Bilderbuchromanze reloaded: Oliver Welke zeigt ein mögliches Szenarion nach Angela Merkels Entlassung als Kanzlerin.
Bilderbuchromanze reloaded: Oliver Welke zeigt ein mögliches Szenarion nach Angela Merkels Entlassung als Kanzlerin.bild: zdf

Sitzkrieg, Seuchentribüne, stille Lobby-Post: "heute-show" zu Besuch im neuen Bundestag

30.10.2021, 09:33
Christina Raftery

Legebatterie oder Kita? Oliver Welke zeigt sich in der jüngsten Ausgabe der "heute-show" – nach einer weiteren historischen Woche – sichtlich beeindruckt: "Der größte Bundestag, den wir je hatten. 736 Abgeordnete, davon 47 unter 30! Das geht fast in den Bereich Kindertagesstätte." Zudem sei die "Östrogenisierung der deutschen Politik" nicht mehr aufzuhalten: "Wahnsinn, schon die dritte Bundestagspräsidentin in nur 70 Jahren!" Bärbel Bas (SPD) bescheinigt sich selbst "Ruhrpott-Charme", angesichts dessen sich die AfD "warm anziehen müsse".

Apropos AfD: Diese wäre ziemlich allein auf weiter Flur. "Achtung, Futter für den Opfermythos!", kommentiert Welke den "Sitzkrieg" der AfD mit FDP und CDU. "Niemand will gerne neben denen sitzen", berichtet auch Tina Hausten in einer Liveschalte. Es sei wie im Zoo: "Den Affenfelsen schaut man sich gerne an, aber hockt sich da nicht mit drauf." Laut der "heute-show"-Reporterin herrsche die blanke Anarchie: "Die Linken wollen nicht mehr neben den Grünen sitzen, weil die gemeine Sachen über Putin sagen und immer was mit Lauch essen. Abends reservieren die ersten ihre Plätze mit Handtüchern. Und auch die CDU hat einen neuen Abgeordneten, neben dem niemand sitzen will: Armin Laschet. Nie gehört, aber seine Kollegen sagen, er bringe Pech."

"Sitzkrieg" im neuen Bundestag: Keiner will neben der AfD sitzen.
"Sitzkrieg" im neuen Bundestag: Keiner will neben der AfD sitzen.bild: zdf

"Riesengroß, krass und fremd": Willkommen im Bundestag!

Abseits von diesem Klassenzimmergeschehen beobachtete die "heute-show" auf der konstituierenden Sitzung 23 AfD-Abgeordnete in einem speziellen VIP-Bereich: Es handle sich um eine Seuchentribüne, für die Impfverweigerer, die sich nicht mal testen lassen – glücklicherweise gut abgeschirmt von jungen Neulingen wie Emilia Fester (23, Grüne) und Annika Klose (29, SPD), die an ihrem ersten Arbeitstag das "riesengroße, krasse und fremde Gebäude" (Fester) besichtigen, begleitet von "heute-show"-Reporter Fabian Köster und den Ratschlägen von Routiniers wie Renate Künast ("Die richtige Zeit zum Essen finden"), Annalena Baerbock ("Wenn die Kantinenschlange zu lang ist, gibt es nichts mehr zu essen") und Alexander Graf Lambsdorff ("Wann immer sich die Chance auf Essen bietet, direkt zuschlagen, voll reinhauen.").

Bärbel was? Auf jeden Fall kann sich laut Oliver Welke "die AfD künftig warm anziehen, wenn die neue Bundestagspräsidentin die Debatten leitet.
Bärbel was? Auf jeden Fall kann sich laut Oliver Welke "die AfD künftig warm anziehen, wenn die neue Bundestagspräsidentin die Debatten leitet.bild: zdf

Etwas übergeordneter und famos überspitzt formulierte Gesundheitsexperte Karl Lauterbach seine Tipps: "Auch begründete Kritik nur sparsam einsetzen – wenn überhaupt. Ansonsten immer mit dem Strom schwimmen. Ideale kann man haben, aber niemals zeigen." Oberstes Gebot sei Loyalität: "Ich kenne niemanden, der mehr Ideale hat als Olaf Scholz. Das sind Ideale auf Beinen." Fabian Kösters Kommentar: "Sie merken schon: Herr Lauterbach ist für den Humor in der 'heute-show' zuständig."

Ihren ersten Kontakt mit der Realität haben die jungen Neu-Abgeordneten jedoch schon hinter sich: Bereits im Wahlkampf erreichten sie die ersten Kontaktaufnahmen von Lobbyfirmen, darunter Mineralölfirmen, Zeitarbeitsunternehmen und die Waffenindustrie.

"Die Grünen sind an allem schuld"

Nach dieser Erster Schultag-Euphorie liefert Welke den garantierten Stimmungskiller: In Hinblick auf die Klimakrise kriegen die Grünen von allen Seiten Druck. Fridays For Future gehe das Ampelsondierungspapier nicht weit genug, während aus den Kohleregionen zum frühen Ausstieg nur eines komme: "Pfui!" – "Gerade sind die Grünen an allem Schuld", stellt Welke fest und hat für eine paar weitere Szenarien gleich den "Sündenbaerbock" ausgemacht: "Wenn demnächst das Sauerland zur Wüste wird, die Weihnachtsbaum-Ernte verdorrt, die Gletscher schmelzen, die Weihnachtsfeiertage komplett aufs Wochenende fallen oder Joshua Kimmich sich nicht impfen lässt."

"Hätten wir 1987 mal auf einen legendären Ökohippie gehört", erinnert Welke an den einstigen CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß. Der bayerische Landesvater sagte damals belegtermaßen: "Wer mehr Kohle verbrennen will, ist ein Verbrecher an unseren bioklimatischen Verhältnissen und an der nächsten Generation." – "Ganz recht gehört, Kinder", baut Welke die Brücke in die Gegenwart: "Strauß war die Greta Thunberg der 1970-er und 80er-Jahre!"

Oliver Welke erinnert an die "Greta Thunberg der 70er- und 80er-Jahre". Bereits 1987 sagte Franz Josef Strauß: "Wer mehr Kohle verbrennen will, ist ein Verbrecher."
Oliver Welke erinnert an die "Greta Thunberg der 70er- und 80er-Jahre". Bereits 1987 sagte Franz Josef Strauß: "Wer mehr Kohle verbrennen will, ist ein Verbrecher."bild: zdf

Zugeballert

Ohnehin: "die doofen 80-er". Wie "Wetten, dass...?" und ABBA erlebe demnächst auch die Atomkraft ihr großes Comeback, unter anderem befördert von Pro-Atom-Influencer Martin Klempnow und seinem "Klempes Kernkraftkanal" ("Bei Windflaute wird's zappenduster"). Noch ein bisschen Klempnow'sches Atom-Yoga hinterher, dann kann Halloween kommen. Comedian Till Reiners geht dieses Jahr ganz geschwächt als "Joshua Kimmich", denn diesem fehle es eindeutig an Abwehrkräften: "5:0 gegen Gladbach! Lässt sich nicht impfen, weil ihm Langzeitstudien fehlen. Da frage ich mich: Was passiert eigentlich langfristig, wenn man ganz viele Bälle an den Kopf kriegt?"

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