Lea Wagner wird in Katar zum ersten Mal als WM-Reporterin die Nationalmannschaft für die ARD begleiten.
Lea Wagner wird in Katar zum ersten Mal als WM-Reporterin die Nationalmannschaft für die ARD begleiten.Bild: Ard
Interview

ARD-Moderatorin Lea Wagner über die Herausforderungen bei der WM in Katar

17.11.2022, 15:5217.11.2022, 16:16

Seit fünf Jahren arbeitet Lea Wagner für die SWR-Sportredaktion. Sie begleitete als Moderatorin und Reporterin verschiedenste Sportevents. In den kommenden Wochen wird sie von der WM in Katar als Reporterin vom DFB-Quartier berichten.

Im watson-Interview spricht sie über die Menschenrechtsverletzungen, Beleidigungen im Internet und ihren Umgang damit.

watson: Lea, es ist deine erste Weltmeisterschaft als Reporterin. Gleichzeitig ist es wegen der Menschenrechtsverletzungen ein sehr diskutiertes Turnier. Kann da Vorfreude auf die WM-Premiere überhaupt aufkommen?

Lea Wagner: Vorfreude kann ich nur empfinden, wenn ich Dinge kenne. Aktuell weiß ich nicht, was mich erwartet. Ich war noch nie bei einer WM und noch nie in Katar. Ich bin vor allem dankbar für die gute Berichterstattung im Vorfeld, durch die ich mich gut informiert fühle. Jetzt bin ich gespannt, welche Eindrücke ich vor Ort sammeln werde.

"Politische Beiträge sollen in die sportliche Vorberichterstattung engmaschig eingewebt werden."
Lea Wagner über die Planungen der ARD zur Fußball-WM

Wie werdet ihr die politischen Themen vor Ort begleiten?

Wir haben genau dafür unsere Experten – unter anderem Philipp Sohmer als Investigativ-Reporter im Sport, der kritisch über die Fifa berichtet und auch jetzt vor der WM in Katar Erfahrungen gesammelt hat. Es ist jetzt auch eine Dokumentation von Thomas Hitzlsperger veröffentlicht worden.

Also werden sich sportliche Beiträge mit politischen abwechseln?

Das ist das Ziel. Politische Beiträge sollen in die sportliche Vorberichterstattung engmaschig eingewebt werden. Hierfür werden immer wieder unsere Experten und deren Wissen zurate gezogen – die Kommentatoren wären dafür die falschen.

Warum?

Während des Spiels ist es meiner Meinung nach wichtig, das sportliche Geschehen zu thematisieren und nicht in jedem dritten Satz Fakten über die Menschenrechtslage in Katar einfließen zu lassen. Dafür haben wir unsere Experten, die dafür Aufmerksamkeit und Sendezeit bekommen und auch fachlich die richtigen Ansprechpartner sind. Dadurch wollen wir die Begleitumstände vermitteln und gleichzeitig das sportliche Geschehen nach Deutschland bringen.

Lea Wagner erlebte die Europameisterschaft im Sommer 2021 als Field-Reporterin für die ARD.
Lea Wagner erlebte die Europameisterschaft im Sommer 2021 als Field-Reporterin für die ARD.Bild: Ard

Am WM-Quartier übernimmst du den Job von Lennert Brinkhoff – der sich aus dem Sportjournalismus zurückgezogen hat – als Reporterin der Nationalmannschaft. Wie hast du davon erfahren?

Harald Dietz, der SWR-Sportchef, hat mich angerufen und unverbindlich gefragt, ob ich eigentlich Interesse an der Nationalmannschaft hätte. Da musste ich schmunzeln und habe es schon ein bisschen geahnt, weil Lennert aufgehört hatte.

Wie war deine Reaktion?

Ich habe mich total gefreut, weil es ein Traum ist, seit ich Journalistin bin. Bis jetzt hat mich der Einsatz bei der Europameisterschaft 2021 als Field-Reporterin auch am meisten emotionalisiert. Nachdem ich von meinem WM-Einsatz gewusst hatte, war erst mal große Vorfreude da. Danach habe ich mich noch intensiver mit Katar beschäftigt und es hat sich immer mehr eher diese Gespanntheit eingestellt.

Wie lief für dich die Vorbereitung auf die WM vor allem mit der Bundesliga, die bis zum vergangenen Wochenende noch lief?

Die Vorbereitung war wie im normalen Fußball-Alltag auch: viel lesen und telefonisch recherchieren. Wenn ich viel über die Bundesliga-Klubs und ihre Spieler lese, bin ich auch bezüglich der Nationalmannschaft auf dem neuesten Stand. Genauso ist es, mit dem internationalen Fußball. Den größten Stress haben allerdings die Spieler…

"Du brauchst viel inneres Vertrauen in diesem Job. Auch ein erfahrener Kommentator wie Tom Bartels wird während einer WM angefeindet."
Lea Wagner zu den Herausforderungen für Fußball-Kommentator:innen

Weil sie keine Pause haben und teilweise seit September zweimal pro Woche spielen?

Es ist krass, was die leisten müssen. Dazu kommt diese Unplanbarkeit. Erst vergangenen Donnerstag haben die deutschen Spieler erfahren, ob sie für fünf Wochen packen dürfen oder freihaben. Teilweise haben die Spieler Sonntag noch in der Bundesliga gespielt und sind am Montag ins WM-Lager geflogen. Ich bin gespannt, von einem Spieler zu hören, der bei einem anderen großen Turnier dabei war und die Vorbereitungen vergleichen kann.

Bei dieser Weltmeisterschaft ist auch neu, dass mit Christina Graf zum ersten Mal in der ARD eine Frau Spiele kommentieren wird. Wie wichtig ist dieser Schritt im Hinblick auf die Sichtbarkeit von Frauen in der Sportberichterstattung?

Menschen müssen sich an Dinge gewöhnen und je häufiger ein Fußballfan eine Kommentatorin während eines Spiels hört, desto normaler wird es. Du brauchst viel inneres Vertrauen in diesem Job. Auch ein erfahrener Kommentator wie Tom Bartels wird während einer WM angefeindet und Frauen werden in diesem Job leider noch nicht als normal erachtet – deshalb habe ich großen Respekt vor Christina.

Hast du selbst Erfahrungen sammeln müssen mit geschlechtsbezogenem Hass?

Nein, zum Glück ist das bis jetzt an mir vorbeigegangen.

Lea Wagner moderierte ihre erste Sportsendung bereits im Alter von 23 Jahren.
Lea Wagner moderierte ihre erste Sportsendung bereits im Alter von 23 Jahren.

Hast du dich mit Kolleg:innen darüber trotzdem ausgetauscht?

Ja, es hilft immer und ich bin extrem dankbar, mit Kollegen wie Tom Bartels zusammenzuarbeiten und mit ihm über wichtige Fragen zu sprechen: Wie geht man mit Kritik um? Wie schützt man sich? Ich führe einen Job in der Öffentlichkeit aus. Deshalb ist klar, dass sich Leute auch kritisch äußern, trotzdem muss man auch gucken, wie man sich schützt.

Wie oft gibst du deinen Namen bei Twitter und Google ein?

Es ist besser geworden. Früher habe ich meinen Namen bei Twitter häufiger gesucht, obwohl ich auf der Plattform gar nicht angemeldet bin. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mich Beleidigungen kaltlassen.

Wie äußerte sich das?

Bei meiner ersten Live-Sendung war ich 23 Jahre alt. Aus der Regie habe ich aufs Ohr gesagt bekommen, dass die Sendung in 30 Sekunden beginnt. Es kam noch eine Werbung und mir schoss eine Beleidigung auf Twitter durch den Kopf, die ich ein paar Tage zuvor über mich gelesen hatte. Das ist psychologisch natürlich das Schlimmste, was passieren kann. Mittlerweile ist es besser geworden und ich schaue nur noch in sehr schwachen Momenten nach einer Sendung auf Twitter nach Kommentaren. (lacht)

Wie hast du daran gearbeitet?

Der Austausch hilft. Andere Kollegen und Kolleginnen können Tipps geben für den Umgang mit Kritik. Dabei bin ich für konstruktive Kritik dankbar, aber bei 20 positiven und einem negativen Kommentar bleibt leider der negative hängen. Deshalb meditiere ich viel und lese Bücher, die sich mit Vertrauen und Bewusstsein befassen, damit ich erst gar nicht vor einer Live-Sendung in eine Negativ-Spirale komme.

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