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Ein alter und eine neuer Anführer: Kapitän Marco Reus (r.) und Dortmunds Rückhalt Roman Bürki. Bild: imago images / Team 2

Dortmunds neuer Führungsspieler wurde vor zwei Jahren noch ausgelacht

Es waren knapp 70 Minuten gespielt, als sich die Zuschauer im Dortmunder Westfalenstadion erhoben. Roman Bürki musste verletzt ausgewechselt werden, die Südtribüne skandierte seinen Namen. Der Sieg gegen Borussia Mönchengladbach war zu diesem Zeitpunkt zwar noch keineswegs eingetütet, doch die BVB-Fans schienen zu wissen, dass Schlussmann Roman Bürki den wohl größten Anteil an der 1:0-Führung hatte.

In zwei Szenen hatte der Dortmunder Torhüter im Eins gegen Eins den BVB vor einem Rückstand bewahrt. In beiden Duellen hatte er seinem Schweizer Landsmann Breel Embolo den Ball abgeluchst. In der 29. Spielminute lief der Gladbach-Stürmer alleine auf Bürki zu, doch der kommt mit dem Fuß an den Ball. Auch in der 41. Minute beendete Bürki ein Embolo-Dribbling mit seinem Fuß. Nicht nur Sky-Experte Lothar Matthäus sprach von "Weltklasse".

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Riskant: Das erste Schweizer Duell zwischen Embolo und Bürki konnte der Dortmunder für sich entschieden. Bild: imago images / Moritz Müller

Dass ausgerechnet Bürki den BVB-Erfolg nach zuletzt drei sieglosen Bundesliga-Spielen festhielt, ist bezeichnend: Der 28-Jährige hatte sich vor dem Spiel gegen den Tabellenführer an die Öffentlichkeit gewandt und die harsche Kritik an seinem Trainer Lucien Favre zurückgewiesen. Stattdessen nahm er die Mannschaft in die Pflicht und forderte eine Reaktion: "Wir sind ein Team – es liegt an uns Spielern, gemeinsam da rauszukommen", sagte Bürki der "Bild". Gesagt, getan. Es war vor allem Bürki, der voran ging und mit seinen Paraden den BVB im Spiel hielt.

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Kein Foul: Auch das zweite Schweizer Duell gegen Embolo gewann der BVB-Keeper. Bild: Kirchner/David Inderlied via www.imago-images.de

Neben Kapitän Marco Reus, der trotz Grippe auflief und mit seinem Tor zum Matchwinner wurde, war Bürki ein weiterer Anführer der Dortmunder. Nach der zuletzt so hitzig diskutierten Mentalitätsdebatte beim BVB mausert sich der Schlussmann immer mehr zu einem wichtigen Führungsspieler. Die Leistung von Bürki gegen Gladbach war der wohl letzte Beweis, dass dieser Torwart genau der richtige Schlussmann für den BVB ist. Das war nicht immer so.

Vor zwei Jahren war Bürki noch "Gürki"

In den vergangenen Jahren musste der Schweizer, der 2015 vom SC Freiburg zum BVB wechselte, ziemlich viel Kritik einstecken. Einer der Negativ-Höhepunkte war etwa das Champions-League-Spiel gegen Apoel Nikosia vor fast genau zwei Jahren. Gegen den Underdog aus Zypern sah Bürki in einige Szenen nicht gut aus. Ewald Lienen urteilte damals bei Sky: "Roman Bürki steht im Moment neben sich. Er ist nicht gut drauf und trifft die falschen Entscheidungen. In dieser Saison macht er einen Fehler nach dem anderen." Der "Kicker" schätzte damals, dass Bürki an vier von sieben Gegentoren in der Champions League "mindestens eine Teilschuld" habe. Von manchen Medien wurde der Schweizer als "Gürki" oder "Hampelmann" verspottet. Auch viele BVB-Fans stichelten gegen den patzenden Schlussmann, der die beliebte BVB-Legende Roman Weidenfeller beerbt hatte.

Doch Bürki bekam weiterhin das Vertrauen der BVB-Verantwortlichen, die sich nach jedem Patzer immer wieder für den Torhüter aussprachen und sich vor ihn stellten. Bürki zahlte es mit Leistung zurück. Schon in der vergangenen Saison hielt Bürki stark, wurde vom "Kicker" zum besten Keeper der Hinrunde gewählt. Doch hatte Bürki dann in der Rückrunde auch wieder den ein oder anderen Wackler drin: Ein Fehler von Bürki gegen Werder Bremen ließ die letzten Dortmunder Meisterschaftsträume schwinden. Der Schweizer ließ einen Schuss durch die Beine rutschen. Doch Favre nahm anschließend seinen Landsmann un Schutz: "Wir müssen nicht über Roman reden. Er hat eine Topsaison gespielt und uns auch viele Punkte gerettet."

Bürki beim Spiel in Mailand fraglich

Mittlerweile ist Bürki noch ein bisschen stärker geworden und nimmt auch neben dem Platz eine wichtige Rolle ein. Damit hat sich beim BVB eine Führungsspieler-Achse gebildet, die vom Tor bis in den Sturm reicht: Bürki, Rückkehrer Hummels, der international erfahrene Witsel und Urgestein Reus. Umso ärgerlicher ist es, dass der Dortmunder Keeper für das dritte Gruppenspiel in der Champions League am Mittwoch bei Inter Mailand ausfallen könnte. Die Diagnose: Eine Kapselzerrung im linken Knie. Nach Angaben des BVB ist ein Einsatz in Mailand aber nicht ausgeschlossen.

Zum Derby auf Schalke könnte Bürki spätestens dann zurückkehren. Für solch ein Topspiel braucht man einige Mentalitätsmonster – und Roman Bürki scheint so eines zu sein.

(bn)

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