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Die deutschen Beckhams und eine Flugschule – 5 Dinge, die vom FCK bleiben werden

Peter Riesbeck
Peter Riesbeck

Prolog

Ein Spiel wird im Kopf entschieden. Fußballer wissen das. Sie glauben an das Irrationale. Deshalb pflegen sie seltsame Macken. Lauterns niederländischer Stürmer Ko Prins, einer der ersten Ausländer in der Bundesliga, spielte gern mit herunterhängenden Stutzen. Es sollte Glück bringen.

Auch Fans pflegen ihre Macken, so wie ich. Es war 1991 und Kaiserslautern spielte überraschend um die deutsche Meisterschaft. Mein Klub hatte in der Saison kein Auswahlspiel verloren, wenn ich auch im Stadion mit dabei war. Vor der wichtigen Partie bei Fortuna Düsseldorf drei Spieltage vor Schluss war ich mir deshalb sehr kurzentschlossen sicher. Ich muss mit.

Der Wagen war binnen Minuten startklar. Aber wie muss ich eigentlich fahren? Nicht ganz einfach im Zeitalter vor GPS und Navi. Und so wählte ich als Straßenkarte meinen Schulatlas. Ging nicht anders damals. Musste schnell gehen.

Und was soll ich sagen: Hat geholfen. Lautern wurde Meister. Lange her. Nun muss der Klub erstmals in der Geschichte wohl in die dritte Liga. Und ich? Glaube, gehe mal wieder in den Keller, um in alten Bücherkisten zu kramen. Irgendwo muss er doch stecken, dieser alte Westermann-Schulatlas. Mein Gefühl sagt mir, es wäre mal wieder an der Zeit mit ein paar Freunden zu grillen. Gerade jetzt nach dem quasi besiegelten Abstieg in die dritte Liga. Vielleicht hilft ja ein wenig Aberglaube und Erinnerungen daran, was von Lautern sonst noch übrig bleiben wird.

Die Weltmeister-Macher

"Kumm gehn mer s'Fritzje gucke"

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Tradition in Schwarz-Weiß hat's schwer im PS4-Zeitalter. Fritz Walter (M.) und Horst Eckel nach dem WM-Erfolg 1954. Bild: dpa

Kein Text  über den FCK kommt aus ohne ihn: Fritz Walter (1920- 2002), den Gottvater des pfälzischen, ach was, des deutschen Nachkriegs-Fußballs.

"Kumm, gehn mer s'Fritzje gucke", hieß es schon in Kaiserslautern, als Walter noch als Bub in der Schülerelf kickte. Von 1940 bis 1958 spielte Walter dann in der Nationalelf. Nicht mal Lothar Matthäus lief in der Auswahl länger auf als er. 

Höhepunkt von Walters Karriere in der Nationalelf: 1954, das Wunder von Bern, der erste WM-Erfolg eines deutschen Fußballnationalteams. Mit Fritz Walter als Kapitän.

Das Wunder von fern

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Herbert Zimmermann schildert den Siegtreffer von Bern. Video: YouTube/Ammler75

"Wir sind wieder wer", rief Live-Reporter Herbert Zimmermann neun Jahr nach Ende von WW II ins Radio-Mikrofon. Passenderweise gehörte zur Siegerprämie auch Unterwäsche von Schiesser. In weiß! So einfach sollte es gehen mit dem Reinwaschen der deutschen Geschichte.

Der Historiker Joachim Fest bewertete den sportlichen Erfolg später als "eigentlichen Gründungsakt der Bundesrepublik".

Fünf Spieler des 1. FCK spielten 1954 in der Wunderelf von Bern. Alles Geschichte. 

Die traurige Einsicht: Tradition schießt keine Tore.

Die ewig lange 90. Minute

Der FC Bayern kennt den Dusel. Der 1. FC Kaiserslautern die ewig dauernde Nachspielzeit. Hoch segelten die Bälle mal von links, mal von rechts vors gegnerische Tor. "Hoch und weit", so lautet die erste Regel der klassischen Pfälzer Fußballschule. 

Klappte ziemlich gut. 1998 wurde Kaiserslautern als erster Aufsteiger aus der Liga 2 deutscher Meister. Auch Dank der späten Tore von Stürmer Olaf Marschall.

Späte Erfolge, nicht nur wegen des Nasenpflasters

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Stürmer Olaf Marschall beim Torjubel. Bild: dpa

In dieser Saison ging's nur einmal spät noch erfolgreich zur Sache. Philpp Mwene traf im Spiel gegen Union Berlin.  Zu wenig.

Die traurige Einsicht, Teil II: Irgendwann wird jedes Spiel mal abgepfiffen. Leider. 

Das eigentlich schöne Stadion

Als Modell ganz schick...

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... in der Realität nur im Unterhalt ziemlich teuer. Bild: dpa

Andere Vereine haben das Playmobil-Stadion (Fürth). Der 1. FC Kaiserslautern hat den "Betze", kurz für Betzenberg, den "höchsten Fußballberg Deutschlands", wie Reporter gern sagen. 

Das Stadion trägt den Namen des großen Fritz Walter. Und da beginnt das Problem. 

So einfach lässt sich Tradition nicht verkaufen. Der Klub kann den Stadionnamen nicht vermarkten.

Abriss? Erstmal nicht.

Der Verein hat eh schon genug getrickst. 2006 wollte Lautern Teil sein vom Sommermärchen. Der "Betze" wurde ausgebaut. War gut für die WM. Aber zu groß für die folgende triste Fußballwirklichkeit in der Pfalz.

Die klamme Stadt übernahm das Stadion. Sie stundet dem Verein die Miete. Ein Millionenverlust, für eine Stadt, die längst andere Probleme plagen, wie die TV-Doku "Alsternweg" zeigt.

Kurzfristig sollte für die 3. Liga gar die Grundsteuer erhöht werden, um die Stadionkosten zu meistern. Das ist vorerst vom Tisch. 

Aber die traurige Einsicht, Teil III: Das Stadion erdrückt längst Stadt und Verein. 

Gerrys Flugschule

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Gerald "Gerry" Ehrmann (l.) macht nur Spaß. Ehrlich. Bild: dpa

Was ein Mann. Als Keeper wurde er zweimal Pokalsieger (1990/1996) und zweimal Meister (1991/1998) mit dem FCK. 

Danach widmete er sich der Erziehung. Sprich der Torwartausbildung, frei nach der Devise: Nach seinem furchtlosen Ebenbild erschuf er sie.

Die Bilanz: 

Erst Keeper, dann Wrestler: Tim Wiese

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Neuerdings bildet der Verein sogar erfolgreich Innenverteidger aus: 

Die Top-Elf der Abgänge

Die gute Einsicht: Es gibt noch ein paar Dinge, die funktionieren beim FCK.

Die traurige Einsicht, Teil IV: "Wir sind nur ein Ausbildungsverein!"

Die Bilanz

Die Last der Tradition

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Auf dem Weg zum Stadion kommt der Besucher am Fuße des Betzenbergs an einem Verkehrsondell vorbei. Dort grüßen in einem Blumenbeet Skulpturen der fünf Lautrer WM-Gewinner: Fritz Walter und sein Bruder Ottmar, Werner Liebrich und Werner Kohlmeyer sowie Horst Eckel, dem einzigen Überlebenden des 54er-Weltmeisterteams. 

Die Fans sind unerschütterlich

Tradition kann auch eine Last sein. Das wird häufig vergessen. Vielleicht sollten sie sich in Kaiserslautern daran erinnern, dass auch das Idol Fritz Walter manche Konvention sprengte.

Seine Frau Italia kam mit den französischen Besatzungstruppen als Dolmetscherin ins Land. Sie lackierte sich die Fingernägel. Unerhört empfanden sie das in den späten 40er-Jahren, nicht nur in der Pfalz. 

Italia und Fritz Walter, eine Art frühe Ausgabe der Beckhams

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Bild: dpa

"Die Hex'", haben manche Italia Walter damals in der Stadt genannt, manche fürchteten die hübsche Frau aus Frankreich könne den Lautrer Bub vom Fußball abbringen. Von wegen. Glücklich wurden die zwei dennoch. Eine Art Beckhams von der Pfalz.

Was daraus folgt? Manchmal muss man auch Neues wagen. Nicht nur der Liebe wegen. 

Der 1. FC Kaiserslautern hat zu lange von der Tradition gelebt. Der Verein muss sich beim Neustart von manch Überkommenem Trennen. Let's go, Betze! Glückauf, Kaiserslautern!

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