ARCHIV - 02.02.2021, China, Peking: Die olympischen Ringe sind auf der Spitze des Olympiaturms zu sehen. Die Olympischen Winterspiele Peking 2022 sollen am 4. Februar 2022 er
Olympische Ringe auf dem Olympiaturm in Peking – was wird aus Olympia? Bild: dpa / Mark Schiefelbein

Auch Johnson kündigt "diplomatischen Boykott" der Winterspiele in Peking an – FDP-Politikerin fordert kompletten Boykott

08.12.2021, 13:4608.12.2021, 14:19

Auch der britische Premierminister Boris Johnson kündigt einen "diplomatischen Boykott" der Winterspiele in Peking and, die vom 4. bis 22. Februar 2022 stattfinden sollen. Es handle sich "praktisch um einen diplomatischen Boykott", sagte der britische Premierminister Boris Johnson am Mittwoch im Parlament in London. Er bespreche kritische Fragen wie Menschenrechte regelmäßig mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping. "Wie ich bereits zuvor sagte, unterstützen wir keinen sportlichen Boykott. Aber es gibt keine Pläne, dass Kabinettsmitglieder die Olympischen Winterspiele besuchen", sagte Johnson.

Zunächst hatten die USA erklärt, die Spiele auf diese Weise zu boykottieren, die die Sportler selbst nicht ausschließt. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte am Montag, die Regierung von Präsident Joe Biden werde keine diplomatischen oder offiziellen Vertreter nach Peking schicken. Die geschehe aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen in China.

Auch Australien boykottiert

Vor Großbritannien hatte schon Australien am Mittwoch bekanntgegeben, dass es sich dem diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele anschließen wolle. Für ihn sei diese Entscheidung "keine Überraschung", sagte Premier Scott Morrison am Mittwoch. Als Grund führte er eine Reihe von Missverständnissen zwischen Canberra und Peking an, darunter Chinas Kritik an Australiens Entscheidung zur Anschaffung von nukleargetriebenen U-Booten. Seine Regierung habe wiederum "Menschenrechtsverstöße in Xinjiang und andere Themen" angeprangert, doch habe die chinesische Regierung keine Gesprächsbereitschaft gezeigt.

Die Spitze der neuen Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP hat bisher offen gelassen, ob sie sich dem anschließt. Man werde sich sorgfältig und im internationalen Zusammenhang beraten und Entscheidungen treffen, hatte der am Mittwoch zum neuen Bundeskanzler gewählte Olaf Scholz (SPD) tags zuvor gesagt.

Steinmeier hat keine Peking-Pläne

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fliegt jedenfalls nicht zu den Winterspielen – was allerdings offenbar nicht mit der Entscheidung der USA zusammenhängt. "Es gibt keine Pläne des Bundespräsidenten, nach Peking zu reisen", sagte eine Sprecherin des Bundespräsidenten der ARD-"Sportschau". "Diese Pläne gab es aber auch nicht, bevor die USA ihre Entscheidung bekannt gaben."

Die Europa-Politikerin Nicola Beer (FDP) sprach sich unterdessen für einen Komplett-Boykott der Winterspiele aus. Die Europäische Union sollte "nicht nur im Windschatten der USA bleiben, sondern sich selbst für die Einhaltung von Menschenrechten auf die Hinterbeine stellen und sich für einen gänzlichen Boykott der Winterspiele aussprechen", sagte die Vizepräsidentin des EU-Parlaments den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

Beer: "Falsche Bühne am falschen Ort"

Der von den USA geforderte diplomatische Boykott komme spät, sagte die FDP-Politikerin, und sei "das Mindeste", was vom Westen zu erwarten sei. Die Olympischen Winterspiele im Februar 2022 in China seien "eine falsche Bühne am falschen Ort". Klare Signale des Westens Richtung Peking seien längst überfällig, meinte Beer mit Hinweis auf die "brutale Unterdrückung der Uiguren, der chinesischen Aggressionen gegenüber Hongkong und Taiwan".

China reagiert empört auf Australiens Ansage

China reagierte mit massiver Kritik auf den Boykott durch Australien. "Die australische Regierung folgt bestimmten Ländern blind, so dass es richtig nicht von falsch unterscheiden kann", sagte Außenamtssprecher Wang Wenbin am Mittwoch in Peking. Australien verletzte den Grundsatz der politischen Neutralität in der Olympischen Charta. Die Begründung Australiens "mit der so genannten Menschenrechtsfrage in Xinjiang sei nur ein Vorwand, um China zu verleumden", sagte Wang Wenbin und ergänzte: "China hatte niemals Pläne, irgendeinen australischen Offiziellen zu den Spielen einzuladen. Niemand interessiert sich dafür, ob sie kommen oder nicht."

(andi/AFP/dpa)

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