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Christian Drosten: Seit kurzem ist der Mann in Deutschland sehr bekannt. Bild: Screenshot ZDF

Als Illner ihm falsches Statement vorträgt, wird Top-Virologe patzig

Die deutschen Talkshows werden derzeit von zwei Themen beherrscht: Der Situation der Geflüchteten an der EU-Grenze und dem Coronavirus. Bei "Maybrit Illner" geht am Donnerstagabend um letzteres Thema. Im Fokus sollen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die deutsche Wirtschaft sein. Für die spannenden Momente sorgt allerdings Top-Virologe Christian Drosten.

Maik Mosheim

Ein leeres Studio, komplett ohne Zuschauer, das erste Mal in der Geschichte. Und alle sind sich einig – wir sollten auf die Experten hören, wir müssen solidarisch sein und am besten sollten wir alle zu Hause bleiben.

Bei "Maybrit Illner" wird am Donnerstagabend vor leergefegten Rängen, die dem Coronavirus zu verdanken sind, über das weltweite Top-Thema diskutiert. Das Coronavirus hat Deutschland und Italien und viele weitere Länder derzeit fest im Griff.

Sechs Tote in der Bundesrepublik, über 2000 Infizierte, eine lange nicht dagewesene Panik samt Hamsterkäufen und Diebstählen von Desinfektionsmitteln. Am Donnerstagabend soll es um die Auswirkungen auf die Wirtschaft gehen. Wie weit sollte man für den Schutz der Gesundheit gehen? Kann man eine ganze Wirtschaft theoretisch abschalten wie eine Maschine? Doch am Ende geht es wieder mal hauptsächlich darum, wie gefährlich das Virus nun wirklich ist.

Drosten: "Zwei der drei Statements habe ich wirklich gesagt. Eins stimmt nicht"

Einer der Experten, auf die wir in diesen Tagen hören sollten, ist zu Gast. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Berliner Charité, ist momentan der vielleicht beliebteste Mensch in der deutschen Öffentlichkeit. Mit kühlem Kopf analysiert er für gewöhnlich, womit wir zu rechnen haben, wie es um das Coronavirus steht und was wir tun können oder sollten.

Diese Rolle erfüllt er auch an diesem Abend – zumindest meistens. Zwischendurch wirkt er fast schon patzig. Es stört ihn offensichtlich, dass er ständig "verkürzt" wird, wie er es darstellt. Zuvor hatte Moderatorin Illner ihn mit drei Statements von ihm selbst konfrontiert – von denen offenbar aber nur zwei stimmten.

Das konnte Drosten nicht auf sich sitzen lassen. "Zwei von diesen drei Statements sind Sachen, die ich wirklich gesagt habe. Eins stimmt nicht", betonte er. Es ging um die Aussage, dass das Virus wiederkommen könne. Das hätten vielleicht seine Kollegen gesagt, er aber nicht, so Drosten. Aber er halte das jetzt einfach aus, er sei schließlich Universitätsprofessor.

Und in dieser Funktion sorgt er dann in gewohnter Rolle auch für den größten Informationsgewinn. Er präsentiert der Talkrunde und den ZDF-Zuschauern die neuesten Erkenntnisse zum SARS-CoV-2 ("Wir haben ein paar Wochen Vorsprung vor Italien") und betont die gesamtgesellschaftliche wie wissenschaftliche Relevanz des Themas: "Kein Mediziner kann das Virus nachvollziehen in seinem Verhalten als Pandemie".

Scholz: "Wir haben genug Geld und können allen helfen"

Natürlich ist nicht nur Christian Drosten bei Illner zu Gast. Auch der Bundesfinanzminister und Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) ist anwesend. Und dem geht es dann doch mal um die Wirtschaft. Er wird nicht müde zu betonen, dass der deutsche Staat die deutsche Wirtschaft mit allen Mitteln stabilisieren wird.

Er kündigt an, dass der Bundestag voraussichtlich am Freitag ein erweiterndes Gesetz zur Kurzarbeit verabschieden werde, um die angesichts der Krise verschärfte wirtschaftliche Situation in vielen Unternehmen besser in den Griff zu bekommen. Die kritische Frage Illners, welchen Firmen oder Branchen der Staat denn zuerst helfen müsse oder würde, tut er ganz entspannt ab: "Wir haben genug Geld, können allen helfen und werden es auch tun." Vergessen ist in diesen Tagen auch der langanhaltende Zwist in der Großen Koalition, Solidarität ist alles, was zurzeit zählt.

Philosophin zum Coronavirus

Wobei für Philosophin Svenja Flaßpöhler "Solidarität" in der Corona-Krise ein eher unpassendes Wort ist. Für sie ist Solidarität mit körperlicher Nähe verbunden, die man ja allen Experten-Empfehlungen zufolge so gut es geht, vermeiden sollte. Sie schaltet sich immer wieder mit philosophischen Einschätzungen der Situation in die Diskussion ein. Für die wirtschaftlichen Forderungen ist mit Hildegard Müller die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) geladen. Sie macht wiederholt klar, dass sie sich eindeutige Vorgaben für die Unternehmen wünscht, damit Klarheit in der Krise herrscht und erforderliche Maßnahmen schnell und strukturiert umgesetzt werden können.

Trump-Kritik darf nicht fehlen

Und schließlich sitzt die ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller in der Runde. Der Schaden, den die Coronavirus-Pandemie für die deutsche Wirtschaft bedeutet, sei bislang "ganz, ganz schwer zu beziffern“, sagt sie. Und der Vergleich mit der Finanzkrise 2008 hinke sehr, die sei schließlich "selbstgemacht" gewesen. Also durch die Banken, nicht durch Frau Haller.

Auch das 30-tägige Einreiseverbot aus Europa, das Donald Trumps US-Regierung in der Nacht auf Donnerstag verhängt hatte, ist an diesem Abend Thema: Hannelore Müller hält solche Maßnahmen für widersinnig, bleibt dabei aber diplomatisch. "Das werden die Amerikaner entscheiden müssen.“ Für Virologe Drosten ist die Maßnahme sowieso nur der Versuch Trumps, darüber hinwegzutäuschen, dass die USA viel zu spät wirkungsvolle Tests zum Coronavirus durchführte.

Das entscheidende Wort obliegt dann noch dem Finanzminister: "Ich hoffe, dass wir in dieser Krise merken, dass der Mensch nicht allein zurechtkommt."

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