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Markus Lanz platzt am Mittwochabend in seiner Talkshow der Kragen.

"Da wird einem doch schlecht": Markus Lanz platzt der Kragen

Ein Teil-Lockdown folgt auf den nächsten: Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, die Corona-Maßnahmen bis zum 10. Januar zu verlängern. CDU-Politiker Carsten Linnemann kritisierte schon im Vorfeld das Lockdown-Prinzip der Bundesregierung, als er sagte: "Die Bazooka-Politik muss vorbei sein." An diesem Mittwochabend war es jedoch vor allem Moderator Markus Lanz selbst, dem beim Thema Corona-Maßnahmen der Kragen platzte.

Das waren die Gäste bei "Markus Lanz" am 02. Dezember 2020:

Peter Kremsner: Nicht bekannt, ob Impfstoff lange wirkt

Cerstin Gammeln, Prof. Peter Kremsner, Dr. Tankred Stöbe (v.l.n.r.)

Professor Peter Kremsner ist an Testphasen von Corona-Impfstoffen beteiligt. screenshot zdf

Als größter Hoffnungsträger im Kampf gegen das Corona-Virus gilt in Deutschland weiter die Aussicht auf eine baldige Zulassung eines Impfstoffes. Wie lange der Schutz durch die Impfpräparate aber anhält, ist aber noch unsicher, wie Infektiologe Peter Kremsner aus Tübingen betonte. Er war zu Beginn der Sendung "Markus Lanz" am Mittwoch zugeschaltet.

Guten Mutes sagte Kremser zwar, die Bewertung eines Impfstoffes vor seiner Zulassung durch das Paul-Ehrlich-Institut seien streng: "Wenn die etwas zulassen, dann sollte das auch passen und dann können wir uns auch impfen lassen." Ob überhaupt und wie lang der Impfschutz jedoch halten werde, könnten Wissenschaftler bisher nicht abschätzen. Bisher könne man nur von einem Schutz von wenigen Wochen ausgehen.

"Wird da medial und auch politisch möglicherweise mehr Hoffnung gemacht als eigentlich geboten wäre?", wollte Markus Lanz wissen.

Kremsner sagte: "Ich glaube, dass alle unter Druck stehen: Politiker, Hersteller, Ärzte und Forscher." Niemand könne derzeit sagen, ob der Impfschutz der Monate, sechs Monate oder Jahre anhalten wird. Allein Langzeitstudien könnten verlässliche Ergebnisse liefern.

Markus Lanz kritisiert zaghafte Corona-Politik: "Da wird einem doch schlecht"

Während wir hierzulande auf den Impfstoff warten, hat China die Pandemie wieder unter Kontrolle und hängt die westliche Industriestaaten wirtschaftlich ab.

Beim Digitalgipfel am Mittwoch hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt: "Das wird nochmal eine Neuordnung der Regionen sein." Ein Einspieler brachte das Thema am Abend in die bei "Markus Lanz"-Runde.

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Angela Merkel warnte beim Digital-Gipfel vor einer weltweiten wirtschaftlichen Neuordnung. screenshot zdf

Journalistin Cerstin Gammelin zeigte sich sicher: "Da hört man den Frust raus, dass es immer nur wieder halbherzige Lockdown-Maßnahmen gibt." Je halbherziger die Maßnahmen, desto teurer sei laut Gammelin die Krise.

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen mehrerer Teil-Lockdowns platzte Markus Lanz bald der Kragen. So ein einfacher Mund-Nasen-Schutz entscheide möglicherweise, wie wir durchs nächste Jahrzehnt kommen. "Der entscheidet über Aufstieg und Fall einer ganzen Industrienation", ließ Lanz verlauten.

Lanz: "Da wird einem doch schlecht."

An seinen Gast, den CDU-Politiker Carsten Linnemann gerichtet fragte Markus Lanz: "Wenn man es doch weiß, warum machen wir es dann nicht? Warum ordnen wir nicht überall Mund-Nasen-Schutz an, im ganzen Land?" Keiner traue sich, eine klare Ansage zu machen, kritisierte Lanz die politischen Entscheidungen in Deutschland.

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Carsten Linnemann sieht in China einen Überwachungsstaat. screenshot zdf

Linnemann zufolge seien in Ländern wie China nicht allein das Tragen von Masken für den großen Erfolg in der Corona-Pandemie verantwortlich gewesen, sondern vor allem Chinas Rolle als "Überwachungssstaat".

Journalistin Cerstin Gammelin plädiert für strengere Maßnahmen

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screenshot zdf

Auch Journalistin Cerstin Gammelin wünschte sich mehr Durchsetzungsvermögen der Politikerinnen und Politiker: "Ich glaube, es ist einfach Rückgrat gefragt." Die Journalistin ist sich sicher, es braucht strengere Maßnahmen gegen Corona.

Dr. Tankred Stöbe: Die Pandemie hat ihre eigenen Gesetze

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Dr. Tankred Stöbe ist Intensivmediziner und behandelt täglich Covid-19-Patienten. screenshot zdf

Intensivminister Dr. Tankred Stöbe arbeitet für "Ärzte ohne Grenzen". In der "Markus Lanz"-Sendung plädierte er an dieser Stelle noch einmal für Weitblick. Man könne lernen von den asiatischen und afrikanischen Ländern, die die Pandemie bereits gut in den Griff bekommen hätten.

Der Grund: "Es ist vor allem auch die Erfahrung mit früheren Epidemien oder Pandemien." Auch Stöbe forderte klarere Beschlüsse. "Wir zerreiben uns, weil wir glauben, es ist politisch verhandelbar – und dabei kennt eine Pandemie ihre eigenen Gesetze."

Diese "Markus Lanz"-Sendung setzte sich mit den ethischen Fragen der Pandemie auseinander. Vor allem aber hat sie deutlich gemacht, dass die Corona-Krise die Politik auch vor wirtschaftliche und finanzielle Herausforderungen stellt. Die Gäste zeigten sich an diesem Abend wie der Moderator recht ungeduldig, ein Ruf nach Verschärfung der Maßnahmen war vernehmen.

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