Nach einer rassistischen Bemerkung gegen Mistreiterin Linda ist für Janina kein Platz mehr im Dschungelcamp.
Nach einer rassistischen Bemerkung gegen Mistreiterin Linda ist für Janina kein Platz mehr im Dschungelcamp. Bild: RTL
Exklusiv

Rassismus-Experte urteilt nach Dschungelcamp-Eklat: Janina Youssefian hat "noch einen langen Weg vor sich"

26.01.2022, 11:4526.01.2022, 14:31

Die 15. Staffel des Dschungelcamps ist erst wenige Tage alt und schon jetzt überschlagen sich die Ereignisse: Zunächst musste Christin Okpara wegen "Unstimmigkeiten" zu ihrem Impfstatus die Show noch vor Camp-Einzug verlassen, dann fiel Lucas Cordalis wegen einer Corona-Infektion aus. In dieser Woche kam es schließlich auch zu einem Rassismus-Eklat in der Sendung. Ein Streit zwischen Janina Youssefian und Linda Nobat eskalierte und mündete in einem rassistischen Angriff Youssefians: Nobat solle "in den Busch zurück, wo du herkommst!".

Der Sender reagierte prompt und schmiss die 39-Jährige aus der Sendung. Die wiederum entschuldigte sich und ließ später ein Statement auf Instagram folgen. Darin distanzierte sie sich von Rassismus, äußerte aber auch, Linda hätte ebenso die Show verlassen müssen, da sie gleichfalls Beleidigungen ausgeteilt habe.

Der Journalist Mohamed Amjahid ist Autor des Buchs "Der weiße Fleck: Eine Anleitung zu antirassistischem Denken". Gegenüber watson schätzt er die Reaktion von RTL, aber auch die Entschuldigung der jetzt ehemaligen Dschungelcamperin ein.

Dschungelcamp-Eklat: "Rassismus geht gar nicht"

In sozialen Netzwerken haben bereits zahlreiche Fans das prompte Einschreiten des Senders begrüßt, denn damit werde ein klares Zeichen gesetzt. Dem schließt sich auch der Experte an – nicht zuletzt im Hinblick auf die Reichweite des Formats und die Verantwortung der Produzenten. Er meint:

"Rassismus geht gar nicht, in keinem Kontext. Deswegen ist es gut, dass der Sender schnell und konsequent reagiert hat. Das Format erreicht viele Menschen, darunter auch sehr junge Zuschauerinnen und Zuschauer. Rassismus und andere Formen der Diskriminierung dürfen hier und sonst nicht toleriert werden."
Der Streit zwischen Janina und Linda im Dschungelcamp eskalierte.
Der Streit zwischen Janina und Linda im Dschungelcamp eskalierte.bild: rtl

Dabei ist die Entscheidung von RTL aus Sicht Amjahids nicht unbedingt selbstverständlich. "Normalisiert ist ja, dass nach solchen Äußerungen nichts passiert und der Eindruck entsteht, es sei okay, verletzbare Minderheiten damit zu entmenschlichen. Diese Haltung ändert sich mit der Sprechfähigkeit von marginalisierten Gruppen aber langsam", ergänzt der Journalist erklärend. Demnach also wiegen die Konsequenzen für die Reality-Darstellerin im positiven Sinne umso schwerer.

Youssefian selbst gab an, die RTL-Entscheidung zu akzeptieren und fügte noch im selben Post hinzu: "Auch wenn Rassismus nichts im Fernsehen zu suchen hat oder in unsere Gesellschaft gehört, genau so wenig gehören Beleidigungen in so ein Format. Es wäre richtig gewesen uns beide rauszunehmen."

Doch relativiert sie damit nicht ihre eigenen Verfehlungen vor den Kameras? Immerhin teilte zwar auch Linda Nobat ordentlich aus ("Aus deinem dreckigen Mund kommt nur Scheiße raus"), aber eben nicht auf rassistische Art und Weise (Janina Youssefian hat ebenfalls einen Migrationshintergrund). Mohamed Amjahids Einschätzung dazu:

"Die Äußerung, dass auch Linda Nobat vom Sender hätte aus der Sendung ausgeschlossen werden sollen, lässt die Entschuldigung nicht authentisch wirken."

Wir alle seien rassistisch sozialisiert, Ausnahmen gebe es keine – jeder trage entsprechende Vorurteile mit sich herum, führt der Experte aus. Eben diese gelte es zu verlernen, was eine große Herausforderung darstellt. "Es scheint so, dass Janina Youssefian wie viele andere in unserer Gesellschaft noch einen langen Weg vor sich hat", urteilt er in diesem Kontext speziell mit Blick auf die gefeuerte Dschungelcamp-Kandidatin.

Experte erklärt den verbalen Konter von Linda Nobat

Im Zuge des Wortgefechts fiel ein Satz von Nobat auf, der direkt auf Youssefians rassistische Bemerkung fiel: "Du befindest dich auf meinem Territorium im Busch", entgegnete die Ex-"Bachelor"-Teilnehmerin, und machte sich das Wording damit zu eigen.

Linda Nobat wurde durch "Der Bachelor" bekannt.
Linda Nobat wurde durch "Der Bachelor" bekannt.Bild: RTL

Dies allerdings kann keineswegs eine Rechtfertigung für die vorangegangene Bemerkung ihrer Kontrahentin sein und mildert diese auch nicht etwa ab. Amjahid ordnet den Satz ein: "Eine Möglichkeit für von Rassismus betroffene Menschen besteht darin, rassistisches Wording zu übernehmen und umzudeuten. Das wird zum Beispiel häufig im Hip-Hop gemacht. Das ist eine Möglichkeit, sich zu empowern und die Deutungshoheit zu gewinnen."

Der verbale Angriff von Youssefian macht im Dschungelcamp zwar nur eine kurze Szene aus, rechtfertigt aber dennoch die jetzige Diskussion, gibt der Autor auf watson-Anfrage außerdem zu verstehen. "Die Fallhöhe bei Rassismus ist die kontinuierliche Entmenschlichung von Minderheiten. Heute werden Schwarze Menschen verbal beleidigt, morgen werden sie auf dieser Grundlage von Rechtsextremisten getötet. Deswegen gilt: Rassismus hat keinen Platz, auch nicht in so einem Unterhaltungsformat", so Amjahid abschließend.

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