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Torschütze Breel Embolo hört keinen Jubel – oder doch? Bild: imago images/RHR-Foto/tim rehbein

Das waren die skurrilsten Momente des ersten Geisterspiels der Bundesliga

Das erste Geisterspiel in der Geschichte der Bundesliga hatte etwas Befremdliches. Das Grundrauschen, die Stimmung, die Gesänge fehlten am Mittwoch beim Nachhol-Rheinderby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, das die Fohlen mit 2:1 gewonnen haben.

So ein Spiel ohne Fans ist komplett gewöhnungsbedürftig – doch wir werden uns zwangsläufig dran gewöhnen müssen. Denn so wird es erstmal weitergehen. Schon am kommenden Wochenende wird der erste komplette Spieltag vor leeren Rängen stattfinden.

Von der Atmosphäre her war das Geister-Derby eine Mischung aus Testspiel und Amateurfußball. Und es gab einige kuriose Momente. Den Spielern beider Teams und auch Schiedsrichter Deniz Aytekin war das deutlich anzumerken.

Das waren die denkwürdigsten Momente des ersten Geisterspiels der Bundesliga:

Applaus? Hä?

Verwirrung gab es gleich zu Beginn der Partie. Als beide Teams den Rasen betraten, ist es gespenstisch still. Doch dann ertönte plötzlich Applaus. Es waren Ordner und Vereinsmitarbeiter, die von den oberen Rängen der Haupttribüne aus als Unterstützer dabei waren.

Moenchengladbach, Borussia Park, 11.03.20, 1.Bundesliga - 21.Spieltag: Borussia Moenchengladbach - 1.FC Koeln Aufstellung beider Mannschaften vor leeren Raengen 1.Bundesliga - 21.Spieltag: Borussia Moenchengladbach - 1.FC Koeln Moenchengladbach *** Moenchengladbach, Borussia Park, 11 03 20, 1 Bundesliga 21 Matchday Borussia Moenchengladbach 1 FC Koeln Formation of both teams before empty ranks 1 Bundesliga 21 Matchday Borussia Moenchengladbach 1 FC Koeln Moenchengladbach Copyright: xEibner-Pressefotox EPeer

Bild: imago images/Eibner-Presse

Aytekin pfeift zu früh an

Auch Schiedsrichter Deniz Aytekin brauchte ein wenig Anlaufzeit, um sich auf die neue Situation einzustellen. Als der Referee das Stadion betrat, schaute er die leeren Tribünen hoch und konnte sich einen ungläubigen Blick und ein Schmunzeln nicht verkneifen. Dann pfiff Aytekin (vor Aufregung?) auch noch etwas zu früh an, weswegen er die Mannschaften nochmal zurückpfeifen musste. Er lachte kurz, gab die Geisterpartie dann elf Sekunden nach 18.30 Uhr frei.

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Hatte schon vor dem Betreten des Stadions seinen Spaß: Deniz Aytekin (r.) fotografiert zwei Geisterfans, die "Wir wollen rein" fordern. Bild: imago images / Moritz Müller

Nach dem Spiel fragte ein Sky-Reporter Aytekin zu seinen Gedanken zum ersten Geisterspiel: "Schwer in Worte zu fassen. Etwas ganz anderes als sonst. Irgendwas fehlte und zwar massiv. Ich kann nur hoffen, dass sich sowas nicht langfristig durchsetzt. Das war beängstigend. Es war auch schwierig, sich zu konzentrieren."

Das "Holt den Derbysieg"-Banner im Gladbach-Block

In der Nordkurve des Borussia-Parks hing eine große Zaunfahne der Gladbach-Fans mit der Aufschrift: "Holt den Derbysieg!" – Aber wie konnte es dort hingelangen, wenn doch eigentlich keine Fans ins Stadion durften? Die Erklärung ist simpel: Die Ordner des Heimteams befestigten es vor dem Anpfiff des Spiels. So konnte wenigstens ein klitzekleines bisschen Derbystimmung in der Arena aufkommen.

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Bild: imago images/Revierfoto

Breel Embolos Torjubel

32. Spielminute. 1:0 für die Heimmannschaft. Gladbachs Breel Embolo zieht mit links ab, der Ball senkt sich ins linke untere Eck. Die Tormusik erklingt im Borussia-Park. (Auch skurril!) Wie gewohnt läuft der Schweizer Stürmer in Richtung Eckfahne und hält sich die Hände hinter die Ohren, um den Torjubel der Fans besser hören zu können. Moment. Welcher Torjubel? Richtig, es gab keinen. Merkte Embolo dann relativ schnell und begab sich zu seinen Teamkameraden um mit ihnen weiterzufeiern.

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Wo seid ihr? Ich kann euch nicht hören! bild: imago images/RHR-FOTO/Tim Rehbein

Die Durchsagen des Stadionsprechers

Auch toll waren die Durchsagen des Gladbacher Stadionsprechers während des Spiels, die im Borussia-Park verständlicherweise viel, viel weniger Menschen erreichten als sonst. Am Ende der Halbzeiten sagte er die jeweiligen Nachspielzeiten durch, zur Pause den aktuellen Spielstand – und sogar, wie gewohnt in der 60. Minute, die Zuschauerzahl: "Heute gibt es keine!"

Die Spieler jubeln am Ende doch noch mit den Fans

Nach Abpfiff erklommen die frischgebackenen Gladbacher Derbysieger die Nordkurve, um minutenlang mit den Fans zu feiern, die sich draußen vor den Stadiontoren versammelt hatten. Verkehrte Welt. Die Anhänger standen draußen jenseits der Gittertore und zündeten Bengalos. Wie war das noch mit den großen Menschenversammlungen, die man eigentlich vermeiden sollte? Egal. "Ein sehr schöner Moment, alles andere als selbstverständlich", lobte Gladbachs Christoph Kramer nach Abpfiff.

(as)

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