Am Sonntag gab es ein weiteres "Stern TV"-Spezial.
Am Sonntag gab es ein weiteres "Stern TV"-Spezial.Bild: RTL screenshot

Frauke Ludowig geht Klima-Aktivist bei "Stern TV" an: "Sie sind kein Vorbild"

08.02.2022, 14:26

Am Sonntagabend zeigte RTL eine weitere Sonderausgabe von "Stern TV", die von Frauke Ludowig und Nikolaus Blome moderiert wurde. Im Zentrum standen diverse aktuelle Themen – mit ihren Gästen Nelson Müller, Elena Uhlig und Joachim Llambi diskutierten die Moderatoren über Gewalt gegen die Polizei und Sprach-Sensibilität – letzteres im Lichte der jüngsten Disney-Entscheidung, die Neuauflage von "Schneewittchen" nicht in der bisherigen Form mit den sieben Zwergen zu besetzen.

Besonders hitzig wurde es beim Konfrontationsformat "Der Heiße Stuhl", dem sich diesmal der Klimaschützer Tadzio Müller stellte. Er beharrte darauf, dass Sachbeschädigung ein legitimes Mittel im Zuge von Klimaprotesten sein kann – und erfuhr dafür starken Gegenwind.

"Stern TV": Klimaschützer auf dem "Heißen Stuhl"

"Die Klimakrise ist Gewalt, deswegen ist friedliche Sabotage legitime Notwehr", meint Müller im Einspieler, und Blome provoziert ihn gleich zu Beginn: "Friedliche Sabotage, das gibt es nicht, seien wir ehrlich, oder?" Als Antwort nennt der Aktivist den Zyklon auf Madagaskar, der erst am Morgen sechs Menschen getötet habe sowie die Flutkatastrophe im Ahrtal, bei der 134 Personen gestorben sind. Über diese Gewalt müsse man reden.

Tadzio Müller hatte einen schweren Stand im Studio.
Tadzio Müller hatte einen schweren Stand im Studio.Bild: RTL screenshot

Im Anschluss definiert er, was mit "friedlicher Sabotage" eigentlich genau gemeint ist: "Friedliche Sabotage sind Aktionen, bei denen Menschen zum Beispiel Kohlebagger oder Gerätschaften, die ein Gaskraftwerk bauen, fachgerecht außer Stand setzen und dabei zuallererst peinlich genau darauf achten, dass keine Menschen zu Schaden kommen, und, sollte eine Möglichkeit bestehen, dass das passiert, wird die Aktion abgeblasen."

Damit ist Blome gar nicht einverstanden. Er deutet an, dass Fahrzeuge sehr oft einen hohen Wert für ihre Besitzer haben. Folglich spitzt er Müllers Aussage zu:

"Dein Auto muss leider heute brennen – liebe Zuschauer, gehen Sie mal morgen raus, morgen brennt Ihr Auto, ist halt für den Klimaschutz."

"Rechtfertigt Klimaschutz zur Not auch Gewalt?", lautet die Frage, unter der die Diskussion eigentlich steht. Der Klimaschützer wendet ein, dass Sachbeschädigung nicht zwangsläufig Gewalt ist – Gewalt seien für ihn vielmehr die von ihm bereits erwähnten, letztlich vom Mensch verursachten Katastrophen. "Sie überdehnen den Begriff [Gewalt]", wirft er nunmehr Blome vor.

Der Moderator entgegnet, man müsse sich nun einmal auch über die "Wahl der Mittel" unterhalten. Im weiteren Verlauf des Gesprächs geht es entsprechend darum, ob der friedliche Protest von Fridays For Future nicht auch bereits erfolgreich ist, doch hier finden die Beteiligten ebenfalls keinen Konsens.

Etwas diffus bleibt zudem Müllers Wortschöpfung einer "grünen RAF", die auf den Plan treten könne, wenn es nicht ausreichend Klimaschutz gebe. Als Aufforderung, eine solche Gruppe zu gründen, will er dies explizit nicht verstanden wissen. "Ich weiß deutlich mehr übers Klima als Sie", schießt er schließlich gegen den Moderator, der zu Müllers Unmut immer wieder den Gewalt-Begriff ins Spiel bringt.

Der Rest der Runde steht allerdings klar auf Blomes Seite. "Wir verstehen überhaupt nicht, warum man Gewalt anwenden muss, um zum Ziel zu kommen", schaltet sich Frauke Ludowig ein. Sie kenne viele junge Menschen, die sich einsetzen und bereit seien, etwas zu tun. Dann fügt sie hinzu:

"Gewalt ist aus meiner Sicht da überhaupt kein Vorbild und deshalb sind auch Sie kein Vorbild."

Joachim Llambi gegen Klimaschützer

"Sie sind ein bisschen wirr", wirft anschließend Llambi Müller vor, nachdem letztgenannter Bagger als "seelenlosen Gegenstand" bezeichnet hatte. Denn: Der Bagger gehöre ja irgendjemandem. Um seinen Punkt noch deutlicher zu machen, erklärt der "Let's Dance"-Juror:

"Ein Auto, das sie vielleicht anzünden wollen, um Aufmerksamkeit zu erzielen, gehört jemandem. Vielleicht einer alleinerziehenden Mutter, die am nächsten Morgen zur Arbeit muss, ihre zwei Kinder irgendwo hinbringt. Und Sie sagen: 'Ist mir egal, ich möchte Aufmerksamkeit.'"

Auch Joachim Llambi schaltete sich in die Diskussion ein.
Auch Joachim Llambi schaltete sich in die Diskussion ein.Bild: RTL screenshot

Müller streitet daraufhin ab, ihm gehe es um Aufmerksamkeit, doch Llambi bezieht sich an der Stelle noch einmal konkret auf die vorangegangene Aussage, es würden bei friedlicher Sabotage keine Menschen zu Schaden kommen. Nun dreht sich der Streit endgültig im Kreis, denn erneut differenziert der Aktivist: "Wenn ich Sachen beschädige, kann ich dadurch Menschen beschädigen. Deshalb ist aber der Gewaltbegriff immer einer, den wir zwischen Menschen und Lebewesen denken müssen." Kurz darauf beendet Blome die "ganz schön lebhafte" Diskussion.

Zur Frage, ob Klimaschutz zur Not auch Gewalt rechtfertige, konnten nebenbei übrigens die "Stern TV"-Zuschauer live abstimmen. Das eindeutige Ergebnis: 90 Prozent sagen "Nein".

(ju)

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Lilly Becker feiert: Erste Party nach Inhaftierung von Boris Becker

Nach der Verurteilung und Inhaftierung von Boris Becker wurde seine Frau Lilly Becker nun erstmals wieder auf einer Party gesehen. Obwohl die beiden schon seit vier Jahren voneinander getrennt sind, zeigte sie zuvor, wie sehr auch sie unter all dem litt.

Zur Story