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Omid Nouripour wirbt für Empathie mit den Opfern in Israel und Gaza. Bild: screenshot zdf

Grünen-Politiker fordert mit bewegender Story auf, Antisemitismus zu bekämpfen

maik mosheim

Der Nahost-Konflikt, die Raketenangriffe der Hamas und der Antisemitismus in Deutschland. Das alles mischt sich am Mittwochabend bei "Markus Lanz" zu einer politisch aufgeladenen Talkrunde. Der andauernde gewaltsame Konflikt zwischen der Terrororganisation Hamas im Gazastreifen und Israel ist längst auch in Deutschland angekommen und drückt sich hierzulande unter anderem in den Demonstrationen aus, die in unbeschreiblichen Szenen des Judenhasses endeten.

In der Sendung zu Gast waren:

"Antisemitismus war in der Gesellschaft niemals weg", sagt Anna Staroselski. Für sie ist es eine Ausrede, wenn bei den antisemitischen Parolen von Kritik an der Politik Israels gesprochen wird:

"Das ist reiner Judenhass und das hat absolut nichts mit Israel-Kritik zu tun."

Anna Staroselski

Aus ihrem Eingangsstatement entwickelt sich schnell eine Debatte darüber, wie man am sinnvollsten und klarsten gegen die schrecklichen Bilder Stellung beziehen sollte und was unternommen werden müsste, um so etwas in Zukunft zu verhindern.

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Anna Staroselski beschreibt, wie sie die antisemitischen Proteste wahrgenommen hat. Bild: screenshot zdf

Journalist Christoph Schwennicke hat dazu einen aktuellen, wenngleich ernüchternden Vergleich parat:

"Wir können in Problemviertel fahren mit dem Impfbus und da gegen Corona impfen, aber es gibt keinen Bus, mit dem man in Ballungszentren fahren und gegen Antisemitismus impfen könnte."

Christoph Schwennicke

Der Grüne, der sich für seine Parteichefin rechtfertigen muss

Leider nicht. Der ehemalige Vorsitzende der Jungsozialisten (Jusos), der Jugendorganisation der SPD, Kevin Kühnert, beschreibt, dass es zumindest in seinem "linken Umfeld" kein Problem der klaren Positionierung sei, sondern vielmehr ein Gefühl der Angst, in ein "falsches Horn zu blasen". Was er meint ist, dass man die Sorge habe, für klare Stimmen gegen muslimischen Antisemitismus Applaus von Menschen zu bekommen, von denen man keinen Applaus haben wolle – vor allem antimuslimische Rassisten in Deutschland.

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Kevin Kühnert, heute stellvertretender SPD-Chef. Bild: screenshot zdf

Mit Omid Nouripour ist ein außenpolitischer Experte der Grünen in der Runde zu Gast. Während er zu Beginn mit seinem deutlichen Statement gegen den Antisemitismus in Deutschland noch für Kopfnicken bei den anderen Teilnehmern sorgt, gerät er später in die Kritik. Allerdings nicht wegen einer seiner eigenen Aussagen, sondern wegen der zunächst uneindeutigen Positionierung der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die in ihrem ersten Tweet zu den Raketenanschlägen der Hamas von einer "Gewaltspirale" gesprochen hatte. Anna Staroselski und Journalist Schwennicke kritisieren das erneut deutlich, Nouripour verteidigt sich: "Das ist nicht passiert", sagt er und verweist auf die im Baerbock-Tweet angehängte Pressemitteilung.

Nouripours Kindheit: Ein beklemmendes Gefühl des Hasses

Die Diskussion verläuft sich dann aber schnell in einer anderen Bahn und schwankt in der Folgezeit zwischen Deutschland, der Weltpolitik und den außenpolitischen Tücken, denen Bundesaußenminister Heiko Maas ausgesetzt ist, hin und her. Bis sie dann wieder bei Omid Nouripour und seiner Geschichte ankommt. Er ist Muslim, kam mit 13 mit seiner Familie aus dem Iran nach Deutschland. Zuvor wurde er aber in einer iranischen Schule auf Israel-Hass getrimmt.

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Omid Nouripour erzählt von seiner Kindheit im Iran. Bild: screenshot zdf

Seine Schilderung der Schulzeit ist beklemmend und bewegend, er sei dort jeden Tag mit Parolen des Hasses darauf vorbereitet worden, später gegen den Irak und irgendwann dann auch gegen Israel zu kämpfen. Seine Eltern hätten das irgendwann nicht mehr ausgehalten, sein Onkel sei wegen regimekritischem Verhalten hingerichtet worden. Erst in Deutschland habe er dann gelernt, was der Holocaust ist. Aus seiner Kindheit hat er eine Erkenntnis mitgenommen, die gleichzeitig eine Frage ist: "Wie kriegen wir den Judenhass aus den Köpfen der Menschen, die aus den Staaten kommen, in denen dieser Bullshit (der Antisemitismus) erzählt wird? Bei mir hat es geklappt, dann klappt es auch bei anderen."

"Wir dürfen das Gefühl für die Kinder nicht verlieren"

Aber: Die Demonstrationen in Deutschland der letzten Tage haben gezeigt, dass in einigen Köpfen weiterhin ausgeprägter Judenhass besteht. Und er äußert sich momentan in der Öffentlichkeit und auf der Straße.

Nouripour hat neben seiner emotionalen Geschichte aber auch noch einen Appell bezüglich der Opfer des Raketenbeschusses der Hamas und der Verteidigung Israels – und zwar für Opfer auf beiden Seiten:

"Wir dürfen das Gefühl für die Kinder nicht verlieren. Es gibt zu viele Leute, die versuchen, uns die Empathie auszutreiben. Es gab eine traurige Geschichte von einem Kind, das sich auf seinen Bruder geworfen hat und dann von Splittern getötet wurde. Aber es hat so seinen Bruder gerettet."

Omid Nouripour

Gerade wegen solcher Geschichten dürfe man die Empathie für die getöteten Menschen niemals verlieren, fordert der Grünen-Politiker.

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Die Runde mit Moderator Markus Lanz. Bild: screenshot zdf

Am Ende der Sendung ist es dann der Iran, der als Thema aufkommt. Dort finden am 18. Juni Präsidentschaftswahlen statt und Nouripour zufolge gebe es eine große Zahl an Menschen, die sich eine nukleare Bewaffnung des Landes wünschen, um damit am Ende in erster Linie Israel anzugreifen. Israel hat allerdings gerade einmal die "Maße von Hessen", wie Kevin Kühnert veranschaulicht. Und so schließt die Runde mit einem dystopischen Ausblick darauf, was passieren würde, wenn Iran Israel mit Atomwaffen angreift – "Doomsday", wie es Omid Nouripour bezeichnet, denn dann würden nicht nur Israelis, sondern auch die Menschen im Gazastreifen kein Land mehr zum Leben haben.

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