Vermummte Kölner Hooligans bahnen sich im Stade de Nice den Weg zu den gegnerischen Ultras.
Vermummte Kölner Hooligans bahnen sich im Stade de Nice den Weg zu den gegnerischen Ultras.Bild: www.imago-images.de / Treese

Ausschreitungen vor Europapokal-Spiel: Nizza und Köln geben sich gegenseitig die Schuld

09.09.2022, 13:54

Der Auftakt zur Conference-League-Gruppenphase hätte ein Fußball-Fest werden sollen. Mehr als 8000 Kölner Fans waren an die Côte d'Azur gepilgert, um ihren Klub beim Gastauftritt in Nizza zu unterstützen.

Am Ende war das Spiel nur noch eine Randnotiz. Überschattet wurde das 1:1 durch die Ausschreitungen im Vorfeld des Spiels.

Nizza erschien vielen Köln-Fans wohl ein angenehmes Reiseziel zu sein.
Nizza erschien vielen Köln-Fans wohl ein angenehmes Reiseziel zu sein.Bild: www.imago-images.de / Treese

Massenschlägerei im Stadion, 38 Verletzte

Im Stade de Nice hatten sich rund 50 vermummte Kölner Fans über die noch leere Tribüne zum bereits vollen Block der Nizza-Ultras geschlichen. Mit improvisierten Waffen prügelten die beiden Lager aufeinander ein, Pyrotechnik flog durch die Luft, einer der Randalierer fiel fünf Meter tief von den Rängen.

Mit improvisierten Waffen gingen die Hooligans aufeinander los.
Mit improvisierten Waffen gingen die Hooligans aufeinander los.Bild: www.imago-images.de / PanoramiC

Etwa fünf Minuten dauerte es, bis die Polizei die beiden Lager trennen konnte. Die Partie wurde mit gut einer Stunde Verspätung angestoßen. Am Abend vermeldeten die Behörden: 38 Verletzte habe es gegeben, eine Person (die vom Rang gestürzt war) schwebe in Lebensgefahr, mittlerweile sei aber auch diese Person "stabil".

Keller über gewaltbereite Fans: "Muss sie ausfindig machen und entsorgen"

Von Seiten der beiden Vereine wurde die Gewalt aufs Schärfste verurteilt. "Fassungslos über diesen Gewaltausbruch [...] drückt OGC Nizza seine Bestürzung für die Öffentlichkeit von Nizza aus", heißt es in einer Stellungnahme des Gastgebers.

Kölns Co-Trainer André Pawlak, der am Donnerstag aufgrund der Sperre von Steffen Baumgart an der Seitenlinie das Sagen hatte, wirkte schockiert: "Es fehlen einem die Worte. [...] Das ist skandalös und gehört nicht in den Fußball. Es macht uns traurig", erklärte er im Anschluss des Spiels.

Köln Trainer Steffen Baumgart musste das Spiel aufgrund seiner Gelb-Roten Karte in der Qualifikation von der Tribüne verfolgen.
Köln Trainer Steffen Baumgart musste das Spiel aufgrund seiner Gelb-Roten Karte in der Qualifikation von der Tribüne verfolgen.Bild: www.imago-images.de / Treese

Auch Kölns Geschäftsführer Christian Keller wirkte fassungslos: "Diese paar Leute, [...] die hier ein friedliches Fußballfest fast kaputtgemacht haben, die muss man ausfindig machen und dann muss man sie entsorgen", wütete er bei RTL+ und kündigte ein lebenslanges Stadionverbot für alle identifizierten Täter an.

Nizza und Köln geben sich gegenseitig die Schuld, PSG-Fans involviert

Während Keller betonte, dass sich von den angereisten 8000 Kölnern 7900 korrekt verhalten haben, bemängelte Christian Estrosi, Bürgermeister der Stadt Nizza, auf Twitter bereits das "respektlose" Verhalten der Gästefans. Zudem kündigte er an, dass er dem 1. FC Köln eine Rechnung für die Beseitigung von "Schäden und die Reinigung öffentlicher Plätze" zukommen lassen werde.

Nizza-Coach Lucien Favre wollte gar die alleinige Verantwortung für die Ausschreitungen im Stadion auf die Kölner Anhänger schieben. "Unsere Fans sind nicht für die Vorfälle verantwortlich. Sie waren schuldlos", erklärt er in einem Interview auf der Vereinshomepage.

Nizza-Trainer Lucien Favre konnte kein Fehlverhalten der eigenen Fans feststellen.
Nizza-Trainer Lucien Favre konnte kein Fehlverhalten der eigenen Fans feststellen.Bild: www.imago-images.de / PanoramiC

Köln-Boss Keller hat die Situation allerdings anders wahrgenommen: "Nach meinem Informationsstand", erklärte Keller bei RTL+, "sind zuerst Hooligans aus Nizza in unseren Fanblock eingedrungen." Zudem seien viele der vermeintlichen Kölner Aggressoren in Wahrheit PSG-Fans gewesen, die das Europapokalspiel als Anlass nutzten, um sich mit den Nizza-Ultras zu prügeln.

Tatsächlich soll es sich bei dem von der Tribüne gestürzten vermeintlichen Köln-Fan um einen Anhänger des französischen Haupstadtklubs gehandelt haben. Inwiefern das auch auf weitere in rot gekleidete Hooligans zutrifft, ist schwer zu beurteilen.

(kpk)

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