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Frank Plasberg diskutierte eigentlich über die Corona-Impfung. bild: screenshot ard

"Hart aber fair": Frank Plasberg empört Zuschauer mit Spruch über Anne Will

dirk krampitz

Der US-Pharmakonzern Moderna hat am Montag als erstes Unternehmen die Zulassung für einen Corona-Impfstoff in der EU beantragt. Frank Plasberg widmet "Hart aber fair" den Zuschauerfragen rund um die Impfung. Wie gut ist die staatliche Impfaktion, die vielleicht schon im Dezember losgehen soll, vorbereitet. Wie sicher sind die Impfstoffe, ist Corona dann besiegt?

"Berufsmäßige Impfgegner und Corona-Leugner" habe er bewusst nicht eingeladen, sagt er. Dafür fiel Plasberg am Ende der Sendung mit einem sehr unschönen Seitenhieb gegen Talk-Kollegin Anne Will auf. Doch dazu später im Text mehr.

Als Gäste hatte er geladen:

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NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sieht das mit den Impflisten locker. bild: screenshot ard

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat neulich zugegeben, "Manschette" zu haben vor der Aufgabe, die Corona-Impfung für alle Einwohner von NRW zu organisieren. Aber nun glaubt er daran, dass es gelingen wird, 80.000 bis 100.000 Menschen pro Tag zu impfen, "wenn es sich eingespielt hat".

Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun, wie Frank Plasberg feststellt, als er Laumann nach den Impflisten mit den Namen von etwa Risikopatienten, Systemrelevanten oder medizinischem Personal fragt. Die gibt es noch nicht, gibt der Minister zu. Aber er sieht darin kein Problem. Pflegebedürftige seien durch die Pflegeversicherung erfasst, Lehrer stünden auf der Gehaltsliste des Landes und Krankenhäuser würden selbst impfen, "weil sie die Infrastruktur haben". Klingt pragmatisch bis hemdsärmelig. Klar stellt Laumann allerdings: Zur Impfung kann niemand gezwungen werden.

"Auch ein Arbeitgeber kann einen nicht zwingen, sich impfen zu lassen."

Karl-Josef Laumann

Das gelte ausdrücklich auch für medizinisches Personal. Allerdings kann er sich auch gut vorstellen, dass es sein könne, nur noch Geimpfte Zugang zu Flügen oder Konzerten bekommen. "Die Diskussion werden wir kriegen."

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Ranga Yogeswar setzt auf offene frühzeitige Kommunikation und Vertrauen. bild: screenshot ard

Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeswar sieht das mit den Listen nicht ganz so locker: "Wir müssen unsere Hausarbeiten machen." Denn die Impfreihenfolge müsse in der Öffentlichkeit vorher kommuniziert werden, um Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen.

Offen kommunizieren müsse man auch mögliche Nebenwirkungen der Impfungen. Die seien "nicht gefährlich", könnten aber auftreten. Und er ist sich sicher: "Dann wird es irgendwelche komischen Meldungen geben." In Japan haben Berichte über Nebenwirkungen 2013 dazu geführt, dass die Impf-Quote gegen Gebärmutterhalskrebs von 70 auf 1 Prozent gesunken ist. "Jedes Jahr sterben 600 bis 800 Frauen, die nicht hätten sterben müssen", sagt Yogeswar.

Kein Aufatmen für Masken-Fremdler

Nicht direkt nach der Impfung aufatmen können übrigens alle Masken-Fremdler: Bisher weiß man nicht, ob die Impfungen auch eine Sterilität herbeiführen. Also, ob der Geimpfte Corona nicht doch noch übertragen kann, auch wenn er selbst nicht mehr erkrankt. Solange man das nicht weiß, heißt es weiter Maske tragen, meint Yogeswar.

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Eva Hummers ist Mitglied der Ständigen Impfkommission. bild: screenshot ard

Die Allgemeinmedizinerin Eva Hummers ist Mitglied der Ständigen Impfkommission. Und sie hat nichts von der Geschmeidigkeit erfahrener Talkshow-Gäste. Ihre Antworten klingen manchmal brüsk, dafür meldet sie sich mit dem Zeigefinger, wenn sie etwas sagen möchte. "Kann man noch gar nicht sagen", knallt sie Plasberg entgegen, als er nach einer Prozentschwelle für die Herdenimmunität fragt. Man wisse ja noch nicht mal, ob die Impfung auch eine Weitergabe des Virus verhindere. Nach Nachfrage lässt sie sich zu "deutlich über 60 oder über 80 Prozent" für die Herdenimmunität hinreißen. Sie sieht das Alter als objektives, weil im Personalausweis ablesbares, Kriterium, für die Festlegung der Impfreihenfolge. Für Patienten mit Vorerkrankungen sei eine Bescheinigung des Hausarztes denkbar.

Eine Zuschauerin, die wissen möchte, wann denn die Verkäuferinnen dran seien mit der Impfung, antwortet Hummers, dass Polizei, Feuerwehr, öffentlicher Nahverkehr und die Justiz ja wohl noch davor an der Reihe sind. Aber es sei auch denkbar, dass man "alte Verkäuferinnen" zuerst impft.

Es hat schon eine gewisse Unterhaltsamkeit, wie wenig sie sich in althergebrachten Talkshow-Stanzen verkriecht. Allerdings hat das auch Nachteile. Impfskeptikern etwa spielt sie mit ihrer Offenheit in die Hände. Als Plasberg sie nach der Sicherheit der in Rekordzeit entwickelten Impfung fragt, gibt sie zu:

"Ganz unproblematisch ist es nicht, weil wir die Nachbeobachtungszeiten nicht haben, die wir gerne hätten. Nach sechs Monaten kann man nicht viel sagen. Es ist unsicherer, als es sonst ist, das ist wohl so."

Eva Hummers

Palmer ist schon geimpft

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Boris Palmer gibt sich ganz zahm. bild: screenshot ard

Als Grüner und Waldorfschüler stamme er aus einem seinem "sehr impfkritischen Milieu", sagt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer. Aber er hat sich im August als Proband vom Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac impfen lassen. Möglicherweise hat er, wie in Studien als Gegentest üblich, auch nur ein Placebo bekommen. Palmer, sonst ein Freund von Provokationen, gibt sich an diesem Abend bei Plasberg ganz zahm: Alle wollten doch ihr Leben zurück. "Auch die Querdenker wollen nicht mehr mit Maske herumlaufen." Er will Impfgegner "nicht beschimpfen, sondern werben" und dabei sollte man es dann auch belassen, weil es sonst nur eine Gegenreaktion gebe.

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Gesundheitspsychologin Monika Sieverding denkt, dass es nur wenige, aber laute Impfgegner gibt. bild: screenshot ard

Gesundheitspsychologin Monika Sieverding geht davon aus, dass sich 60-70 Prozent der Deutschen impfen lassen werden. Viele vom Rest würden erstmal abwarten, die Gruppe der eingeschworenen Impfgegner sei hingegen eher "klein und laut". Mehr Männer hätten vor, sich impfen zu lassen, sagt sie. Frauen seien möglicherweise überinformiert und darum unsicherer. Sie glaubt, dass Männer pragmatischer mit dem Problem Corona umgehen würden. Frei nach dem Motto: "Das wollen wir jetzt vom Tisch haben."

Plasberg mit Gender-Seitenhieb gegen Anne Will

Eine ähnliche Haudrauf-Mentalität kann man danach auch beim Talkmaster Plasberg beobachten.

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Frank Plasberg und Brigitte Büscher bild: screenshot ard

"Ein Mann geht jetzt zu einer Frau", kündigt er gegen Ende der Sendung an. Er geht auf "Hart aber fair"-Kollegin Brigitte Büscher zu und fragt sie nach den Reaktionen der "Zuschauerinnen und Zuschauer".

Dann stutzt er kurz und fragt jovial und gespielt ahnungslos: "Oder wie sagt man heute? Ich bin da kein Experte." Brigitte Büscher antwortet ihm "Zuschauer_innen, mit Päuschen dazwischen". Damit meint sie den gesprochenen Gendergap, also eine kurze Pause zwischen den Silben, die verdeutlicht, dass alle Menschen ungeachtet ihres Geschlechts angesprochen sind.

Gutgelaunt schickt Plasberg hinterher: "Klar... Wir sind hier am Montag, nicht am Sonntag." Eindeutig ein unschöner Seitenhieb gegen seine ARD-Talk-Kollegin Anne Will, die am Sonntag durch ihre Sendung führt. Sie hatte den Gendergap Anfang Mai als erste Talkerin eingeführt.

Hier die entsprechende Szene im Video:

Zuschauer empört

Plasbergs Spitze blieb den Zuschauern nicht verborgen – und sie kam längst nicht bei allen gut an. User drückten auf Twitter ihre Empörung aus.

Gegen Corona haben wir wohl bald eine Impfung. Beim Machismus wird es noch lange dauern.

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