American director James Gray speaks after receiving a career tribute trophy from during the 19th Marrakech International Film Festival in Marrakech, Morocco, Saturday, Nov. 12, 2022. (AP Photo)
Regisseur James Gray bringt mit "Zeiten des Umbruchs" seinen neuen Film an den Start – auf den auch Donald Trump Einfluss hatte.Bild: AP
Interview

"Zeiten des Umbruchs"-Regisseur wettert gegen Ex-US-Präsident: "Ich sehe Trump als amerikanischen Mussolini"

24.11.2022, 12:56

Mit "Zeiten des Umbruchs" hat Star-Regisseur James Gray ("Ad Astra") seinen bisher persönlichsten Film geschaffen: Die Geschichte basiert auf der eigenen Kindheit des 53-Jährigen. Im Mittelpunkt steht der Besuch einer Privatschule in Queens, die von Donald Trumps Vater Fred begründet wurde. Wie Gray wurde hier auch der Ex-US-Präsident Trump ausgebildet. Es ist eine Schule für die spätere Elite des Landes, in der viel Wert auf Disziplin gelegt wird – und deren Besuch bei Weitem nicht jedem vergönnt ist. So kommen bei "Zeiten des Umbruchs" auch Themen wie systemimmanenter Rassismus auf den Tisch.

Im Interview mit watson verrät James Gray, welchen Einfluss Donald Trump auf seinen neuen Kinofilm hatte – und was an der Zusammenarbeit mit Anthony Hopkins so besonders ist.

watson: Vor Drehstart von "Zeiten des Umbruchs" mussten immer wieder große Stars ersetzt werden. Cate Blanchett, Robert De Niro und Oscar Isaac sprangen wieder ab. Hattest du Angst, den Film gar nicht fertigstellen zu können?

James Gray: Natürlich, deswegen bist du immer besorgt. Hier kam dann auch noch die Corona-Pandemie hinzu, die einiges erschwert hat. Kinostarts wurden verschoben, es wurde verrückt. Es war wirklich schwierig, die Drehs so zu koordinieren, dass jeder Zeit hatte. Für gewöhnlich endet es damit, dass man für jede Rolle die richtige Person hat. Trotzdem schätze ich mich sehr glücklich darüber, wie sich alles gefügt hat. Gerade in Zeiten von Corona macht man sich große Sorgen. Ich habe mich öfters gefragt: Wann werde ich das hier wieder machen können?

"In gewisser Hinsicht lässt sich mit jüngeren Schauspielern besser arbeiten."

Der Cast von "Zeiten des Umbruchs" ist eine spannende Mischung aus jungen Darstellern und etablierten Superstars. Gehst du die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen am Set anders an?

Speziell bei diesem Film war es anders, ja. In gewisser Hinsicht lässt sich mit jüngeren Schauspielern besser arbeiten. Bei erfahrenen Stars ist es oft so: Man fragt sie, was sie machen wollen und sie antworten: "Was soll ich denn machen?" Dann gibt man ihnen konkrete Anweisungen und sie sagen dir: "Nein, das will ich nicht tun." Und so geht es dann hin und her.

Jaylin Webb und Banks Repeta sind die jungen Stars des Films.
Jaylin Webb und Banks Repeta sind die jungen Stars des Films.Bild: Universal Pictures International Germany GmbH

Und wie läuft es bei den jüngeren Schauspielern?

Einem Kind sagt man einfach: "Du gehst von hier nach da und dann sagst du deine Zeile." Und sie tun es! Sie sagen die Zeile genau so, wie es ihnen vorgegeben wurde. Bei Erwachsenen funktioniert das so nicht. Die würden mir direkt ins Gesicht schlagen, wenn ich ihnen die Zeile erst noch einmal vorlese. Insoweit sind Kinder am Set zwar nicht unbedingt besser, aber man kann mit ihnen leichter arbeiten.

"Ich sehe Trump als einen amerikanischen Mussolini."

Der größte Star des Films ist wahrscheinlich Anthony Hopkins. Wie war die Zusammenarbeit speziell mit ihm?

Wir reden immer noch andauernd miteinander, erst heute Morgen haben wir uns per Mail geschrieben. Der Mann ist eine Naturgewalt. Diesen Menschen gibt es kein zweites Mal. Wenn man eine Szene mit ihm dreht, bekommt sie eine ganz neue Bedeutung. Es ist, als könne man direkt durch seine Augen hindurch in seine Seele schauen. Mit ihm zu arbeiten, war sehr einfach, denn er ist so geschickt, dass man ihm nur simple Anweisungen geben muss – und das auch nicht, weil man sonst nicht mag, was er tut, sondern, weil er dann plötzlich nochmal eine neue Facette einbringt, die man nicht erwartet hatte. Es ist also sehr bereichernd, mit ihm zu arbeiten.

Anthony Hopkins spielt den Großvater des jungen Protagonisten.
Anthony Hopkins spielt den Großvater des jungen Protagonisten.bild: Universal Pictures International Germany GmbH

"Zeiten des Umbruchs" ist autobiografisch geprägt, die Geschichte von deiner eigenen Kindheit inspiriert. Hat daneben auch die Präsidentschaft Donald Trumps den Film beeinflusst?

Es ist unmöglich, die Präsidentschaft dieses Mannes zu vergessen. Es war wie ein schlechter Scherz, der sich über mehr als tausend Tage hinweg immer wiederholt hat. Ich hoffe, das passiert nicht wieder. Als Trump Präsident wurde, dachte ich viel über den Fellini-Film "Amarcord" nach und über die Verwendung, die der Regisseur darin für Benito Mussolini hat. In dem Film rufen alle Schüler begeistert "Duce, Duce!" (Anm. d. Red.: Bezeichnung für den faschistischen Diktator Mussolini), als Mussolini ihre Stadt besucht. Das ist dann eine Art Leitfaden für mich geworden – denn ich sehe Trump als einen amerikanischen Mussolini.

"Ich habe Latein gelernt und las Literatur aus dem antiken Griechenland. Man kann sich kaum vorstellen, wie wichtig so etwas für die Bildung einer Person ist, die Künstler werden möchte."

Gibt es denn trotzdem auch positive Aspekte, die du von deinem Besuch der Privatschule mitgenommen hast?

Das ist eine großartige Frage. Ja, es gab extrem positive Effekte. Man möchte ja eigentlich annehmen, dass einen das nirgendwo hinführt, aber in meinem Fall stimmt das nicht. Ich habe Latein gelernt und las Literatur aus dem antiken Griechenland. Man kann sich kaum vorstellen, wie wichtig so etwas für die Bildung einer Person ist, die einmal Künstler in der westlichen Welt werden möchte. Es ist der Kern dessen, was man wissen muss.

Die Hauptfigur Paul Graff wird in "Zeiten des Umbruchs" gegen ihren Willen von ihren Eltern auf eine Privatschule geschickt.
Die Hauptfigur Paul Graff wird in "Zeiten des Umbruchs" gegen ihren Willen von ihren Eltern auf eine Privatschule geschickt.bild: Universal Pictures International Germany GmbH

Wie sieht es in Sachen Bildung bei deinen eigenen Kindern aus?

Obwohl sie eine sehr gute Schule besuchen, müssen sie kein Latein lernen. Würden sie es tun, wäre das aber großartig.

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