Unterhaltung
Gesunfheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) ist zugeschaltet in die Talkrunde

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) gibt seine Einschätzung zur Ausgangssperre. bild: Screenshot ZDF

"Hat nie gestimmt": Lauterbach gesteht bei "Lanz" Fehler der Politik

Dirk krampitz

Nach einem weiteren Abend mit Sondersendungen zum Thema Corona sitzen auch bei Markus Lanz die Experten wieder einmal zusammen, natürlich mit gebotenem Sicherheitsabstand, um sich über Verbreitung, Gefahren und Auswirkungen des Virus auszutauschen.

Zu Gast an diesem Abend:

Der Ernst der Lage wird immer noch unterschätzt, befürchtet eingangs der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach. Er ist in der Sendung zugeschaltet und berichtet von fröhlich spazierenden Menschen in Köln-Ehrenfeld "als sei es ein besonderer Feiertag". Er selbst war dort dagegen nur für eine "dringliche Beschaffung" unterwegs, berichtet er.

"Wenn wir da nicht nachschärfen, werden wir an anderen Maßnahmen nicht vorbeikommen."

Karl Lauterbach

Was kann Ausgangssperren verhindern?

"Die Ausgangssperre muss also kommen, wird kommen und wann?" – versucht Markus Lanz ihm eine konkrete Prognose abzuringen. Lauterbach hofft, dass diese Maßnahme nicht erforderlich sein wird, ist da aber ganz offen pessimistisch. Das gelinge jedoch nur, so Lauterbach, wenn man die Bevölkerung dazu bringe zu verstehen, die sozialen Kontakte zu vermeiden. Jedoch muss er einen Fehler eingestehen, erzählt er weiter.

"Wenn wir einen Fehler gemacht haben, dann den, dass wir gesagt haben, dass das Virus für die jüngeren wie eine Erkältung ist. Das war nie richtig wahr."

Nun sei es schwer, den Ernst der Lage für alle klar zu machen, erklärte Lauterbach.

Jedoch wäre man "gut gestartet, nach einem schlechten Start" und hätte nun Zeit gewonnen, findet Lauterbach. Das wäre elementar, wenn man nicht Zustände wie in Italien riskieren wolle. Deutschland verfüge über 250 Prozent mehr an Kapazitäten, allerdings wäre auch bei uns die Notfallversorgung in einigen Wochen am Limit, wenn sich das Virus weiterhin so schnell verbreitet.

Die Runde bei Markus Lanz  in sicherem Abstand voneinander

Die Talkrunde bei Markus Lanz mit sicherem Abstand. bild: screenshot ZDF

Den Trend, dass sich die Länder in Europa nun abschotten, finden alle in der Runde bedenklich. Es sei bedrückend, dass das europäische Projekt nun schon gar kein geteiltes Projekt mehr ist. Hilfe für Italien – Material und Ärzte – kommt aktuell aus China und nicht von der EU, stellt der gebürtige Südtiroler Lanz fest.

Permanenter Schaden für die Wirtschaft durch den Shutdown

Der Ökonom Marcel Fratzscher hält die derzeitige Politik der Abschottung auch wirtschaftlich für gefährlich: "Wir sind keine Insel. Wir leben nicht isoliert." Gerade für Deutschland sei das relevant, denn mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung sind Exporte und davon geht über die Hälfte nach Europa.

Der zunehmende Nationalismus mache ihm Sorgen, denn man käme nur so gut durch die Krise, wie das schwächste Glied, und das ist derzeit Italien. Je länger ein Shutdown anhält, desto größer und permanenter ist der Schaden für die Wirtschaft und desto schwieriger wird es, später alles wieder anzufahren, warnt der Experte.

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Positives Schlusswort vom Soziologen Harald Welzer. bild: Screebshot ZDF

Auch der Soziologe Harald Welzer kann Markus Lanz die Frage nicht beantworten, warum eigentlich immer zwei Sachen ausverkauft sind: Nudeln und Klopapier. Das mit den Nudeln könnte er noch einigermaßen herleiten, für das Klopapier bittet er, einen Psychoanalytiker heranzuziehen.

Apokalypse abgesagt

Lanz hat sich für den Abend vorgenommen, auch einmal "positive Aspekte herauszuarbeiten" und nicht immer nur die "unterschwellige Panik mitzutransportieren". Kein leichtes Vorhaben in dieser Zeit. Seine Frage an Welzer daher, warum er nach eigenem Bekunden nie an die Apokalypse geglaubt hat.

Es gäbe derzeit das Verlangen nach Schuldzuweisungen und die falsche Erwartung, dass "irgendjemand liefern muss", was wenig zielführend ist. Dass man in der Runde sitzt und die Art und Weise, wie Informationen austauscht werden, wäre ja schon etwas "extrem positives". Wir würden in einem gut organisierten Land leben und was getan wird, sei sinnvoll und würde auch zur rechten Zeit vorgeschlagen und umgesetzt.

Anne Will kritisiert Müller: "Ich weiß gar nicht, warum ich Ihnen das sagen muss"

Berlin ist aus dem Corona-Beschluss von Bund und Ländern ausgeschert, will an Weihnachten die Kontaktbeschränkungen nicht lockern. Warum eigentlich nicht? "Wir haben immer noch Zahlen, bei denen man sich überhaupt nicht zurücklehnen kann", sagt Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister. Und läutet damit eine spannende Talkrunde bei "Anne Will" ein.

Eine interessante Idee aus der Hauptstadt hat er auch noch mitgebracht: Man wolle in Zukunft Hotels und Pensionen nutzen, um Menschen …

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