Unterhaltung
Cortex

Moritz Bleibtreu gab nun sein Regiedebüt und spielte in seinem eigenen Film mit. Bild: Warner Bros 2020

Interview

Moritz Bleibtreu spielt Hauptrolle im eigenen Film – weil kein Schauspieler passte

Seichte Unterhaltung ist sicher nicht die erste Umschreibung, die einem in den Sinn kommt, wenn man an Filme mit Moritz Bleibtreu denkt. Der Schauspieler scheut sich nicht vor schwerer Kost. Das hat er nun auch mit seinem Regiedebüt einmal mehr unter Beweis gestellt. Denn der Film "Cortex", für den Moritz Bleibtreu sowohl das Drehbuch geschrieben als auch Regie geführt und auch noch die Hauptrolle übernommen hat, ist definitiv kein Stoff für eine Samstagnachmittagberieselung. Stattdessen kommen einem beim Ansehen immer wieder Fragezeichen in den Kopf.

Watson sprach mit dem Schauspieler über sein Regiedebüt, die Welt der Träume, die in dem Film eine entscheidende Rolle spielt, sowie den großen Fehler, den er schon beim Schreiben des Buchs gemacht hat.

watson: Bei "Cortex" handelt es sich um dein Regiedebüt. Lastete dabei ein besonders hoher Druck auf dir?

Moritz Bleibtreu: Das weiß ich gar nicht. Wenn dann öffne ich mich dem gar nicht so sehr. Ich habe das gemacht, was ich machen wollte und auch genau gewusst, dass ich mir mit der Geschichte vielleicht nicht den gefälligsten Trip antue, sondern mir schon einen komplexen Film auflade. Aber wirklich Druck oder Angst, wie das wahrgenommen wird, hatte ich nicht. Ich freue mich natürlich, wenn Leute den Film mögen, aber wenn nicht, dann ist das für mich auch in Ordnung. Das gehört auch dazu.

Cortex

In "Cortex" spielt Moritz Bleibtreu an der Seite von Nadja Uhl. Bild: Warner Bros 2020

Es war kein leicht zugängliches Thema, wie du schon sagst. Wie bist du darauf gekommen, dich ausgerechnet mit Träumen und Identitätswechseln zu befassen?

Träume sind quasi das ultimative Kino, das wir alle in uns tragen. In dem Moment, wo du einschläfst, geht der Vorhang auf und der Film, den du selber geschrieben hast, aber nicht weißt warum, geht los. Das finde ich schon mal unheimlich faszinierend. Identitätenwechsel sind natürlich etwas, was ich in meinem täglichen Leben ständig durchlebe, weil ich als Schauspieler ständig in die Haut von anderen Menschen schlüpfe und mich versuche, in denen wiederzufinden. Insofern sind das beides, wenn man so will, sehr persönliche Dinge.

Träumst du selbst nachts? Das ist immerhin im Film ein sehr präsentes Thema.

Nicht so wahnsinnig viel beziehungsweise phasenweise. Es gibt Phasen, in denen träume ich mehr, dann wieder welche, da ist es weniger der Fall. Das kommt ganz drauf an. Aber ich bin auch niemand, der angefangen hat Traumtagebuch zu führen und versucht, bestimmte Dinge zu träumen.

Hast du eher Albträume oder gute Träume?

Gute Träume! Albträume habe ich schon lange nicht mehr gehabt – sehr, sehr lange sogar. Da bin ich ganz froh drüber, denn das muss man auch nicht unbedingt haben.

"Es ist wohl auch einfach so, dass man nur von Dingen träumen kann, die einem auch innewohnen."

Wie viel Bedeutung misst du selbst Träumen zu?

Nicht so viel, als dass ich sagen würde, ich richte mein Leben danach aus oder jeden Traum, den ich habe, versuche ich zu deuten. Aber es ist wohl auch einfach so, dass man nur von Dingen träumen kann, die einem auch innewohnen. Aber das gänzlich zu negieren und zu sagen, ach, Träume sind nur der Sperrmüll des Unterbewusstseins, der da einmal durchgespült wird, das alles hat keine Bedeutung, das ist natürlich auch falsch. Es braucht ein gesundes Mittelmaß, dass man sagt, vieles ist vielleicht auch einfach irrwitzig und zufällig, aber vieles ist unter Umständen auch sehr wichtig.

Der Anfang des Films dreht sich um die Schlafstörungen und Träume. Für mich kam der Sprung zum Identitätenwechsel sehr überraschend. Diese beiden Themen so miteinander zu verknüpfen – wie kam es dazu?

Das kann ich eigentlich gar nicht genau sagen. Die Idee war einfach, dass jemand sich so sehr in seiner Traumwelt verliert und in dem anderen Mann, von dem er die ganze Zeit träumt. Das ist die Grundidee gewesen und das wollte ich zu einem Film im Genre Body-Switch machen, der eben nicht wie das Genre im Allgemeinen behandelt wird, nämlich komisch, sondern der sich der Psychologie der Situation widmet und das Ganze als Thriller erzählt. Ich glaube nicht, dass es so wahnsinnig viele Body-Switch-Filme gibt, die keine Komödien sind. Ich glaube, ich bin einer der ersten, der das gemacht hat. Nicht, dass mir das wichtig wäre, aber ich glaube, das war einfach mal eine schöne Idee, sich diesem Genre nicht auf komödiantische Art zu widmen, sondern auf psychologische Art und Weise.

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Auch Jannis Niewöhner (l.) spielt im Film mit. Bild: Warner Bros 2020

"Filme sollen sich ja bestenfalls selbst erklären."

Das Phänomen Träume ist ja etwas total Reales, aber Body-Switch gibts ja nun mal in der Realität nicht. Willst du mit dem Film irgendeine Botschaft ausdrücken?

Eine Botschaft? Nein, Filme sollen sich ja bestenfalls selbst erklären. Ich habe den Film nicht gemacht, damit etwas bei den Zuschauern ankommt oder um eine Botschaft zu verbreiten. Es war eigentlich nur die Idee, einen möglichst spannenden Film zu machen, der die Leute fesselt und im besten Fall überrascht.

Du sagtest zu dem Film bereits, dass dich der Gedanke 'Was wäre, wenn die Vorstellung, jemand anderes zu sein, Wirklichkeit wird?' gereizt hat. Wer würdest du selbst gerne anderes sein?

Ich habe das große Glück ein Leben zu führen, in dem ich mich wirklich nicht so wahnsinnig von mir weg wünsche, sondern echt total glücklich damit bin, wer ich bin. Aber wenn ich es müsste, dann würde ich mich für meinen Kater entscheiden. Mit dem würde ich für ein paar Tage durchaus gerne mal tauschen. Ansonsten bleibe ich lieber ich selbst.

 Moritz Bleibtreu bei der Premiere des Kinofilms Cortex auf dem 28. Filmfest Hamburg 2020 im Cinemaxx Dammtor. Hamburg, 25.09.2020 *** Moritz Bleibtreu at the premiere of the feature film Cortex at the 28 Filmfest Hamburg 2020 at Cinemaxx Dammtor Hamburg, 25 09 2020 Foto:xC.xTamckex/xFuturexImage

Moritz Bleibtreu ist mit sich selbst zufrieden. Bild: imago images/Future Image

"Ich habe das nicht geschrieben, um es selbst zu spielen – im Gegenteil."

Wenn man die Hauptrolle spielt und gleichzeitig Regie führt. Ist das besonders schwierig?

Das ist schon eher kompliziert. Es ist auch so, dass ich das eigentlich gar nicht wollte. Ich habe das nicht geschrieben, um es selbst zu spielen – im Gegenteil. Ich habe lange, lange gesucht. Erst nachdem ich lange gecastet habe und gemerkt habe, ich finde keinen, bei dem es so richtig Klick macht, habe ich mich dann dazu entschließen müssen, es selbst zu spielen. Es ist somit aus der Not geboren, weil wir einfach drehen mussten. Denn sonst hätte ich den Film verschieben müssen und das wollte ich natürlich nicht.

Und was bedeutete das dann für die Arbeit am Film?

In dem Moment war mir klar, dass ich jemanden an der Kamera brauche, bei dem ich mich wirklich auch fallenlassen kann und so fiel dann die Entscheidung auf Thomas W. Kiennast. Denn er ist so ein kompletter Filmemacher und hat so viel Erfahrung, dass für mich klar war, wenn ich spiele, führt er Regie. Und so habe ich es auch gemacht. Die Sachen, die ich selbst gespielt habe, habe ich auch gar nicht mehr groß überprüft oder nochmal gecheckt, sondern es komplett Thomas überlassen.

Wie hätte in deinen Augen der perfekte Schauspieler für die Rolle sein sollen? Was war da dein Anspruch?

Keine Ahnung. Ich habe den großen Fehler gemacht, dass ich das Buch eben nicht mit einem Kollegen im Kopf geschrieben hab, was ich ab jetzt tun werde. Denn in meinem Kopf war die Figur einfach ganz anders. Ich hatte eine Bryan-Cranston-mäßige Figur in meinem Kopf, einen eher "durchsichtigen" Menschen, aber das hat sich so nicht realisieren lassen.

"Ich würde sehr gerne weiter schreiben und weiter Regie führen."

Kann man von dir weitere Regie- oder Drehbucharbeiten erwarten?

Ich hoffe das! Wenn genug Interesse vorhanden ist, sich den Kram anzugucken, den ich mir da ausdenke, dann hoffe ich das sehr. Ja, ich würde sehr gerne weiter schreiben und weiter Regie führen.

Wurden die Dreharbeiten vom Film eigentlich in irgendeiner Weise schon von Corona beeinflusst?

Nein, zum Glück nicht. Wir haben bereits Anfang letzten Jahres gedreht. Aber natürlich hätten wir uns eine richtige Premiere gewünscht. Aber es ist, wie es ist.

Hat dich die Pandemie als Schauspieler getroffen?

Nicht anders als jeden Menschen auf dieser Welt. Ich denke, es gibt keinen Menschen momentan, der davon nicht beeinflusst wäre. Leider.

"Cortex" von und mit Moritz Bleibtreu läuft ab dem 22. Oktober in den deutschen Kinos.

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