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Karl Dall ist tot. Bild: dpa / Jörg Carstensen

Karl Dall ist tot: Komiker im Alter von 79 Jahren gestorben

Der Komiker und Schauspieler Karl Dall ist tot. Er starb am Montag im Alter von 79 Jahren, wie seine Familie der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Dall habe sich von einem Schlaganfall, den er vor zwölf Tagen erlitten hatte, nicht mehr erholt. "Trotz Einsatz aller technologischen und intensivmedizinischen Maßnahmen ist er heute friedlich eingeschlafen, ohne vorher noch einmal das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Er hinterlässt eine Ehefrau, Tochter und Enkelin", hieß es in dem Schreiben der Familie. "Er war nicht nur ein beliebter Komiker und Entertainer, sondern vor allem ein außergewöhnlich liebenswerter und netter Mensch."

Dall hatte seit Anfang November die Rolle des Alt-Rockstars Richie Sky in der täglichen ARD-Serie "Rote Rosen" übernommen. In Lüneburg, wo die Telenovela gedreht wird, erlitt er dann am 11. November einen Schlaganfall mit Hirnblutungen.

Hängendes Schlupflid, große Klappe und immer einen Kalauer parat: Mit schrägem Humor hatte Dall die Showwelt erobert. "Auge zu und durch" nannte er seine Autobiografie - und genau das dürften sich auch oft die prominenten Gäste seiner Talkshows wie "Dall-As" gesagt haben, wenn der TV-Humorist sie mal wieder rotzig provozierte und ordentlich austeilte. Erst sei er damit nicht beachtet, später verrissen und schließlich zum Kult erklärt worden, fasste er es selbst einmal zusammen. "Jeder wollte mal mit Dall am Tisch sitzen und sich verarschen lassen - wer da nicht dabei gewesen war, gehörte nicht in die Showbranche."

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Karl Dall in früheren Zeiten. Bild: imago images / APress

Der nach seinem Kollegen Otto Waalkes - wie er in Emden geboren - berühmteste Ostfriesen-Komiker feierte Erfolge auf der Bühne und im Fernsehen. Dabei sah es nach einer solchen Karriere bei ihm lange nicht aus. Einen Beamten wollten die Eltern aus ihm machen, das Lehrerkind selbst sah sich als Fotograf oder Kameramann. Nach dem vermasselten Schulabgang - in der zehnten Klasse brach er ab - platzten elterliche und eigene Träume. Dafür war er als Klassenclown bekannt: "Komisch fand ich mich nicht, aber alle haben über mich gelacht", erzählte er später mal.

Als Kind gehänselt

Er, der als Kind wegen seiner Lidmuskelschwäche gehänselt wurde, machte das Beste daraus - und wurde Berufskomiker. Nach einer Schriftsetzer-Lehre und Gelegenheitsjobs traf er auf Liedermacher Ingo Insterburg, 1967 schlug die Geburtsstunde für die humoristisch-anarchistische Gruppe Insterburg & Co ("Ich liebte ein Mädchen"), die schnell zum Geheimtipp in der Studentenszene wurde.

Bevor die Blödel-Truppe Ende der 70er auseinanderging, hatte Dall Kontakte zum Fernsehen geknüpft. Er brachte den "Musikladen" mit auf den Bildschirm, assistierte bei Rudi Carrells "Am laufenden Band" und spielte in "Verstehen Sie Spaß?" Telefonstreiche.

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Karl Dall 1973. Bild: imago images / imago stock&people

Dall provozierte und polarisierte gern

Mit Blödelschlagern schaffte Dall es sogar in die Charts ("Diese Scheibe ist ein Hit", "Millionen Frauen lieben mich"). Als Schauspieler stand er für zahlreiche Produktionen vor der Kamera, darunter viele Komödien. Die Erotikkomödie "Sunshine Reggae auf Ibiza" (1983) etwa, in der er die Hauptrolle hatte, erntete vernichtende Kritiken. Dall probierte auf seiner ungewöhnlichen Laufbahn vieles aus, provozierte und polarisierte gern. Seine Karriere brachte der Blödelbarde vor allem Mitte der 80er Jahre mit dem Einstieg beim frisch gegründeten Privatsender RTL auf Touren.

Fernsehgeschichte schrieb 1992 sein spektakulärer Wechsel zu Sat.1 ("Jux und Dallerei") - bis dahin die prominenteste Personalie im Konkurrenzkampf der beiden Privatsender.

 Jux und Dallerei, Comedy-Talkshow, Deutschland 1992, Uwe Ochsenknecht mit Moderator Karl Dall Copyright: KPA Nur redaktionelle Nutzung. Editorial usage only. UnitedArchives55001949 ACHTUNG AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT

"Jux und Dallerei" im Jahr 1992: Uwe Ochsenknecht mit Moderator Karl Dall. Bild: imago images / United Archives

"Bei RTL habe ich mir die Sporen verdient, bei Sat.1 die Mäuse", resümierte er später. Doch 1995 kehrte Dall zu RTL zurück, moderierte etwa "Karls Kneipe" und wirkte in Rudi Carrells Show "7 Tage - 7 Köpfe" mit. Später war er nur noch selten auf dem Bildschirm zu sehen, zuletzt unter anderem bei Tele 5 in "OGOT - Old Guys On Tour".

"An eine neue TV-Karriere glaube ich zwar nicht mehr, aber ich würde gern noch einmal zeigen, was ich draufhabe", sagte er kurz vor seinem 76. Geburtstag.

"Nur es ist doch so, dass außer Dieter Hallervorden, der es beneidenswert aus der Blödelecke heraus geschafft hat, kaum jemand von uns alten Komikern diese Chance bekommt."

Karl Dall

Karl Dall hatte sich derweil auch von der Tourbühne verabschiedet, wo er zuvor mit dem Programm "Der alte Mann will noch mehr" stand. Und zuletzt stand er wieder vor der Kamera: Erst Anfang November übernahm er eine Rolle für die ARD-Serie "Rote Rosen" - doch nur nach wenigen Tagen erlitt er den Schlaganfall.

Dschungelcamp-Angebot abgelehnt: "Lieber würde ich Klos putzen"

Er selbst habe Angebote für "Promi Big Brother" und das TV-Dschungelcamp erhalten - "in der Hoffnung, dass ich da die Hosen runterlasse", erzählte Dall vor einigen Jahren. "Aber auch wenn mir eine irre Kohle dafür angeboten wurde, lieber würde ich Klos putzen. Nicht zuletzt hat meine Frau gedroht mich zu verlassen, sollte ich jemals an so etwas teilnehmen." Das Paar hatte 1971 geheiratet und bekam Tochter Janina, die als Stuntfrau für Aufsehen sorgte.

 Karl Dall und seine Ehefrau Barbara bei der Die Welt der Wunderlichs Film Premiere am 12.10.2016 in Berlin Die Welt der Wunderlichs Filmpremiere in Berlin, 2016 PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY

Karl Dall und seine Ehefrau Barbara im Jahr 2016. Bild: imago images / APress

Im Showgeschäft vermisse er sperrige Typen, sagte Dall vor seiner Bühnenpremiere als "Der Opa" (2012), die seien ihm lieber als "diese angepassten, ewig schleimenden Menschen, die nur einen guten Eindruck machen wollen". Davon war der stets polarisierende Humorist selbst weit entfernt.

"Stolz bin ich darauf, was für ein verdammtes Glück ich hatte, mich in dieser Branche so behaupten zu können", sagte der für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Comedypreis geehrte Komiker mal. "Weniger stolz bin ich auf meine nicht geschafften Schulabschlüsse - darin bin ich kein Vorbild. Aber man kann eben nicht alles haben." Und auch wenn er die Tourneen nach 50 Jahren einstellte - zur Ruhe setzen wollte er sich nicht, schrieb er auf seiner Homepage. "Ein Abschied? Nein, kein Ende in Sicht!"

(hau/dpa)

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