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US-Rechtssystem versagt: Unschuldiger kommt nach 28 Jahren im Gefängnis frei

26.09.2023, USA, Los Angeles: Auf diesem Foto, das vom Innocence Center und dem California Innocence Project zur Verfügung gestellt wurde, winkt Gerardo Cabanillas nach seiner Freilassung vor der Hall ...
28 Jahre lange saß Gerardo Cabanillas unschuldig im Gefängnis. Um dies zu beweisen, kämpfe er jahrzehntelang.Bild: Legal Talk Network/AP / Laurence Colletti
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US-Rechtssystem versagt: Unschuldiger kommt nach 28 Jahren im Gefängnis frei

27.09.2023, 18:03
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Kein Justizsystem ist jemals perfekt. Unabhängig davon, wo auf der Welt. Dass Menschen zu Unrecht verurteilt werden, kommt vor. Das ist unumstritten. Umso bitterer sind Fehler in Rechtssystemen, wenn das verhängte Urteil hart ist. Ein aktueller Fall aus den USA ist besonders tragisch. Er zeigt auf, wie das Leben eines Unschuldigen zerstört wurde.

US-Rechtssystem versagt: Unschuldiger 28 Jahre im Knast

28 Jahre lange saß Gerardo Cabanillas unschuldig im Gefängnis. Nach seiner Festnahme und einer folgenschweren Verurteilung wegen Raubes, Kidnapping und sexueller Übergriffe in Kalifornien, ist der unschuldig Inhaftierte jetzt wieder in Freiheit. Dafür musste er jahrelang kämpfen.

Dabei schwor Gerardo Cabanillas auf das Leben seines Kindes, dass er unschuldig sei. Damals wurde er im Alter von 18 Jahren wegen des Verdachts auf sexuelle Nötigung verhaftet, so sein Anwalt. Dennoch legte er ein Geständnis ab: Ein falsches Versprechen führte zu seiner Verurteilung.

"Die Gerechtigkeit hat sehr lange auf sich warten lassen ... wenn man es zu diesem Zeitpunkt überhaupt so nennen kann", sagte die Anwältin Alissa Bjerkhoel, die Cabanillas über das California Innocence Project vertrat.

Cabanillas war wegen eines brutalen Raubüberfalls mit vorgehaltener Waffe und eines sexuellen Übergriffs auf eine junge Frau in South Gate im Jahr 1995 beschuldigt worden, heißt es vonseiten der Behörden.

Unschuldig ins Gefängnis: ein falsches Versprechen mit Folgen

Während eines siebenstündigen Verhörs hatte Berichten zufolge Jack Lee Alirez von der Polizei in South Gate dem jungen Mann versprochen, dass er auf Bewährung freigelassen würde. Zumindest unter der Voraussetzung, dass er die ihm vorgeworfenen Taten zugebe.

Dies bewahrheitete sich nicht: Stattdessen wurde Cabanillas nach dem Geständnis wegen 14 Straftaten angeklagt. Er wurde verurteilt, de facto zu einer lebenslangen Haftstrafe, wie aus den Gerichtsakten hervorgeht. Bei dem Verhör war demnach kein Anwalt dabei.

Die Anwältin Bjerkhoel sagte außerdem, es habe von Anfang an offensichtliche Probleme mit dem Fall gegeben: So habe es keine Beweise gegeben, die Cabanillas mit dem Überfall in Verbindung brachten, stellte sie klar. Das Opfer habe Cabanillas angeblich bei der Sichtung von Verdächtigenfotos bei der Polizei identifiziert. Vor Gericht aber nie – weder in einer Vorverhandlung noch während der zwei Prozesse, wie Gerichtsakten zeigen.

Der Partner des Opfers sagte, er habe Cabanillas erst identifiziert, nachdem ein Polizist ihm ein Foto gezeigt habe. Der Polizeimitarbeiter habe ihm aber gesagt, dass Cabanillas die Person sei, die sie erwischt hätten. Gespickt mit der Information, dass er gestanden habe. Auch das geht aus den Akten hervor, wie die "Los Angeles Times" schreibt.

US-Rechtssystem hat versagt: Nun gibt es einen anderen Verdächtigen

Cabanillas leugnete jahrzehntelang jegliches Fehlverhalten, und sein Fall wurde schließlich 2017 vom California Innocence Project aufgegriffen, sagte Bjerkhoel. In diesem Jahr entlastete ein DNA-Beweis nicht nur Cabanillas, sondern identifizierte auch einen anderen Verdächtigen: Der saß bereits im Gefängnis und wartete auf seinen Prozess wegen Mordes, sagte Gascón.

Dieser Verdächtige habe weitere sexuelle Übergriffe begangen, sagte Gascón. Dessen Identität wollte die Staatsanwaltschaft am Dienstag nicht nennen, weil die Ermittlungen noch andauern, hieß es.

"Wenn die falsche Person für ein Verbrechen verurteilt wird, machen wir nicht nur das System lächerlich ... sondern der eigentliche Angreifer bleibt frei", stellte Gascón klar.

Cabanillas lehnte es ab, während der Pressekonferenz am Dienstag zu sprechen.

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Tiffiny Blacknell, die Leiterin der Kommunikationsabteilung der Bezirksstaatsanwaltschaft, sagte dazu: Es sei nicht klar, ob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den neuen Verdächtigen erheben werde. Der Grund: Es sei ungewiss, ob das Opfer eine Anklage erheben wolle.

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