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Jürgen Klinsmann im Spiel gegen Mainz, das Hertha 1:3 verlor. Bild: imago images/bernd könig

Klinsmann tritt als Hertha-Trainer zurück – und spricht über Gründe

Nach gerade einmal zehn Wochen im Amt ist Jürgen Klinsmann von seinem Trainerposten bei Hertha BSC wieder zurückgetreten. Nach dem enttäuschenden 1:3 bei Mainz 05 am Wochenende schrieb der 55-Jährige am Dienstag auf Facebook, dass er als Cheftrainer für den Klassenerhalt auch das Vertrauen der handelnden Personen benötige.

Klinsmann weiter: "Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente. Sind die nicht garantiert, kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen und kann meiner Verantwortung somit auch nicht gerecht werden. Deshalb bin ich nach langer Überlegung zum Schluss gekommen, mein Amt als Cheftrainer der Hertha zur Verfügung zu stellen."

Klinsmann fehlte offenbar im Abstiegskampf die nötige Unterstützung im Verein. "Als Cheftrainer benötige ich allerdings für diese Aufgabe, die noch nicht erledigt ist, auch das Vertrauen der handelnden Personen", schrieb Klinsmann.

Als Abschiedsformel schrieb Klinsmann: "HaHoHe Euer Jürgen".

Hier der Beitrag auf seiner verifizierten Facebook-Seite:

Klinsmann äußerte sich am Nachmittag erneut

Der "Bild"-Zeitung gab Klinsmann am Nachmittag ein Interview, in dem er nochmal zu seinem Rückzug Stellung bezog. Die Entscheidung sei nicht spontan gefallen, er habe "schon länger das Gefühl gehabt, dass es in dieser Form nicht funktioniert". Erst habe er das Team informiert, dann sei er zu Preetz ins Büro gegangen. Dessen Reaktion auf den Rückzug: "Er war nicht so glücklich."

Nach dem Grund für seinen Schritt gefragt, antwortete Klinsmann: "Es gab einfach verschiedene Denkweisen und vor allem verschiedenen Kulturen." Vor allem die Trainerbefugnisse störten ihn demnach. "Nach meinem Verständnis sollte ein Trainer die gesamte sportliche Verantwortung tagen. Also auch über die Transfers."

Im deutschen Modell mit Sportvorständen und Direktoren finde er sich nicht wieder. Zu viel Energie gehe für Dinge außerhalb des Spielfelds verloren.

Zu dem vermeintlichen Gerangel um Zuständigkeiten innerhalb des Vereins sagte Klinsmann: "Wir haben mal über eine mittelfristige Zusammenarbeit gesprochen und über die Kompetenzen diskutiert." Die Situation habe sich aber nicht verbessert, "sondern eher noch verschlechtert". Dann stellte Klinsmann klar: "Wenn ich als Trainer für eine Mannschaft zuständig bin, will auch meine Energie in die Arbeit MIT der Mannschaft stecken."

Hertha BSC ist zunächst überrascht, dann bestätigt der Klub den Rücktritt

Als Aufsichtsrat wolle Klinsmann dem Klub aber erhalten bleiben. Hertha BSC schien nicht auf den plötzlichen Rücktritt vorbereitet gewesen zu sein. Auf Anfrage von watson sagte eine Mitarbeiterin der Pressestelle zuerst: "Ich kann noch gar nichts sagen. Hier klingelt die ganze Zeit das Telefon." Sie verwies auf eine spätere Pressemitteilung seitens des Vereins.

Hertha BSC bestätigte dann den Rücktritt von Klinsmann. "Wir sind von dieser Entwicklung am Morgen überrascht worden. Insbesondere nach der vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der für Hertha BSC intensiven Wintertransferperiode gab es dafür keinerlei Anzeichen. Über die weiteren Entwicklungen werden wir zu gegebener Zeit informieren", sagte Michael Preetz.

Zunächst soll Klinsmanns bisheriger Co-Trainer Alexander Nouri das Traineramt übernehmen.

Klinsmann hatte das Amt erst Ende November von Ante Covic übernommen, nachdem dieser mit dem Klub in den Tabellenkeller gerutscht war. In neun Bundesliga-Spielen holte der frühere Welt- und Europameister zwölf Zähler. Im DFB-Pokal unterlagen die Berliner im Achtelfinale in der vergangenen Woche bei Schalke 04 mit 2:3 nach Verlängerung.

Hier ein paar Reaktionen auf den Rücktritt, der generell für Verwunderung sorgt:

Und nicht zu vergessen:

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bild: Imago images/werek

Wird Hertha jetzt der neue HSV?

Was kann die FDP von Klinsmann lernen?

Andi Scheuer be like:

(pcl/ll/as/ram)

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