Ins Zentrum der Untersuchungen um die Antisemitismus-Vorwürfe rund um Gil Ofarim, rücken jetzt die Zeugen. Wie nahmen sie die Szenen in der Hotel-Lobby wahr?
Ins Zentrum der Untersuchungen um die Antisemitismus-Vorwürfe rund um Gil Ofarim, rücken jetzt die Zeugen. Wie nahmen sie die Szenen in der Hotel-Lobby wahr?Bild: www.imago-images.de / Jens Krick

Antisemitismus-Eklat um Gil Ofarim: Neue Zeugenaussagen aus dem Hotel

29.10.2021, 16:30

Eigentlich sollte man annehmen, dass mehr Details auch die Ermittlungen voranbringen – doch nicht im Fall des Musikers Gil Ofarim. Dieser wurde vor rund zwei Wochen im Leipziger Hotel der Kette The Westin nach eigenen Angaben antisemitisch beleidigt. Nach und nach dringen jetzt immer mehr Informationen an die Öffentlichkeit, doch die neuen Erkenntnisse haben zur Folge, dass der Fall um die antisemitischen Beleidigungen immer undurchsichtiger wird.

Der Musiker Ofarim verließ vor zwei Wochen entsetzt die Lobby des Hotels und nahm anschließend ein Video für seinen Instagram-Kanal auf, in dem er schildert, wie er von einem Mitarbeiter des Hotels antisemitistisch beleidigt worden sei. Er wäre aufgefordert worden, seinen – auf dem Social-Media-Video sichtbaren – Davidstern abzunehmen, dann dürfe er einchecken. Außerdem soll ihm "aus der Ecke" jemand zugerufen haben: "Pack deinen Stern ein!" Ofarim selbst bestätigte in einem Interview mit watson die antisemitische Beleidigung.

Ofarim erhielt prominente Solidarisierung

Was folgte, war zunächst eine Welle der Solidarisierung für den 39-jährigen Rockmusiker. Stars und auch politische Vertreter äußerten sich öffentlich zu dem Eklat und stellten sich auf die Seite von Ofarim. Über das Westin brach ein regelrechter Shitstorm herein. "Nie wieder Westin", war nur einer dieser zahlreichen Kommentare.

Doch die Kritik schlug schon kurz darauf in Verwirrung um – immer mehr Details gerieten ans Licht und warfen Fragen auf. "Hat Ofarim gelogen?", ist eine von diesen, mit der sich jetzt die zuständige Ermittlungsbehörde und auch eine Anwaltskanzlei beschäftigte, die von der Hotelkette beauftragt wurde.

Rechtsanwaltskanzlei fertigt Abschlussbericht zum Fall Ofarim

Grund für die öffentliche Hetzjagd, der Ofarim sich im Anschluss ausgesetzt sah, ist ein von der "Bild" veröffentlichter Ausschnitt aus den Videos der Überwachungskameras in der Hotel-Lobby. Darauf zu sehen – oder besser gesagt, nicht zu sehen – ist Gil Ofarims Kette mit dem Davidstern, wegen der es zu den angeblichen antisemitischen Beleidigungen in dem Hotel gekommen war.

Die Betreibergesellschaft des Hotels versandte nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Hotelkette eine Pressemitteilung mit dem Stand der internen Ermittlungen. Eine Rechtsanwaltskanzlei habe in einem 118-seitigen Bericht festgestellt, "dass keine objektivierbaren Anhaltspunkte vorliegen, die es rechtfertigen würden, strafrechtliche und/oder arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter zu ergreifen".

Wer sagt nun die Wahrheit?

Nun wurden laut der "Zeit" von den Ermittlungsbehörden und der Anwaltskanzlei "zahlreiche Zeugen" befragt. Fragen, denen hier demnach nachgegangen wurden, sind: Gibt es Hotelgäste, die Gil Ofarims Schilderungen unterstützen und bestätigen können? Und wie erinnern sich die anderen Mitarbeitenden des Hotels an die Szene in der Lobby? Auch die Aufnahmen der Überwachungskameras wurden nun noch mal akribisch überprüft.

Die "Zeit" kennt die genauen Inhalte des Untersuchungsberichts der Anwaltskanzlei Pauka & Link, die der Hotelkonzern beauftragt hatte. Demnach heißt es, dass Gil Ofarims Version der Szenen in der Hotellobby von keinem der befragten, anwesenden Zeugen bestätigt worden sei. Außerdem ergebe sich aus den Videos der Überwachungskameras, dass Ofarim die Kette mit dem Davidstern in der Hotellobby sehr wahrscheinlich nicht sichtbar getragen habe – und dass er sich selbst unangemessen verhielt.

Keine Rede von einem Davidstern

Pauka & Link beruft sich in ihrem Bericht darauf, dass sie alle Beteiligten selbst befragt hätten und auch die Videos ausgewertet hätten. Zudem lagen ihnen Befragungsprotokolle der Leipziger Staatsanwaltschaft vor. Auch mit Gil Ofarim wollte die Kanzlei sprechen, dieser lehnte das jedoch offenbar ab, wie die "Zeit" angibt.

Auf den Bildern der Überwachungskameras sei laut der Anwaltskanzlei zu sehen, dass Ofarim wild an der Rezeption gestikulierte. Erst deutete er wohl mit dem Daumen hinter sich und dann mit der ganzen Hand. Auch ein Zeuge habe dies offenbar bestätigt. Von einem Stern sei ebenfalls keine Rede gewesen, gaben die Zeugen laut der "Zeit" gegenüber der Kanzlei zu Protokoll.

Ofarim: "Was ist das für ein Scheißhotel?"

Zuvor sei Ofarim laut den Zeugenaussagen bereits ausfällig geworden. In der Schlange stehend äußerte er sich gegenüber dem Hotel: "Was ist das für ein Scheißhotel?" Wobei sich die Zeugen uneins waren, ob er nun von einem "Scheißhotel" oder einem "Scheißladen" gesprochen habe. Er drohte demnach außerdem, dass er, sobald er auf seinem Zimmer sei, ein Video für Instagram aufnehmen werde. Dies werde "viral gehen", so der Wortlaut aus dem Bericht der Anwaltskanzlei.

Doch die Frage nach der Kette bleibt bisher nicht vollständig geklärt: In seinem Instagram-Video trug er sie deutlich sichtbar – auf den Überwachungskamera-Aufnahmen ist diese aber nicht zu sehen. Die Anwaltskanzlei mutmaßt in ihrem Bericht: Auf einer der Kameraaufnahmen sehe man, wie sich der Musiker nach dem Verlassen des Hotels leicht nach hinten drehe und mit der linken Hand das Handy aus der Tasche hole, während er die rechte Hand in Richtung Hals führe. Die Schlussfolgerung der Kanzlei: Es läge nahe, dass Ofarim seine Kette zu diesem Zeitpunkt unter dem T-Shirt hervorziehe. Allerdings seien die Bilder sehr verschwommen.

(lc)

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