Arian Feigl-Berger macht Armin Laschet große Vorwürfe.
Arian Feigl-Berger macht Armin Laschet große Vorwürfe.
bild: screenshot rtl

"Am Tisch mit ...": Klima-Aktivistin wirft Laschet Lügen vor – Peter Kloeppel greift ein

20.09.2021, 13:25
von dirk krampitz

In der "Wahlarena" (ARD) und bei "Klartext, Herr Laschet" (ZDF) hatte es Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet jeweils mit einem ganzen Studio voller voller Zuschauer zu tun. Bei "Am Tisch mit Armin Laschet" in RTL sind es vier Zuschauer, jeder steht für ein Thema:

  • Arian Feigl-Berger, 22, Studentin und Klima-Aktivistin, Halle an der Saale
  • Ricardo Lange, 40, Intensiv-Krankenpfleger, Berlin
  • Elisabeth Pflügel, 63, Hartz IV-Empfängerin, München
  • Svenja Streich, 37, Bildungsmanagerin, Gelsenkirchen

Zu Beginn fragt Moderator Peter Kloeppel Laschet erstmal nach seiner momentanen Befindlichkeit. Ob es die schwerste Zeit für ihn gewesen sei? "Das glaube ich schon unterm Strich. In diesem Wahlkampf gab es ein Auf und Ab und das in seiner so bewegten Zeit.“ Man müsse sich eine "dicke Haut" zulegen, um nicht alles an sich heranzulassen, sagt Laschet beim Kurzinterview im Stehen. Und dann geht es schon an den Tisch mit den ausgewählten Bürgern.

Intensiv-Krankenpfleger Ricardo Lange (re.) sagt Laschet, dass das Gesundheitssystem schon vor Corona überlastet war.
Intensiv-Krankenpfleger Ricardo Lange (re.) sagt Laschet, dass das Gesundheitssystem schon vor Corona überlastet war.
bild: Screenshot rtl

Den Anfang macht Intensiv-Krankenpfleger Ricardo Lange, 40, aus Berlin. Er beklagt Überlastung und Personalnot im Pflegesektor.

"Wenn man Patienten im Stich lassen muss, weil man keine Zeit hat – das demotiviert die Kollegen."
Ricardo Lange

Der Gesundheitssektor sei auch schon vor Corona überlastet gewesen. "Die CDU redet sich die Situation schön", findet Lange. Und wenn Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) behauptet, dass das Gesundheitssystem während Corona nicht überlastet war, könne er nur sagen: "Da fasse ich mir an den Kopf."

Laschet lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. "Gesundheit wird nach der Pandemie eines der wichtigsten Themen sein", verspricht er, "wir werden ohne jeden Zweifel für die Gesundheit mehr aufwenden müssen." Eine seiner Ideen: Pfleger aus dem Ausland rekrutieren, was Lange aber nicht gut findet. Das würde das Problem nur verlagern. Man dürfe die Pflegekräfte eben "nicht in drei Jahren kaputt spielen", sondern müssen die Arbeitsbedingungen verbessern. Die CDU sei 16 Jahre an der Macht, aber "es ist nichts passiert ". Armin Laschet seufzt. "16 Jahre, das ist immer leicht gesagt." Zudem habe es seit 2010 massive Verbesserungen gegeben, anfangs sei die Ausbildung in der Pflege noch kostenpflichtig gewesen, das habe Jens Spahn als Gesundheitsminister abgeschafft. Und in den kommenden vier Jahren würden 13000 neue Stellen entstehen. Den auch körperlich anstrengenden Beruf attraktiver machen, indem man mit 60 in die Rente geht, wie Lange vorschlägt, empfindet er aber nicht als gute Idee. "Wir sind von der Politik der Frühverrentung weg."

Svenja Streich, 37, ist Bildungsmanagerin in Gelsenkirchen. In ihrem Bildungszentrum bemerkt die Mutter von zwei Kindern, Defizite bei den jungen Menschen. "Der Lehrer allein kann nicht mehr leisten, was die Betriebe von den Azubis verlangen.“ Laschet sagt, man müsse früher als in der Schule ansetzen, um Fachkräfte heranzubilden. "Man muss schon in der Kita Bildung und vor allem auch deutsche Sprache vermitteln." Außerdem setzt er auf Ganztagsangebote in der Schule. Laschet lobt die Entwicklung in seinem Bundesland. "Es wird von Jahr zu Jahr besser. Und es ist in den vergangenen Jahren schon viel passiert."

Schwieriger wird es für Laschet mit den beiden Bürgerinnen.

Hartz IV-Empfängerin Elisabeth Pflügel, 63, aus München betreut und unterstützt nebenbei auf 450-Euro-Basis Seniorinnen. Das Geld, das sie damit verdient, wird mit den Sozialleistungen verrechnet. "Herr Laschet, warum sind Sie dagegen, dass die Superreichen oder die Menschen, die einfach wirklich viel Geld haben, Vermögenssteuer zahlen?", fragt sie.

"Die soziale Gerechtigkeit stimmt bei uns in Deutschland hinten und vorne nicht mehr."
Elisabeth Pflügel

Laschet wiederholt seine aus diversen Diskussionen bereits bekannte Argumentation: "Wenn man jetzt Steuern erhöht nach der Pandemie, gerade bei Unternehmen, die vielleicht Leute einstellen sollen, wird das Gegenteil erreicht." Auch RTL kennt wirtschaftliche Zusammenhänge. Es kommt mittendrin Werbung.

Spannend dürfte die Diskussion im Studio während der Werbepause gewesen sein. Jedenfalls ist Elisabeth Pflügel schon wieder auf voller Betriebstemperatur als das Studiolicht angeht und hält Laschet und will bei Laschet nachhaken. "Huhu, Frau Pflügel, ich bin hier der Moderator", versucht Peter Kloeppel die Leitung wieder an sich zu ziehen.

"Wo bleibt da die soziale Gerechtigkeit, das gehört geändert", appelliert Elisabeth Pflügel wieder in Richtung CDU-Kanzlerkandidat. Der antwortet mit den Problemen bei der Realisierbarkeit. "Das Problem bei der Vermögenssteuer ist, sie ist schon zweimal vor dem Verfassungsgericht gescheitert, weil es so kompliziert ist." Man müsse viel überprüfen – alles vom Gemälde bis zum Auto. "Kommt in jedes Haus der Steuerprüfer und zählt alle diese Dinge", malt Laschet ein kleines Schreckensszenario, das bei Pflügel aber keinerlei Eindruck schindet. "Es gibt genügend Reiche in Deutschland – wenn man da …". Laschet versucht es mit der Technik der resignierenden Umarmung: "Das empört mich auch, aber Sie kriegen es nicht so genau hin."

Studentin Arian Feigl-Berger wirft Armin Laschet vor, dass seine Klima-Pläne nicht ausreichen.
Studentin Arian Feigl-Berger wirft Armin Laschet vor, dass seine Klima-Pläne nicht ausreichen.
bild: Screenshot rtl

Arian Feigl-Berger, 22 Jahre, Studentin und Klima-Aktivistin aus Halle an der Saale und die schwerste Gegnerin für Armin Laschet. Sie wirft ihm und seiner Union vor, im Wahlprogramm nicht genug für den Klimaschutz zu tun. "Ich glaube, unser Programm reicht aus, die 1,5 Grad zu erreichen“, entgegnet Laschet. Doch das sieht sie ganz anders. Es reiche nicht einmal zur Hälfte aus, um die Deutschen Klimaziele zu erreichen. Für die Forderungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommens würde es nicht einmal zu einem Viertel reichen, das belege eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Laschet streitet das ab, andere Studien kämen zu anderen Ergebnissen. "Ich glaube, dass es ausreicht." Feig-Berger antwortet trocken:

"Glauben kann man viel."
Arian Feigl-Berger

Der Ministerpräsident von NRW schreibt sich auf die Erfolgsbilanz, dass er das Ende des Braunkohleabbaus in seinem Bundesland von 2045 auf 2038 vorgezogenen hat. "Es gibt keinen Ministerpräsidenten und kein Bundesland, das so viel CO2 senkt wie NRW. Ich rede nicht über theoretische Dinge, sondern ich schalte ab, sage Menschen, sie müssen in den Vorruhestand gehen, das sind auch schwierige Sachen." Außerdem stellt er in Aussicht: "Ich glaube, wir werden schneller sein." Feigl-Berger beeindruckt das gar nicht. Sie fordert: "Sie müssen schneller sein." Laschet deutet an, dass es fürs Klima besser gewesen wäre, erst aus der Kohle auszusteigen, dann aus der Atomenergie. Doch Feigl-Berger fragt ihn konkret: "Wo wollen sie denn den Atommüll unterbringen, haben Sie ein Endlager?" Die beiden finden keine gemeinsame Ebene.

Am Ende fragt Peter Kloeppel, wen aus der Runde Laschet überzeugen konnte. Nur die Bildungsmanagerin hebt die Hand und auch nur unentschlossen.

"Zumindest sind Sie ins Gespräch gekommen."
Peter Kloeppel

Laschet lässt sich zur Stanze "Ich habe vieles gelernt" hinreißen", "Es ist klar, es gibt noch viel zu tun.“ Die Klima-Aktivistin Arian Feigl-Berger kann nicht an sich halten. "Es wäre ein Anfang, wenn sie die Wahrheit sagen", fährt sie Armin Laschet an.

Da fühlt sich dann sogar Peter Kloeppel bemüßigt einzugreifen: "Nun wollen wir Herrn Laschet nicht der Lüge bezichtigen."

Das Gespräch mit der Klima-Aktivistin mit Laschet war sicherlich das Lebhafteste in der Runde, sie ließ sich nicht mit den üblichen Standard-Antworten abspeisen. Aber die Zuschauer waren – selbst wenn sie Sympathie für ihr Anliegen hatten – von Feigl-Bergers Auftreten absolut nicht begeistert.

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