Lijana Kaggwa zieht gegen "GNTM" in den Kampf.
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"GNTM"-Kritik: Ex-Kandidatin Lijana Kaggwa mit erstem Erfolg gegen Klum-Klage

12.07.2022, 09:15

Vor dem diesjährigen Finale von "Germany's next Topmodel" sorgte Ex-Kandidatin Lijana Kaggwa für großes Aufsehen. In einem Youtube-Video erhob sie schwere Vorwürfe gegen die Model-Castingshow von ProSieben. In einem fast halbstündigen Beitrag auf Youtube erhob das Model schwere Vorwürfe: Sie prangerte die Produktionsfirma der Show an und sprach von Manipulation und psychischer Gewalt. Anschließend meldete sich noch die frühere Modelanwärterinnen Nathalie Volk und Neele Bronst zu Wort und übten ebenfalls Kritik.

Diese Vorwürfe wollte ProSieben so nicht stehen lassen und ging gegen Lijana vor. Das Model sollte eine Unterlassungserklärung von der Produktion unterschreiben. Außerdem wurde sie dazu aufgefordert, ihre Videos, die Vorwürfe gegen die Show beinhalten, zu löschen. Doch Lijana widersetzte sich diesen Forderungen, die Macher der Show verklagten sie und der Fall landete vor Gericht. Diese Woche wurde nun ein Urteil gesprochen – und Lijana kann einen Teilerfolg verbuchen.

Lijana Kaggwa: Das darf sie noch sagen, das nicht

In der Unterlassungserklärung, die die verantwortlichen Produktionsfirma Seven One Entertainment GmbH gegen Lijana gestellt hatte, beanstandete Seven One fünf Stellen aus dem Video als unwahr und geschäftsschädigend. Das Landgericht Hamburg hat, laut "Süddeutsche Zeitung", den Machern der Show in drei von fünf Punkten recht gegeben. In zwei Punkten bekam Lijana recht.

Laut Beschluss darf Lijana nicht mehr behaupten, dass die Teilnehmerinnen in der Model-Villa nur einmal wöchentlich eine Einkaufsliste für Lebensmittel verfassen durften. Außerdem nicht mehr behaupten darf sie, dass die Füße einzelner Kandidatinnen vor einem Walk eingecremt worden seien. Ihr Vorwurf lautete in diesem Zusammenhang, dass man einzelne Model-Anwärterinnen zum Stürzen bringen wollte.

Allerdings darf Lijana weiter erzählen, dass bei den Dreharbeiten für "GNTM" "ganze Handlungen vorgeschrieben" werden. Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass "dies im allgemeinen Verständnis nicht nur die Vorgabe von Dialogen umfasse, sondern das Einwirken auf das gesamte Verhalten der Teilnehmerinnen zum Zwecke der filmischen Verwertung." Lijana Kaggwas Anwalt Simon Bergmann von der Berliner Kanzlei Schertz Bergmann sagte dazu:

"Wer das Format gesehen hat, musste sie für unsympathisch halten. Wenn man weiß, wie das zustande kam, muss man das neu bewerten."

Weiter berichtet die "SZ", dass das Gericht in der ersten Verfügung die vertraglich vereinbarte "umfassende und zeitlich unbefristete" Schweigepflicht, die Kandidatinnen unterschreiben müssen, als unwirksam eingeschätzt hatte. Gerichtsakten, die der SZ vorliegen, dokumentieren außerdem, dass die Verantwortlichen den Vorwurf, die 25-Jährige habe mit ihrem Video gegen die Geheimhaltungsklausel verstoßen, im späteren Verfahren fallen gelassen habe.

SevenOne gibt Statement zum Beschluss ab

Auf Nachfrage von "SZ" äußert sie SevenOne zu dem Urteil. Die Produktionsfirma stellt klar, dass man Lijana Kaggwa wirtschaftlich unterstützt, psychologisch beraten und betreut hätte. Außerdem hätte sie den Wettbewerb jederzeit beenden können, was sie nicht getan hätte. Und weiter heißt es in dem Statement, dass es kein Geheimnis sei, dass die Teilnehmerinnen während ihrer Reisen ohne Smartphone leben müssten, sondern das sei "Jahr für Jahr Bestandteil der 'GNTM'-Sendungen".

Damit ist der Kampf zwischen Lijana und "GNTM" aber nicht vorbei. Laut "Süddeutsche Zeitung" hat Seven One inzwischen ein zweites Verfahren gegen weitere Vorwürfe gegen das Model eingeleitet. Trotzdem zieht Lijana Anwalt nach dem ersten Beschluss ein positives Fazit: Der Versuch des Senders und der Produzentin, "die Kernpunkte der Kritik am Format und den Produktionsbedingungen gerichtlich verbieten zu lassen", sei "vorerst als gescheitert anzusehen."

(swi)

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