." Die Länder seien bereit, die Verkehrsverbünde auch.

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Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) steht wegen des 49-Euro-Tickets seitens der Länder in der Kritik.Bild: dpa / Annette Riedl

Das Bundesverkehrsministerium hingegen hatte zuletzt laut "Tagesschau" erklärt, für die Umsetzung des Tickets seien unter anderem die für den ÖPNV zuständigen Länder und Verkehrsunternehmen zuständig. Es fehle noch die Genehmigung für einen bundesweiten Tarif, das "Ja" der EU-Kommission sowie eine Anpassung des Regionalisierungsgesetzes (Art. 11 Abs. 2 ENeuOG). Auch sei die längerfristige Finanzierung des Tickets noch unklar.

Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer sieht aufgrund der Verschleppungen inzwischen das Startdatum eher zum ersten Mai, ebenso der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens solle der Verkauf des Tickets am 3. April starten, gültig wäre es dann aber erst ab dem folgenden Monat.

In welcher Form soll das Ticket kommen?

Das digitale, bundesweit gültige Deutschlandticket ist für einen Einführungspreis von 49 Euro im Monat vorgesehen. Es soll im Rahmen eines monatlich kündbaren Abonnements verkauft werden.

Wird es das Deutschlandticket nur im Digital-Abo, oder auch als Papierfahrschein am Automaten geben?
Wird es das Deutschlandticket nur im Digital-Abo, oder auch als Papierfahrschein am Automaten geben? Bild: dpa / Hauke-Christian Dittrich

Ob es auch im Papierformat an Automaten zu kaufen sein wird, ist noch offen. Die endgültige Entscheidung darüber treffen die Länder und Verkehrsverbünde. Der VDV-Präsident Ingo Wortmann sagte am Dienstag in Berlin: "Wir brauchen eine Übergangsphase bis Ende des Jahres mit Papierlösungen." Man wäre sonst zu Beginn nicht in der Lage, allen Menschen, die ein Ticket wollen, auch eines zu verkaufen.

Auch aus den Ländern gibt es Forderungen nach der Option auf ein Papierticket – zumindest bis überhaupt eine Chipkarte zur Verfügung steht. Hürden für weniger Internet-affine Menschen, oder jene, die kein Smartphone besitzen, sollten vermieden werden.

Muss ich ein neues Abo abschließen?

Höchstwahrscheinlich nicht. Darüber sollten die jeweiligen Verkehrsverbünde ihre Kunden mit schon bestehenden Abos aber rechtzeitig informieren und falls nötig, eine Umbuchung unkompliziert möglich machen.

So schreibt die Berliner Verkehrsgesellschaft BVG dazu auf ihrer Webseite: "Wenn du bereits ein Abo hast und in das Deutschlandticket wechseln möchtest, musst du nichts tun – auch nicht das bestehende Abo kündigen. Wir melden uns rechtzeitig vor dem bundesweiten Start noch einmal bei dir, sobald die Details zum neuen Deutschlandticket feststehen."

Wird das Ticket übertragbar sein?

Nach momentanem Stand soll das Ticket personalisiert und damit nicht übertragbar sein.

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Wen oder was kann ich auf dem Ticket mitnehmen?

Abo-Kund:innen vieler Verkehrsverbünde kennen und schätzen einige Vorteile ihrer Abo-Fahrkarte: Nicht selten können sie ihre minderjährigen Kinder und in bestimmten Zeiträumen, am Abend oder an Wochenenden etwa, weitere Mitfahrende kostenlos mitnehmen.

Wie dies künftig beim bundesweiten 49-Euro-Ticket ausfallen soll? Ist noch nicht offiziell klar.

Ein Fahrrad-Logo ist auf einem Zug im Hauptbahnhof zu sehen. Aufgrund des langen Pfingstwochenende sowie nach der Einführung des 9 Euro Tickets rechnet die Deutsche Bahn mit zahlreichen Reisenden.
Die kostenlose Fahrradmitnahme wie beim 9-Euro-Ticket wird es beim Deutschlandticket wohl nicht geben.Bild: dpa / Paul Zinken

Der Münchner Verkehrsverband MVG schreibt dazu auf seiner Webseite: "Eine unentgeltliche Mitnahme von Personen über sechs Jahren ist nicht möglich. Für die Mitnahme von Fahrrädern und Hunden gelten die tariflichen Regelungen vor Ort. Kinder unter sechs Jahren sind weiterhin kostenlos unterwegs." Für die Fahrradmitnahme gelten die Tarifregelungen der jeweiligen Verkehrsverbünde.

Welche Verkehrsmittel kann ich bundesweit nutzen?

Mit dem Ticket können bundesweit alle öffentlichen Verkehrsmittel in den jeweiligen Verkehrsverbünden, also Busse, U- und S-Bahnen, Trambahnen und Schiffe, inklusive des Regionalverkehrs der Deutschen Bahn, genutzt werden. Das Ticket gilt aber nicht in den Zügen des Fernverkehrs (IC, EC, ICE).

Gibt es Vergünstgungen für sozial Schwächere?

Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, lobte das Vorhaben eines deutschlandweit gültigen Tickets zu einem erschwinglichen Preis. "Trotzdem bleiben wir dabei, dass sich 49 Euro nicht alle Menschen leisten können. Deshalb fordern wir weiterhin ein 365 Euro-Ticket."

In den Ländern könnte es gestaffelte Preise für sozial Schwache, Schüler:innen oder Studierende geben. So ließ der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) verlauten, in seinem Bundesland solle es für Studierende und Schüler:innen spezielle Angebote geben. Nähere Informationen dazu gab es bisher nicht. In Bayern ist laut dem "Mitteldeutschen Rundfunk" (MDR) ab dem nächsten Wintersemester ein 29-Euro-Ticket für Schüler:innen und Studierende geplant.

Group of friends waiting the train in the platform of subway station. Public transport concept.
Bild: iStockphoto / santypan

Berlin hatte als Nachfolge zum 9-Euro-Ticket als einziges Bundesland ein 29-Euro-Monatsticket beschlossen, das seit Oktober 2022 im Abo erhältlich ist und nur in Berlin gilt. Der rot-grün-rote Senat hatte sich darauf verständigt, es zunächst um drei Monate bis Ende März 2023 zu verlängern.

Bleibt es bei 49 Euro?

Nein, 49 Euro wird der Einführungspreis sein. Nach den Plänen der Verkehrsminister:innen ist ab dem zweiten Jahr eine "Dynamisierung" in Form eines automatischen Inflationsausgleichs geplant.

Das Ticket könnte entsprechend bald teurer werden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) verwies auf die enormen Kostensteigerungen bei der Energie. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) ist sich sogar sicher: "Der Preis wird steigen." Damit könne vermieden werden, dass wegen steigender Kosten Bestandsverkehr abbestellt und Linien ausgedünnt werden müssten. "Das beste Ticket hilft am Ende nicht, wenn der Bus nicht mehr kommt."

(mit Material der dpa/afp)

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