Auch 2022 führen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich durch das Dschungelcamp bei RTL.
Auch 2022 führen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich durch das Dschungelcamp bei RTL.Bild: TVNOW/ Stefan Gregorowius
Analyse

Trotz Dschungelcamp: Erfolgsmonat bei RTL in Gefahr – ProSieben zieht einen Joker

22.01.2022, 22:08

Der Januar ist für RTL ein besonders wichtiger Monat, in dem der Grundstein für das ganze Jahr gelegt wird: Traditionell starten in diesen Tagen, wie auch 2022 wieder, das Dschungelcamp, "Deutschland sucht den Superstar" und "Der Bachelor" mit neuen Staffeln – für den Sender sind alle drei Formate entscheidende Quotenlieferanten, in die entsprechend große Hoffnungen gesetzt werden.

Zuletzt allerdings hatten die Shows durchweg mit abnehmenden Quoten zu kämpfen. Sollte sich der Trend 2022 fortsetzen, könnte ProSieben dem Konkurrenten in den nächsten Wochen richtig gefährlich werden.

Abwärtstrend bei RTL-Shows

"Der Bachelor" geht ab dem 26. Januar in seine bereits zwölfte Runde und zeigt mittlerweile klare Abnutzungserscheinungen. Zwar sind die Quoten nach wie vor solide, doch ist über die Jahre ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten. Laut "quotenmeter.de" brachte es die Staffel mit Niko Griesert durchschnittlich auf 2,23 Millionen Zuschauer und einen Gesamtmarktanteil von 7,1 Prozent. Für die zehnte Staffel hatten im Schnitt noch 2,41 Millionen Zusehende und 8,0 Prozent Marktanteil zu Buche gestanden.

Kann sich "Der Bachelor" mit Dominik Stuckmann noch einmal fangen?
Kann sich "Der Bachelor" mit Dominik Stuckmann noch einmal fangen?Bild: dpa

Die Einbrüche mögen nicht gravierend sein, doch da RTL nichts Wesentliches am Konzept der Show ändert, verliert das Publikum wohl auch ganz automatisch langsam, aber sicher das Interesse. Der neue Bachelor Dominik Stuckmann und die Kandidatinnen müssten schon sehr besondere Qualitäten mitbringen, um dieses Jahr einen nennenswerten Aufschwung zu bewerkstelligen – oder es gibt von Anfang an Drama, das die Menschen vor den TV-Geräten fesselt.

Ein spezielles Sorgenkind von RTL ist derweil "DSDS". 2021 trennte sich der Sender – weil er familienfreundlicher werden möchte – von Dieter Bohlen und nun ist äußerst fraglich, ob die Sendung ohne den Poptitan bestehen kann, der mit seinen kantigen Sprüchen jahrelang das Aushängeschild war. Das letzte Show-Finale stieg bereits ohne den 67-Jährigen und müsste RTL mit Blick auf die Zahlen eigentlich große Sorgen bereiten: Nur 2,68 Millionen Menschen wollten sehen, wie sich Thomas Gottschalk als Bohlen-Ersatz schlägt – im Vergleich zum Vorjahr, als das Finale noch 4,2 Millionen Zuschauer verfolgten, ein ernüchternder Fakt.

Alarmierend in diesem Zusammenhang ist vorab auch die Entwicklung von "Das Supertalent". Dieser Casting-Klassiker brachte 2021 schon eine komplette Staffel ohne Bohlen hinter sich und machte samstags gegen "The Masked Singer" zur Primetime keinen Stich. Bei "DSDS" wird jetzt Florian Silbereisen zum Hoffnungsträger, der neben Ilse DeLange und Toby Gad ab dem 22. Januar die Kandidaten bewertet. Auch ein so prominentes Gesicht wie seines ist in dieser Situation aber erst einmal ein Risiko, zumal es Fußball-Weltmeister Podolski beim "Supertalent" nicht gelang, die Kohlen aus dem Feuer zu holen.

"DSDS" muss ohne Dieter Bohlen bestehen.
"DSDS" muss ohne Dieter Bohlen bestehen.Bild: dpa / Matthias Bein

Findet das Dschungelcamp zu alter Stärke zurück?

Und sogar "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" lieft zuletzt nicht so erfolgreich wie gewohnt. Pandemiebedingt konnte RTL 2021 mit der "Dschungelshow" nur ein Ersatzformat aus Köln präsentieren, das hinter den Erwartungen zurückblieb. "quotenmeter.de" berichtet von 2,48 Millionen Fernsehzuschauern und einem Marktanteil von 11,9 Prozent im Durchschnitt, was isoliert betrachtet keineswegs schlecht ist. Die unmittelbaren Konkurrenzformate konnten sogar häufig nicht mithalten.

Die anstehende Staffel aus Südafrika (Start: 21. Januar) wird sich allerdings an der Dschungelcamp-Ausgabe von 2020 messen lassen müssen, die im Schnitt einen Marktanteil von 24,7 Prozent erreichte und damit sogar eine Verbesserung zum Vorjahr 2019 markierte. Diesbezüglich kann RTL tatsächlich optimistisch sein, da Südafrika mit seiner Flora und Fauna als Schauplatz von vorneherein mehr verspricht als Deutschland.

Ein Rückschlag ist hingegen der Ausfall von Lucas Cordalis, der wegen einer Corona-Infektion nicht wie geplant von Anfang an dabei sein kann, womöglich aber als Nachzügler einsteigt. Ein Ersatz für ihn ist jedenfalls nicht vorgesehen.

RTL baut auf eine erfolgreiche Dschungelcamp-Staffel.
RTL baut auf eine erfolgreiche Dschungelcamp-Staffel.bild: rtl

Wie ProSieben RTL gefährlich werden kann

Während bei RTL im Januar also vieles unsicher ist, bringt sich ProSieben in Lauerstellung. Während der Dschungelcamp-Phase zeigt der Sender "Wer stiehlt mir die Show?", "TV total", "The Masked Dancer", "Germany's next Topmodel" – und schüttelt obendrein ein Ass aus dem Ärmel.

Für den 29. Januar ist "Schlag den Star" angesetzt, was zugleich bedeutet, dass der Sender zwei Ausgaben der Erfolgsshow in einem Monat ausstrahlt. Zumindest im Rahmen der Live-Sendungen des überlangen Formats am Samstagabend gab es das noch nie. Spannend ist dabei auch: Welche Promis gegeneinander antreten werden, blieb zunächst geheim. Üblicherweise wird das Duell der nächsten Show immer noch am Ende der vorigen verraten. Erst seit dieser Woche steht fest, dass Schauspieler Frederick Lau gegen Fußballprofi Max Kruse in den Ring steigt.

Somit schickt ProSieben noch eine Art Joker gegen das Dschungelcamp ins Rennen, obwohl der Sender in den kommenden Wochen ohnehin gut und vielfältig aufgestellt ist. "The Masked Dancer" startete dieses Jahr zwar unter dem Niveau von "The Masked Singer", allerdings waren die Pläne der Verantwortlichen mit nur sieben statt zehn Kostümen hier von vorneherein vorsichtig.

Derweil entwickelt sich "Wer stiehlt mir die Show?" mit Joko Winterscheidt prächtig. Nach Angaben von "wunschliste.de" sind die Quoten der Sendung im Jahr 2022 so stark wie nie. Der Auftakt zur dritten Staffel glänzte demnach mit einem Marktanteil von 19,3 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, und auch die Kritiken können sich bislang sehen lassen.

Davon, dass das Dschungelcamp wieder abliefern wird, ist eigentlich auszugehen – doch ob RTL den Show-Markt Ende Januar und Anfang Februar insgesamt dominieren kann, steht infrage. Eigentlich ist der Sender darauf angewiesen, dass auch "DSDS" und "Der Bachelor" wieder stärkere Zahlen schreiben, zu Recht wittert ProSieben seine Chance. Dementsprechend werden die Entwicklungen der nächsten Tage interessant zu beobachten sein.

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