Fifa-Präsident Gianni Infantino (l.) und der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani.
Fifa-Präsident Gianni Infantino (l.) und der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani. Bild: www.imago-images.de / imago images

"Geist eines toten Gastarbeiters?" Fifa erhält Shitstorm für WM-Maskottchen

01.04.2022, 19:2701.04.2022, 19:32

Noch dauert es sieben Monate, bis die umstrittene Fußball-WM in Katar beginnt. Doch am Freitagabend wurden in der Hauptstadt Doha bereits die Gruppen für die Endrunde, die im November und Dezember gespielt wird, ausgelost.

Dabei sorgte aber vor allem das diesjährige WM-Maskottchen "La'eeb" für viel Aufregung bei Fußball-Fans auf der ganzen Welt.

Laut Weltfußballverband Fifa sind Fans dazu eingeladen, selbst zu interpretieren, was das Maskottchen darstellen soll. Es erinnert an die traditionelle Herren-Kopfbedeckung auf der Arabischen Halbinsel. Der Fifa zufolge soll es jeden dazu ermuntern, an sich selbst zu glauben.

"La'eeb" komme aus einem Universum, in dem Maskottchen leben und soll bei den Leuten bekannt werden für seinen "jugendlichen Geist, die Freude, die es verbreitet und sein Selbstbewusstsein."

In der arabischen Sprache beschreibt der Begriff laut der Fifa einen "unglaublich talentierten Spieler".

Fans denken an die verstorbenen Gastarbeiter

Doch Fans sahen sich während der Auslosung eher an etwas anderes erinnert. So stellten sich zahlreiche User bei Twitter die Frage, ob das Maskottchen an die Gastarbeiter erinnern soll. "Ist das der Geist der Arbeiter, die während des Baus der Stadien starben?", fragte einer.

Bereits Anfang 2021 berichtete der englische "Guardian", dass auf den WM-Baustellen mehr als 6500 Gastarbeiter gestorben sein sollen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte im vergangenen Herbst sogar, dass zwischen 2010 und 2019 über 15.000 Menschen bei Baustellen im Rahmen der WM ums Leben kamen.

Mehr als zwei Millionen Gastarbeiter sind im Wüstenemirat auf den Baustellen, die direkt oder indirekt mit der WM in Verbindung stehen, tätig.

Dabei sei die Lage der Arbeiter auf den Baustellen der WM-Stadien weitaus besser als auf anderen. Doch nur ein Prozent der Migranten würde an den Spielstätten arbeiten. "Die restlichen haben schlechtere Bedingungen, arbeiten aber an der Infrastruktur, die ebenfalls für die WM nötig ist", sagte Wenzel Michalski, Direktor von Human Rights Watch Deutschland bereits im November im Gespräch mit wason.

Nun fragte ein weiterer Nutzer zu einem Foto des Maskottchens, das mit Cocktail am Strand liegt: "Ist das der Geist eines Arbeitsmigranten?"

Immer wieder gibt es Kritik am WM-Ausrichter, versprochene Reformen nicht einzuhalten und Menschenrechte nicht zu achten.

Auch Nils Kern, Chefredakteur der Plattform "Real Total", hofft, dass das Maskottchen eigentlich nur ein April-Scherz sei. "Ein Geist als Maskottchen stellvertretend für die zehntausend verlorenen Seelen und die später ungenutzten Geisterstadien?", schrieb er.

Fifa-Präsident Infantiono verspricht "beste WM aller Zeiten"

Fifa-Präsident Gianni Infantino will von diesen Zahlen eher wenig wissen und erklärte vor der Auslosung lediglich: "Diese WM wird schlicht und einfach die beste WM aller Zeiten. Die Welt wird vereint sein in Katar. Mein Dank geht an die ganze arabische Welt. Ihr habt dieses Ereignis auf die Beine gestellt."

Das Maskottchen La'eeb vor dem WM-Schriftzug.
Das Maskottchen La'eeb vor dem WM-Schriftzug. Bild: www.imago-images.de / imago images

Und auch der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, sagte lediglich: "Ich sehne mich nach der Freude, die dieses Turnier bringen wird. Der Sport ist ein edles Unterfangen, führt die Völker zusammen."

(lgr)

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