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Union Berlin: Spielerfrau berichtet von Angriff im Stadion – Verein reagiert

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Bei einem Spiel in der Alten Försterei ist es am Wochenende zu einem Vorfall gekommen, der nun auf Social Media hohe Wellen schlägt. Bild: imago images / nordphoto GmbH
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Union Berlin: Spielerfrau berichtet von Angriff im Stadion – Verein reagiert

12.02.2024, 17:50
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Fußballstadien sind ein Ort, an dem gefühlt alles erlaubt ist: Politisch fragwürdige Sprechchöre, unfassbar laute Tröten und Bierkonsum, den man sonst nur beim Karneval oder beim Junggesellenabschied durchgehen lässt.

Trotzdem gehört der samstägliche Gang ins Stadion auch für viele junge Familien zur Wochenend-Routine einfach dazu. Ein Vorfall bei einem Spiel von Union Berlin stellt nun allerdings infrage, wie familienfreundlich Deutschlands Fußballstadien tatsächlich sind.

Spielerfrau macht Angriff bei Union Berlin öffentlich

Für Innenverteidiger Moritz Jenz war ein entsprechendes Match gegen Union Berlin erst der 14. Einsatz für seinen aktuellen Verein VfL Wolfsburg. Seine Frau Steffani begleitete den 24-Jährigen bereits während seiner Zeit bei Schalke regelmäßig zu seinen Bundesliga-Einsätzen, auch am vergangenen Wochenende kam sie mit ihm nach Berlin.

Beim Spiel in der Alten Försterei nahm Steffani Jenz gemeinsam mit einer Freundin laut eigenen Angaben in der Familienloge Platz. Mit dabei war dieses Mal auch Jenz' elf Monate alter Sohn, den die junge Mutter in der Loge offenbar stillen wollte.

Auf Social Media berichtet Jenz nun davon, dass dies aber offenbar nicht ohne Weiteres möglich war. "Ein Mann über 70" sei in der Familienloge auf sie zugekommen und habe sie laut aufgefordert, den Bereich umgehend zu verlassen. Er selbst habe demnach gar nicht am selben Tisch gesessen, sondern sei extra von der Bar zu ihr gekommen.

Auch nachdem die junge Mutter mit ihrem Kind den Tisch gewechselt hatte, habe der Besucher sich nicht beruhigt, laut ihren Angaben habe er sogar ein von ihr mitgebrachtes Spielzeug nach der Familie geworfen. Der Mann sei ihr zudem unangenehm nah gekommen. Daraufhin habe sich Jenz an das Personal vor Ort gewandt und um Unterstützung vonseiten der Security gebeten.

Security bei Union Berlin verweigert junger Mutter Unterstützung

Der zuständige Security-Mitarbeiter habe zunächst nicht besonders verständnisvoll reagiert, auf Bitten der Spielerfrau habe er dann aber das Gespräch mit dem anderen Besucher gesucht. "Nach nicht einmal fünf Sekunden sehe ich, wie die beiden zusammen lachen", berichtet Jenz in ihrem Post.

"Wir schreiben das Jahr 2024 und eine Frau kann sich immer noch nicht sicher fühlen, wenn sie im Familienbereich stillen will", resümiert die junge Mutter erschüttert und verlinkt Union Berlin in dem entsprechenden Post. "Ihr solltet euer Personal für mehr Respekt gegenüber der Frau und der Familie schulen", bittet sie.

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Der Verein reagierte auf Instagram umgehend und entschuldigt sich für den Umgang mit dem Vorfall in der Alten Försterei. "Wir versuchen, die Dinge zu klären. Danke, dass Sie sich zu Wort gemeldet haben", heißt es unter dem Post. Auch auf watson-Anfrage bestätigte man die interne Aufarbeitung.

Union Berlin reagiert auf Vorfall im Stadion

"Es sollte selbstverständlich sein, dass Mütter unbehelligt ihre Babys stillen können. Diesen Anspruch stellen wir auch an die Gäste und Mitarbeiter in unserem Stadion", stellt Pressesprecher Christian Arbeit klar. Union Berlin wolle sich künftig weiter für die Sensibilisierung für entsprechende Vorfälle einsetzen.

In einer Klarstellung auf Tiktok unterstrich Steffani Jenz am Montag indes erneut, dass sie vor allem von der Reaktion der Restaurant-Mitarbeiterinnen enttäuscht gewesen sei. "Niemand zeigte irgendeine Form der Empathie, alle wirkten eher belustigt von der Situation", bedauert sie.

Pressesprecher Arbeit erklärte auf Nachfrage, dass mitunter auch Personal von externen Dienstleistern in der Alten Försterei im Einsatz wäre. Für die eigenen Mitarbeitenden erfolgten hingegen "regelmäßige" Schulungen.

Große Empörung zu Union-Vorfall bei Social Media

Auf Social Media hat der Bericht allerdings bereits große Wellen geschlagen. "Das ist eine Schande! Es tut mir so leid, dass du das erleben musstest. Erwachsene Männer können manchmal absolut ekelhaft sein", empört sich etwa eine Nutzerin auf Instagram. Auf Tiktok hat der Beitrag mehr als 200.000 Ansichten.

Steffani Jenz bedankte sich am Montag entsprechend bei ihren Follower:innen für den weitreichenden Support mittels Nachrichten und dem Teilen ihrer Beiträge. Sie bestätigte die Entschuldigung vonseiten Union Berlins.

Stillen sorgt in der Öffentlichkeit immer wieder für ausufernde Konflikte. Viele empfinden dies als unangenehm und fordern Mütter dazu auf, in öffentlichen Einrichtungen wie Cafés oder im ÖPNV nicht zu stillen. Dass auch der patriarchal geprägte Ort des Fußballstadions hier nicht konfliktarm ist, liegt auf der Hand.

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