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Dragqueen Conchita Wurst siegte 2014 beim ESC und wurde zur Symbolfigur für Offenheit und Toleranz Bild: imago images / ZUMA Press

ESC zu "schwul"? Was hinter Ungarns Absage stecken soll

Im kommenden Jahr findet der 65. Eurovision Song Contest (ESC) in Rotterdam statt – das Ungarn fehlen wird, ist schon länger bekannt. Das Land machte bisher keine Angaben zur Absage, durch einen Insider werden jetzt aber Spekulationen darüber laut, welcher Grund dahinter stecken könnte. Und der passt absolut nicht zum Motto "Open Up" des kommenden Wettbewerbs.

Informant berichtet über homophobe Beweggründe

Die britische Zeitung "The Guardian“ berichtet, dass homophobe Gründe der Auslöser für Ungarns ESC-Absage seien. Der Guardian beruft sich auf eine Quelle innerhalb des ungarischen TV-Senders MTVA, der in den vergangenen Jahren etwa für die Castings der ungarischen ESC-Kandidaten zuständig war.

Der Insider sagte gegenüber dem Guardian, dass intern keine Gründe für die ESC-Absage genannt wurden, die Mitarbeiter aber annehmen, dass der ungarischen Regierung die Verbindung des Wettbewerbs zur LGBTQ-Kultur nicht passe. Innerhalb des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders MTVA sei es grundsätzlich nicht gern gesehen, wenn positiv über LGBTQ-Rechte berichtet werde, erzählt der Informant dem Guardian.

Auf Nachfrage des "Guardian" erklärte MTVA in einer E-Mail:

"Anstatt am Eurovision Song Contest 2020 teilzunehmen, werden wir dieses Jahr die wertvollen Produktionen, die von Talenten der ungarischen Popmusik geschaffen worden sind, direkt fördern."

MTVA gegenüber dem "Guardian"

Spekulationen verhärten sich

Doch trotz dieser offiziellen Erklärung scheint vieles für die homophoben Vorwürfe zu sprechen, wie der "Guardian" berichtet. Bereits zuvor seien auf der ungarischen Website index.hu anonyme Quellen aus regierungsnahen Medien zitiert wurden, die den Grund für die ESC-Absage darin sehen, dass der Wettbewerb "zu schwul" sei.

Der Sprecher von Ministerpräsident Viktor Orbán, Zoltán Kovács, dementierte diese Vorwürfe von index.hu auf Twitter und nannte sie "Fake News". Einen anderen Grund für die Absage nannte er allerdings auch nicht.

Homophobe Rethorik in Ungarn

Der "Guardian" ordnet die ESC-Absage in die zunehmend homophobe Ausrichtung der Regierung rund um Ministerpräsidenten Viktor Orbán ein. Die von ihm gestartet "family first"-Rhetorik ziele darauf ab, ausschließlich das traditionelle Familienbild zu stärken und die Geburtenrate zu erhöhen, heißt es in dem Bericht.

Ein Abgeordneter von Orbáns Partei "Fidesz" habe erst kürzlich einen Boykott der Marke Coca-Cola gefordert, nachdem sie in einer Werbekampagne ein schwules Pärchen gezeigt hatte. Im August hatte Fidesz-Gründungsmitglied László Kövér zudem die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren mit Pädophilie verglichen.

Motto des ESC 2020: "Open Up"

Vor diesem Hintergrund erscheint es allzu ironisch, dass das Motto des kommenden ESC in Rotterdam "Open Up" ist. Auf der offiziellen ESC-Website heißt es, dass dies der perfekte Slogan sei, da der Contest schon immer für die traditionellen Werte der Inklusion und Vielfalt durch Musik stehe. Diesen solle nun im kommenden Jahr ein weiterer Wert offiziell hinzuaddiert werden: Offenheit.

(js)

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